Academic Franchising Die McDonaldisierung der Lehre
Britta Mersch berichtet darüber, warum Hochschulen ihre Studiengänge an private Bildungsanbieter verkaufen
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- Doktortitel gibt es nicht nur von der Uni, sondern jetzt auch von privaten Akademien. (cc_flickr/agaumont)
Hochschulen können ihre Studiengänge an private Bildungsträger verkaufen. Man spricht dann von "Academic Franchising". Die Angebote richten sich vor allem an Berufstätige.
Viele Unternehmen legen wert darauf, dass sich ihre Mitarbeiter fortbilden. Dazu gibt es zahlreiche private Akademien, die sich auf die Weiterbildung von Berufstätigen spezialisiert haben. An der Deutschen Versicherungsakademie zum Beispiel können Mitarbeiter der Versicherungsbranche Seminare oder Workshops besuchen. Die Technische Akademie Esslingen hat sich auf die Weiterbildung von Fach- und Führungskräften aus den Bereichen Technik und Wirtschaft spezialisiert.
Studieren an der Akademie
Das Besondere an diesen Akademien: Sie bieten auch Studiengänge an. Das ist zwar eigentlich den Hochschulen vorbehalten, aber eine Art Franchisemodell macht auch das Studieren an den Berufsakademien möglich. Ähnlich wie bei Fast-Food-Ketten können nämlich die Akademien ganze Studiengänge von den Hochschulen erwerben und anbieten, "Academic Franchising" nennt sich das.
Das ist vor allem für Berufstätige interessant. Denn an den Akademien kann am Wochenende studiert werden. Außerdem hat man die Möglichkeit, einen Studienort in Wohnortnähe zu haben. Wenn zum Beispiel ein Versicherungsangestellter aus Stuttgart einen Studiengang belegen möchte, der eigentlich an der FH in Köln angeboten wird, kann er dank "Academic Franchising" auch an einer Berufsakademie studieren, sofern diese mit der FH Köln eine entsprechende Kooperation hat.
Mehr Kontrolle gefordert
Auf den ersten Blick ist das praktisch für alle Seiten: Die Berufstätigen können studieren, die privaten Akademien verdienen daran - weil das Studium in der Regel kostenpflichtig ist - und die Hochschulen machen ihre Studiengänge bekannter. Trotzdem sind Beobachter skeptisch. Denn die Auswahl der Franchisenehmer liegt allein bei den Hochschulen, eine Kontrolle gibt es nicht.
Kritiker fordern ein Modell, wie es zum Beispiel in Großbritannien angewendet wird. Dort ist vom Staat ein Katalog erstellt worden, der ganz genau vorgibt, mit welchen Anbietern die Hochschulen kooperieren dürfen und mit welchen nicht.