Dienstag, 21. Mai 2013

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Ägypten Mubarak dankt (noch) nicht ab  

Interviews und Reportagen

Demonstranten vor der ägyptischen Botschaft in Bosnien fordern den Rücktritt des ägyptischen Präsidenten Mubarak.
Mubarak, raus aus Ägypten - fordern diese Demonstranten vor der ägyptischen Botschaft in Bosnien. (AP)

Der ägyptische Präsident will nicht zur Wiederwahl im September antreten. Die Opposition fordert dennoch seinen sofortigen Rücktritt. Wie ist die aktuelle Lage in Ägypten? Steht das Land vor dem Beginn einer demokratischen Zukunft – oder droht Chaos?

Und wie verhält sich der Westen? Die USA, Europa und Israel haben das System Mubarak lange Jahre unterstützt – als den vermeintlichen Garanten einer auf Unterdrückung gegründeten Sicherheit. Nun fordert auch US-Präsident Obama seinen Amtskollegen Mubarak zum Rücktritt auf – wie lange kann sich der ägyptische Präsident noch halten?

In einem Thementag widmet sich DRadio Wissen der aktuellen Lage in Ägypten und den möglichen Folgen des Aufruhrs.

Demonstranten tragen eine riesige ägyptische Fahne durch Kairo. Marsch der Millionen: Demonstranten tragen eine riesige ägyptische Fahne durch Kairo. (AP)

 

Hoffen auf die Demokratie

Der ägyptische Bestseller-Autor Alaa al-Aswani kritisiert das Regime Mubarak in seinen Büchern – und jetzt auch als Teilnehmer bei den Demonstrationen auf den Straßen Kairos. Die Situation im Land vergleicht er mit der politischen Wende in Deutschland im Herbst 1989.

Im Interview erklärt Alaa al-Aswani seine Hoffnung auf Demokratie.

Mubarak will abtreten – und vorerst Präsident bleiben

Der ägyptische Präsident Mubarak bei seiner Fernsehansprache am 1.2.2011. Der ägyptische Präsident Mubarak bei seiner Fernsehansprache am 1.2.2011. (AP)

"Hau ab, hau ab", so lautete die Antwort der Regimegegner, nachdem Präsident Hosni Mubarak am Dienstagabend in einer Fernsehansprache angekündigt hatte, dass er nicht zu einer Wiederwahl im September antreten will. Derartige Zugeständnisse sind den Demonstranten offenbar nicht genug – sie wollen einen sofortigen Rücktritt des Mannes, der Ägypten 30 Jahre lang regiert hat. Am Dienstag hatten, so die Organisatoren des Protestes, rund zwei Millionen Menschen gegen Mubarak demonstriert – es war die größte Demonstration in der Geschichte des Landes.

Über die Reaktionen der Demonstranten in der Nacht von Dienstag und Mittwoch berichtet Cornelia Wegerhoff.

Über die Reaktion von US-Präsident Obama auf Mubaraks Fernsehansprache berichtet Klaus Remme.

Über die aktuelle Lage vor Ort sprechen wir mit der Korrespondentin Esther Saoub.

Google und Twitter gegen Mubarak

Die beiden Unternehmen unterstützten die ägyptische Protestbewegung: Ein neues Tool (speak to tweet) dient der Opposition dazu, via Telefon Twitternachrichten zu verfassen. Demonstranten können per Festnetz oder Mobilfunk einen Sprach-Recorder erreichen, der die Meldungen aus Ägypten via Hashtag #egypt auf Twitter bereitstellt.

Die Webschau mit Andreas Noll

Ägyptische Schätze in Gefahr?

Die goldene Totenmaske des Tutanchamun im Ägyptischen Museum in Kairo. Die Totenmaske des Tutanchamun im Ägyptischen Museum in Kairo. (Lars Soltek/flickr/cc-by-nc)

Das System Mubarak schwankt – den Sicherheitskräften im Land entgleitet die Situation. Aus Angst vor Plünderungen und Übergriffen haben viele Menschen bereits Bürgerwehren gegründet – auch im Ägyptischen Museum in Kairo ist es zu Plünderungen gekommen. Was wird aus den altertümlichen Schätzen des Landes? Wie sicher ist beispielsweise die Totenmaske des Tutanchamun?

DRadio Wissen im Gespräch mit Wafaa el Saddik, der ehemaligen Leiterin des ägyptischen Museeums. Die 60-jährige Archäologin war von 2004 bis Ende 2010 Direktorin des Ägyptischen Museums.

Zwischen Doppelmoral und Realpolitik

Mubarak dürfe den Übergang zur Demokratien nicht verzögern – sagte US-Präsident Barack Obama am Dienstagabend. Dabei waren es gerade die USA, aber auch Europa und Israel, die den ägyptischen Potentaten lange Jahre unterstützt haben: Mubarak stand für Stabilität und Schutz vor Islamisten – das schien wichtiger als Freiheit und Menschenrechte.

US-Präsident Obama und der ägyptsche Präsident Mubarak bei einem Staatsbesuch im September 2010. In aller Freundschaft. Obama und Mubarak bei einem Staatsbesuch im September 2010. (AP)

 

Nun erhebt sich das Volk gegen die Verbündeten des Westens und im Rückblick wirkt dessen Politik unverantwortlich. Dabei sind die Ziele internationaler Politik eigentlich klar: Frieden, Sicherheit, Freiheit, Menschenrechte. Allerdings stehen sich zwei konkurrierende Ansätze der internationalen Politik gegenüber, wie diese Ziele am besten zu erreichen sind: Der Realismus und der Liberalismus. Realistische Außenpolitiker betonen das Ziel von Frieden und Sicherheit, liberale das Ziel von Freiheit und Menschenrechten. Wir klären mit dem Politikwissenschaftler Mariano Barbato von der Universität Darmstadt den Unterschied zwischen beiden Positionen, dass beide Schulen so gut wie nie in Reinform vertreten werden und aus welchen Überlegungen heraus der Westen mit verschiedenen Revolutionen umgegangen ist.

 

Mehr bei DRadio Wissen:

Aspekte eines Aufruhrs. Unterdrückung, Umsturz und Umsatzverluste – Eindrücke und Analysen aus Ägypten. (Tagesthema, 1.2.2011)

Chaos in Ägypten. Die Lage spitzt sich zu – doch Mubarak bleibt im Amt. (Tagesthema, 31.1.2011)

Weitere Informationen:

Ägypten kommt nicht zur Ruhe. (Welt Online, 2.2.2011)

"Mubarak wird mit Sicherheit nicht bis September im Amt bleiben", sagt der Politikwissenschaftler Kai Hafez im Interview mit dem Deutschlandfunk. (dradio.de, 2.2.2011)

"Hier geht es ums Überleben". Der deutsch-ägyptische Blogger Philip Rizk über die Brutalität des Mubarak-Regimes. (Spiegel Online, 2.2.2011)

Der arabische Aufstand. Hintergründe auf dradio.de

Aufruhr in Ägypten. Hintergründe auf Aljazeera.net (englisch)

Familie Mubarak hat vorgesorgt. Milliarden auf Auslandskonten. (sueddeutsche.de, 1.2.2011)

Kairo und Amman. In Kairo und Amman zeigt die machtvolle Bekundung des Volkswillens Wirkung – Kommentar. (faz.net, 1.2.2011)

Hintergründe zu den Plünderungen im Ägyptischen Museum in Kairo. Aus dem Youtube-Kanal des National Geographic.

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