9/11 Terrorismus und Sicherheit
Tagesthema zum 10. Jahrestag der Anschläge auf das World Trade Center am 11. September 2001
-
- In Erinnerung an das World Trade Center erstrahlen in New York zwei Lichttürme. (Dan Nguyen @ New York City | flickr | cc by-nc-sa 2.0)
Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 war vor allem ein Satz immer wieder zu hören: "Dieser Tag hat die Welt für immer verändert." Einige dieser Veränderungen sind deutlich spürbar, andere haben eher im Verborgenen stattgefunden.
Deutliche Auswirkungen sind bei Reisen mit dem Flugzeug festzustellen: Die Sicherheitskontrollen haben sich verschärft, es ist nicht mehr erlaubt große Mengen an Flüssigkeiten mit an Bord eines Flugzeugs zu nehmen. Auch das deutsche Sicherheitsgesetz, die Statik bei Hochhausbauten, Seeleute in Häfen und ein kleines Dorf in Pennsylvania haben die Ereignissen von 9/11 nachhaltig beeinflusst.
Terroristen in Deutschland
Ein Gespräch mit Holger Schmidt, Terrorismus-Experte der ARD
Am Donnerstag (08.09.2011) wurden in Berlin zwei Terrorverdächtige festgenommen. (AP/Markus Schreiber)Rund 130 Personen in Deutschland stehen unter ständiger Beobachtung der Sicherheitsbehörden; sie gelten als islamistische Terroristen. 20 bis 30 Personen würden aktuell ständig zwischen dem Jemen, Afghanistan, Pakistan und Deutschland hin und her reisen und sich in Ausbildungslagern der al Kaida schulen lassen, sagt Holger Schmidt, Terrorismusexperte der ARD.
Diese Terroristen lassen sich in drei Gruppen einteilen, sagt Holger Schmidt: In Deutschland aufgewachsene Menschen ausländischer Herkunft, in deren Elternhaus die Religion keine große Rolle spielte. Sie sehen wenige Perspektiven in Deutschland und lassen sich von der al Kaida vereinnahmen. Menschen, die aus dem Ausland nach Deutschland kommen, um hier Anschläge zu verüben. Und drittens deutsche Konvertiten, die nach Meinung von Sicherheitsexperten häufig zu den radikalsten Aktivisten gehören.
Kaum Auswirkungen auf den Hochhausbau
Ein Gespräch mit dem Leiter des Instituts für Mechanik und Statik der Bundeswehr-Universität in München, Professor Norbert Gebekken
Auf dem Gelände des Ground Zero entsteht das One World Trade Center. (freshwater2006 | flickr | cc by-nc 2.0)Die Anschläge vom 11. September haben die Hochhausarchitektur nur in geringem Maße verändert. Der Aspekt der Terrorsicherheit spielt in anderen Bereichen eine größere Rolle. Das seit 2006 im Bau befindliche One World Trade Center, kurz 1 WTC, soll im fertigen Zustand die symbolische Höhe von 1776 Fuß bis zur Spitze erreichen. Das entspricht 541,3 Metern und übertrifft die früheren Zwillingstürme Manhattans um 14,6 Meter. Obwohl das neue Wahrzeichen New Yorks mit speziellem Fensterglas, massivem Spezialstahl und großzügigen Brandschutz-Lagen ausgestattet wird, fristet der Aspekt Terrorsicherheit im Hochhausbau ein Schattendasein, sagt Norbert Gebekken, Leiter des Instituts für Mechanik und Statik der Bundeswehr-Universität in München.
Schiffe als Waffe: Der ISPS-Code
Eine Reportage von Almuth Knigge
Mehr Sicherheit, mehr Einschränkungen - damit kämpfen vor allem Seeleute. (Trinsath | wikimedia commons | gemeinfrei)Der ISPS-Code, der International Ship and Port Facility Security Code, soll verhindern, dass Öltanker und andere Schiffe zur schwimmenden Bombe werden. Nach den Anschlägen vom 11. September sind auch Häfen und Schiffe zu Hochsicherheitstrakten geworden. Zum Nachteil der Seeleute: "ISPiss" nennen sie den Code, der seit 2004 zur Prävention von Anschlägen auf See dienen und den Transport von waffenfähigem Material verhindern soll.
Shanksville: Ein Dorf kollidiert mit der Weltgeschichte
Eine Reportage von Klaus Remme, Deutschlandradio-Korrespondent in Washington.
