Mittwoch, 19. Juni 2013

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Aaron Swartz Das Netz trauert  

In der Webschau berichtet Thomas Reintjes über den Tod eines Hacktivisten

Programmierer, Autor und Hacktivist Aaron Schwartz bei einem Creative Commons Event 2008. Er nahm sich am 11. Januar 2013 das Leben.
Programmierer, Autor und Hacktivist Aaron Schwartz bei einem Creative Commons Event 2008. Er nahm sich am 11. Januar 2013 das Leben. (Fred Beneson | Wikipedia CC BY 2.0)

Er war nicht prominent, doch seine Leistung zum Beispiel für die Creative Commons Lizenzen mit jugendlichen 14 Jahren haben ihn in der Netzwelt zu einem der wichtigsten Programmierer und Hacktivisten gemacht.

Nach bekannt werden von Aaron Schwartz' Freitod am 11. Januar 2013 veröffentlichten viele Online-Medien, Blogger und Organisationen zahlreiche Nachrufe. Er wirkte vor allem im Netz-Hintergrund mit. Cory Doctorow glaubt, dass Aaron Swartz dazu beigetragen hat, dass die Welt ein bisschen besser geworden ist. So hat Swartz eine Organisation mitgegründet, die sich gegen Sopa und Pipa eingesetzt hat. Dann hat er mit 14 Jahren einen wichtigen Standard für die Nachrichtenverbreitung - RSS - mitentwickelt und bei den Creative Commons Lizenzen mitgewirkt.

Freiheitskämpfer

Sein Einsatz für Freiheit im Netz und für freies Wissen könnte mit ausschlaggebend für seinen Freitod gewesen sein. So hat Swartz sich ins MIT geschlichen und sich in das Bibliotheksportal JSTOR gehackt, um anschließend Millionen von wissenschaftlichen Fachartikeln herunterzuladen. Der Zugang zu JSTOR ist normalerweise kostenpflichtig. Mit dem Hack wollte er für freies Wissen demonstrieren. 

Übertriebene Strafverfolgung

JSTOR und Swartz haben sich geeinigt, JSTOR verzichtete auf eine Anzeige, denn der Verlag sei der Verbreitung von Wissen verpflichtet und damit der Zugänglichkeit von Wissen, das habe Swartz deutlich machen wollen. Das MIT dagegen will den Hack nicht auf sich beruhen lassen. Von dort wird Swartz vorgeworfen, er habe die Artikel weiterverbreiten wollen, wie im Nachruf der MIT-Zeitung The Tech zu lesen ist.

Obwohl Swartz keine der Artikel weiterverbreitet hat, ließ die Staatsanwaltschaft nicht locker und setzte für April 2013 den Prozess an. Ihm wurde mit 30 Jahren Haft und einer Million Geldstrafe gedroht.

Swartz' Angehörige machen daher das MIT und die Staatsanwaltschaft für dessen Freitod mitverantwortlich. Sie werfen ihnen übertriebene Strafverfolgung für eine "Straftat ohne Opfer" vor. Der Rechtsprofessor Lawrence Lessig schreibt, man habe Swartz wie einen Terroristen behandelt.

Jahrelange Depressionen

Möglicherweise waren Depressionen die Hauptursache für seinen Freitod, über die Swartz schon vor fünf Jahren gebloggt hat. Einige Nachrufe beziehen sich auch darauf, dass er ein schwieriger Mensch gewesen sei. Bei Electronic Frontier Foundation heißt es, seine eloquente Brillanz sei mit einer komplizierten Introvertiertheit gepaart gewesen. 

Im Namen von Swartz

Um die Sache von Aaron Swartz weiter zu führen, haben Akademiker bei Reddit - einer großen Diskussionsplattform, die Swartz mit aufgebaut hatte, - dazu aufgerufen, wissenschaftliche Publikationen frei ins Netz zu stellen. Einige Wissenschaftler folgten dem Aufruf, stellten ihre Veröffentlichungen online und verbreiteten den Link bei Twitter unter dem Hashtag #pdftribute.

Anonymous hat eher destruktiv auf Swartz' Tod reagiert und hackte am Sonntag die Website des MIT. Kurz zuvor hatte der Präsident des MIT eine Aufklärung der Rolle des MIT im Fall Swartz angekündigt.



Mehr zum Thema:

Online-Aktivist Aaron Swartz: Freiheit oder Tod
(Spiegel.de vom 14.01.2013)

Forscher zollen Swartz #pdftribute
(sueddeutsche.de vom 14.01.2013)

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