Affären Etwas für Könner
Gespräche und Beiträge über Affären, Rollenmodelle und gute Alibis
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- Unter einer Affäre versteht jeder etwas anderes. Die meisten sind sich einig: Leidenschaftlich sollte sie sein. (erix! | flickr | cc by 2.0)
Wenn zwei Sex haben, aber keine Beziehung wollen, dann nennt man das eine Affäre. Doch wie man eine Affäre genau definiert und welche Regeln es gibt, darüber gehen die Meinungen auseinander.
Die Motive für eine Affäre sind vielfältig: Singles, die ihren Traumpartner noch nicht gefunden haben; Geschäftsleute, die keine Zeit für eine feste Beziehung finden; Studenten, die sich noch nicht festlegen wollen; Verheiratete, die einen Seitensprung wagen. Sie alle suchen bewusst eine Affäre – oder sie taumeln hinein.
Die Skandalisierung der Affäre
Nicht alle Affären sind gesellschaftlich akzeptiert. Vor allem Personen des öffentlichen Lebens werden hier kritisch beäugt. Besonders dann, wenn sie privat etwas leben, das ihren offiziellen Äußerungen widerspricht. Aber auch veraltete Rollen- und Beziehungsmodelle sorgen für die Skandalisierung von Affären.
DRadio Wissen hat gefragt, wie man es richtig macht. Denn die Affäre ist alles andere als eine regelfreie Zone.
"Eine Zweitfrau zu haben ist wie Golfspielen"
Korrespondenten berichten von Affären aus aller Welt
Affären gibt es überall auf der Welt, doch mit unterschiedlichen Regeln. (etaKate | Flickr | CC BY-NC-SA 2.0)Wer glaubt, dass sich Affären am besten geheim abspielen, hat keine Ahnung. Zumindest nicht aus der Sicht chinesischer Männer: "Er'nai" heißt das Phänomen in China und bedeutet so viel wie "Zweitfrau". Solche Beziehungen sind auch bei korrupten Beamten beliebt, für die eine hübsche junge Frau ein Statussymbol ist. Eine Zweitfrau zu haben, sei wie Golfspielen, urteilt ein chinesischer Geschäftsmann. Beides seien teure Hobbys. Denn für die "Er'nai" gibt es oft eine eigene Wohnung, ein Monatsgehalt und obendrauf noch ein schickes Auto. In Indien hingegen hält man sich bedeckt und spricht nicht über Affären, auch nicht in den Medien. In Kenia wiederum treibt es auch der Präsident recht bunt.
Mexiko, Russland, Kenia, China, Japan, Indien – ARD-Korrespondenten führen uns mit Affären rund um den Globus
Nicht alle können Affäre
Von Marcus Weber
Vorsicht beim Fremdgehen. (Flickr.com | pasukaru76 | CC BY 2.0)Sex ohne Verpflichtungen. Auf den ersten Blick ist eine Affäre eine schöne und einfache Angelegenheit. Doch das Fehlen von Regeln macht das Affärenleben manchmal sehr kompliziert. Darf ich dem anderen Frühstück machen? Soll ich ihn auf der Straße grüßen? Wie beende ich eine Affäre – und wann?
Was Affären betrifft, gibt es keine festen Regeln oder Zwänge. So viele Menschen es gibt, so viele Definitionen gibt es. Marcus Weber hat mit Affären-Erprobten über ihre Erfahrungen gesprochen.
Eine Affäre ist kein Skandal
Ein Gespräch mit der Gender-Journalistin Julia Seeliger
Ob monogam oder nicht, niemand sollte stigmatisiert werden. (AP)Wenn Politiker eine Affäre haben, ist das gleichbedeutend mit einem Skandal. Doch, ob Promi oder nicht, die Gender-Journalistin Julia Seeliger kann an Affären nichts Skandalöses finden. "Monogamie ist eine Lösung. Eine von vielen, die möglich sind", schrieb Seeliger kürzlich in ihrem Blog bei faz.net. Wer jedoch nicht monogam und heterosexuell ist, sollte auch nicht sexualisiert werden.
