Ägypten Ein Jahr nach Beginn der Revolution
Webschau mit Andreas Noll
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- Das Internet war ein wichtiges Instrument zur Mobilisierung der Proteste in Kairo. (dpa / picture alliance / Felipe Trueba)
Wie feiert das Netz den Jahrestag der Revolution in Ägypten?
Zum Jahrestag der ägyptischen Revolution vor einem Jahr gratulieren auf Twitter unzählige User den Ägyptern. Besonders bewegt sind sie davon, dass Maikel Nabil Sanad am 24. Januar freigelassen wurde. Auch fast 2000 weitere politische Gefangene sollen von der Militärführung freigelassen werden. Sanad war im April von einem Militärgericht wegen Beleidigung der Streitkräfte zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Das Verfahren wurde von ägyptischen und ausländischen Bloggern heftig kritisiert, Sanad trat im vergangenen Jahr in einen Hungerstreik. Die Freilassung des Bloggers wurde weltweit begrüßt - ein Signal, das allerdings viel zu spät komme, kritisiert Amnesty International.
Nur bedingt ein Zeichen für eine positive Entwicklung in Ägypten
Es gibt zum Jahrestag - den nahezu jede große Nachrichtenseite im Netz thematisiert - auch viele kritische Stimmen zur Entwicklung in Ägypten. Besonders kritisch äußert sich Welt-Online-Autor Jacques Schuster: Wo die Scharia die Generation Facebook frisst. Schuster setzt sich vor allem kritisch mit den Muslimbrüdern auseinander, die die Parlamentswahlen gewonnen haben.
Etwas nüchterner und auch abgeklärter ist die Analyse auf den Online-Seiten der NZZ. Ägypten auf dem Weg zur zweiten Republik heißt der Beitrag. Aber auch hier wird klar, dass in Ägypten anders als vor einem Jahr nicht mehr die junge Generation und Internetaktivisten den Ton angeben. Der Autor Jürgg Bischoff schreibt dazu: "Die revolutionäre Legitimität der Jugendbewegung hat unter dem Mangel an einigenden Visionen und Führern sowie unter der Propaganda des Regimes schwer gelitten."
Al Ahram, die älteste Zeitung in der arabischen Welt, hat sich mit dem Schicksal anderer Internetaktivisten auseinandergesetzt. Welche Bedeutung hatte Twitter für die Revolution? fragt Al Ahram - eine Frage, die während und nach der Revolution auch im Westen häufig gestellt wurde. Immerhin haben nur 27 von 83 Millionen Ägypter heute Zugang zum Internet.
Al Ahram lässt die zehn bekanntesten Twitter-Aktivisten Ägyptens zu Wort kommen, Blogger, die zum Teil mehr als 100.000 Follower haben. Die Blogger sind davon überzeugt, dass die Bedeutung der Netzwerke weiter wachsen werde. Denn Tweets zählen heute in Ägypten zu den wichtigsten Nachrichtenquellen für die Bürger.
Nicht nur Netzaktivisten sondern einflussreiche Demonstranten lässt Foreign Policy zu Wort kommen. In fünf Porträts zeichnet die US-Seite nach, wie sie die Revolution heute sehen. What Happened to My Revolution? lautet der Titel der Serie. Da kommt eine revolutionäre Sozialistin zu Wort, die vor einem Jahr an vorderster Front gegen Mubarak gekämpft hat, heute aber so frustriert ist, dass sie die Parlamentswahlen boykottiert hat.
Militärrat in der Kritik
Im Zentrum der Kritik steht der Oberste Militärrat. Ein Beispiel für eine kritische Auseinandersetzung mit der Rolle des Militärs, das während der Revolution von den Bürgern gefeiert wurde, findet sich in dem Text des Autors Sharif Kouddous auf der US-Seite The Nation. Gegen diesen Militärrat wird auch zum Jahrestag der Revolution wieder demonstriert. Paradoxerweise feiert das Militär selbst den Jahrestag der Revolution mit Feuerwerk und Parade. Einen guten Überblick zu den wichtigsten Herausforderungen für Ägypten ein Jahr nach der Revolution gibt es in einem Beitrag beim Guardian oder auch bei Al Jazeera.
Wer einen Blick zurück auf die Ereignisse vor einem Jahr werfen will, kann sich den Augenzeugenbericht eines Ägypters anschauen, den die Weltbank auf ihrer Seite zum Jahrestag veröffentlicht hat.