Das vorläufige Mahnmal für den Flug 93 in Shanksville (Kevin Burkett | flickr | cc by-sa 2.0)Vier Flugzeuge wurden am 11. September 2001 von Terroristen entführt. Zwei trafen die Zwillingstürme in New York, eins das Pentagon. Das vierte Flugzeug, vermutlich bestimmt als Lenkwaffe für das Capitol, schlug auf einem Feld in Pennsylvania in der Nähe des Dorfes Shanksville auf. Dort wird in diesem Jahr das Denkmal für Flug 93 eingeweiht. Schon in den Jahren zuvor sind Zehntausende an diesen Ort gekommen; ein Ground Zero anderer Art. Deutschlandradio-Korrespondent Klaus Remme ist durch die USA gereist und hat nach Spuren gesucht, die der 11. September 2001 in der amerikanischen Gesellschaft hinterlassen hat.
Ground Zero: Die Port Authority of New York and New Jersey
Gespräch mit Thomas Schmidt, ARD-Korrespondent in New York
Das Gelände um Ground Zero gehört dem PANYNJ. (AP / Mark Lennihan)Das World Trade Center gehörte zu ihrem Grundbesitz und das Grundstück von Ground Zero gehört ihr bis heute: der Port Authority of New York and New Jersey. Die Hafenbehörde kümmert sich nicht nur um die Verwaltung im direkten Hafenbereich. Ihr Arbeitsbereich erstreckt sich auf einen Umkreis von 40 Kilometern rund um die Freiheitsstatue. Damit ist sie auch für den Betrieb der New Yorker Flughäfen, mehrerer Bus- und Bahnlinien zuständig. Ihr gehören mehrere Brücken und Tunnel in New York. Auch eine eigene Polizei gehört zu der Behörde - das Port Authority of New York and New Jersey Police Department.
Gesetze zur Sicherheit
Gespräch mit Rolf Clement, Redakteur im Deutschlandfunk, zuständig für Sicherheitsfragen
Die Flughafensicherheit ist nach dem 11. September 2001 drastisch erhöht worden. (/Sizemore/ | flickr | cc by-nc-sa 2.0)Wenige Monate nach dem 11. September 2001 verabschiedete der Bundestag zwei Antiterror-Pakete. Alte Gesetze wurden verschärft und neue formuliert. Diese "Otto-Kataloge" - benannt nach dem damaligen Innenminister Otto Schily - waren umstritten. Die Kritik: Die Gesetze beschnitten die Freiheit der Bürger. Der 11. September war für die Sicherheitspolitik eine Zäsur, sagt Rolf Clement vom Deutschlandfunk. Er fasst zusammen, was sich in den vergangenen zehn Jahren verändert hat.
Besonders spürbar sind die Veränderungen beim Fliegen. Im Handgepäck müssen Creme-Dosen in Tüten verpackt werden, Fläschchen dürfen nicht mehr als hundert Milliliter Flüssigkeit enthalten. Seit 2005 gibt die Bundesrepublik biometrische Reisepässe aus, später wurden auch Fingerabdrücke erfasst. Mit einem Vorhaben ist die damalige Bundesregierung allerdings gescheitert, sagt Rolf Clement: Von Terroristen gekaperte Flugzeuge sollten von der Luftwaffe abgeschossen werden dürfen. Dem verweigerte sich das Bundesverfassungsgericht.
Die Kosten des 11. Septembers gehen in die Billionen
Ein Gespräch mit dem Wirtschaftsjournalisten Jens Korte in New York
Unter George W. Bush wurde der "Krieg gegen den Terror" eingeleitet. (AP)Die Anschläge am 11. September waren auch ein Angriff auf die US-amerikanische Wirtschaft. Dass diese nachhaltig geschädigt wurde, lässt sich aus heutiger Sicht zweifelsfrei bestätigen. Die Kosten gehen in die Billionen. Dabei sind direkte und indirekte Kosten entstanden. Versicherungen zahlten rund 36 Milliarden Dollar, um die Schäden zu begleichen. Die Opfer erhielten sieben Milliarden Dollar.
Die Kosten kurz nach den Anschlägen wurden für New York auf 27,3 Milliarden Dollar geschätzt. Hinzu kommen die Verluste der Luftfahrtindustrie - allein das mehrtägige Luftfahrtverbot in den USA wird mit 1,4 Milliarden Dollar veranschlagt. Doch diese direkten Kosten sind verhältnismäßig gering, wenn man sie mit den indirekten Kosten vergleicht, die der "Krieg gegen den Terror" verursachte. Joseph Stiglitz und Linda Bilmes hatten bereits vor drei Jahren die Kriegskosten berechnet und kamen auf drei bis fünf Billionen Dollar - Tendenz steigend.
Am Sonntag, den 11. September, erinnert die Redaktionskonferenz Spezial von 14:00 bis 16:00 Uhr an den Tag vor zehn Jahren und wie er sich für Korrespondenten und Nachrichtenredakteure entwickelt hat. Zu Gast sind Siegfried Buschschlüter, 2001 Korrespondent des Deutschlandradio in den USA und Jörg-Christian Schillmöller aus der Nachrichtenredaktion des Deutschlandfunk.