Schwule oder Polyamore kennen solche unangebrachten Stigmatisierungen. "Es ist sehr einfach, mit dem Finger auf Leute zu zeigen und zu sagen: Ihr denkt doch nur an Sex", sagt Seeliger im Gespräch mit DRadio Wissen. Doch selbst wer lockere Affären pflege, sehne sich letztlich nach Verbindlichkeit und Sicherheit, glaubt die Journalistin.
Verbotene Lieben – Affären im Film
Von Hendrik Efert
Der Film "Intimacy" zeigt Sex fast in Echtzeit. (picture alliance | dpa | DB studio Cana)Die Affäre hat mittlerweile Kinogeschichte geschrieben: 1939 kam Love Affair in die Kinos. Es ging um einen Mann und eine Frau, die sich auf einem Schiff kennenlernen – beide sind verlobt, aber nicht miteinander. Innige Küsse und heißer Sex kommen in diesem Film allerdings nicht vor, dennoch wurde er mehrfach neu aufgelegt.
In den 1960er Jahren sorgte Die Reifeprüfung für einen Skandal: Darin verführt eine ältere Frau (dargestellt von Anne Bancroft) einen jüngeren Mann (Dustin Hoffman). Viele weitere filmische Darstellungen von Affären folgten: American Beauty zum Beispiel oder Brokeback Mountain. Und natürlich Intimacy von Patrice Chéreau. Hier wird Sex fast in Echtzeit gezeigt.
Der Filmexperte Hendrik Efert über Lust, Verführung und Betrug in der Filmwelt.
Das professionelle Alibi
Ein Gespräch mit Stefan Eiben von der Agentur Alibiprofi
Für manche Bar braucht man wirklich ein gutes Alibi. (Flickr.com | Thomas Hawk | CC BY-NC 2.0)Wer eine Affäre hat und gleichzeitig eine Beziehung, die keine offene ist, braucht ein perfektes Alibi. Stefan Eiben hat eine Firma, die diesen Service professionell anbietet. Er ist sich sicher, dass wir alle für Freunde lügen und ihnen ein Alibi geben würden. Viel angenehmer sei es aber, wenn man es nicht für Freunde mache.
Eiben gründete vor zehn Jahren die Agentur Alibiprofi. Der Service reicht von Alibi-Postkarten, die weltweit von Partnern eingeworfen werden, um einen Urlaub vorzutäuschen, über gefakte Fortbildungsseminare oder gewonnene Urlaubsreisen, die nur für den einen Partner interessant sind, bis hin zum komplett inszenierten Doppelleben. Zwei bis drei Alibis verschafft Eiben auf diese Weise jeden Tag. Ein schlechtes Gewissen hat er dabei nicht. Und er übernimmt jeden Auftrag – solange er legal ist.
Eine Reise mit möglichst viel Sex
Ein Gespräch mit Thilo Mischke, Journalist und Buchautor
Eine Reise mit Absicht: Sex haben. (Flickr.com | abustaca | CC BY-NC 2.0)Es begann mit einer Wette nach einer Trennung: Ein junger Mann reist um die Welt und versucht, mit so vielen Frauen wie möglich zu schlafen. Wenn er es schafft, Sex mit 80 Frauen zu haben, bezahlen seine Freunde die Reise. Der Journalist und Buchautor Thilo Mischke hat sich auf das Experiment eingelassen. Für drei Monate reiste er durch die Ukraine, Israel, Indien, Abu Dhabi und Thailand. Sein Ziel: mit möglichst vielen Frauen zu schlafen. Kaum war er in den Zug gestiegen, lernte er die erste Frau kennen. Er traf sie abends wieder und verbrachte eine Nacht mit ihr.
Über seine Erfahrungen hat er ein Buch geschrieben: "In 80 Frauen um die Welt." "80 Frauen allerdings waren es nicht, sondern etwas weniger als zwanzig", sagt Thilo Mischke, "als es in den zweistelligen Bereich kam, fing ich an, mich schäbig zu fühlen." Denn es ging nicht nur um Sex. "Es waren nicht nur besoffene Club-Dates", sagt Mischke, "ich habe auch die Geschichten der Frauen gehört." Und irgendwann, auf den Fidschi-Inseln, hat er sich auch verliebt. Wie man es schafft, ohne größere Blessuren durch einen solchen Affären-Marathon zu kommen, erzählt Thilo Mischke im Gespräch mit DRadio Wissen.