Afrika 50 Jahre Unabhängigkeit
-
- Monument für die Freiheit in Burkina-Faso, das am 5. August 1960 die Unabhängigkeit erlangte. (Flickr/Karin.Lakemann)
17 afrikanische Staaten erreichten 1960 ihre Unabhängigkeit von den Kolonialmächten. Neun davon allein im Monat August. Dazu gehörten Benin, Niger, der Senegal und die Elfenbeinküste. Wie haben sich die Länder seitdem entwickelt? Welche Visionen haben bis heute Bestand?
Als Vorreiter für den afrikanischen Unabhängigkeitsprozess gilt Ghana, das vormals unter britischer Verwaltung stand. Gemeinsam mit Sudan, ebenfalls eine ehemalige britische Kolonie, gehörte es 1957 zu den ersten beiden afrikanischen Ländern, die die Unabhängigkeit von ihrer Kolonialmacht erlangen konnten - nach mehr als 50-jähriger Unterdrückung.
Die Vereinigten Staaten von Afrika bleiben eine Utopie
Unter dem Präsidenten Kwame Nkrumah entwickelte sich Ghana schließlich zur antreibenden Kraft der afrikanischen Unabhängigkeitsbewegung: Das ideologische Konstrukt des Panafrikanismus sollte helfen dieses Bestreben umzusetzen. Dahinter stand vor allem die Idee den Kontinent zu einer Art "Vereinigte Staaten von Afrika" zu vereinigen. Ein Konzept das zwar als Idee trug, aber nie umgesetzt wurde.
Monument der Unabhängigkeit: Die Independent Arch in Ghanas Hauptstadt Accra. (CCFlickr / Stig Nygaard)
Zuletzt kolonialisiert - zuletzt befreit
Afrika war der letzte Kontinent der der Kolonialisierung zum Opfer fiel - mit gravierenden Folgen, wie Thomas Bierschenk, Professor für Kulturen und Gesellschaften Afrikas an der Universität Mainz, beschreibt: "Da hatten die Kolonialherren in gewisser Hinsicht ihr Instrumentarium der Ausbeutung schon verfeinert und entwickelt. Es gibt Historiker, die sagen dass es auf keinem Kontinent so brutal und entwicklungsfeindlich zuging wie in Afrika."
Die Dominanz der Kolonialherren schwindet, als Europa sich im 2. Weltkrieg befindet. Zwar kämpfen viele Afrikaner in den Armeen ihrer Mutterländer. Sie bemerken aber auch, dass diese durchaus Schwächen haben. Es kommt zu ersten Widerstandsbewegungen auf dem schwarzen Kontinent. Doch während andere Kolonien wie Indien schon Ende der 40er Jahre in die Freiheit entlassen werden, dauert das in Afrika noch an.
Frankreich scheitert in Afrika
Vor allem die Franzosen versuchen noch in den 50er Jahre ihre Kolonien weiter an das Mutterland zu binden. Der damalige Staatspräsident Charles de Gaulle musste seine Bestrebungen aber schließlich einstellen, die "Union française" weiterzuentwickeln. 14 der 17 Länder, die 1960 in die Unabhängigkeit entlassen worden sind, waren ehemalige französische Kolonien. Jedoch war die Unabhängigkeit ein wenig festlicher Akt, wie Bierschenk sagt: "Die Franzosen haben es vorgezogen, das in einem geordneten Prozess schnell über die Bühne zu bringen. Die Länder sind - abhängig vom Besuchsprogramm des französischen Außenministers - unabhängig geworden: also im 4-Tages-Rhythmus."
In einem ausführlichen Beitrag berichtet Oliver Ramme über die Geschichte der Kolonialisierung Afrikas und ihr Ende vor gerade einmal 50 Jahren.
Freiheit ist nicht gleich Freiheit
Mit der Kolonialisierung Afrikas aber auch mit der späten Freiheit des Kontinents waren immer auch wirtschaftliche Interessen eng verknüpft. Den USA waren die kolonialen Bestrebungen der Europäer spätestens nach dem 2. Weltkrieg ein Dorn im Auge - auch wegen der Bodenschätze und Rohstoffvorkommen des Kontinents. Bis heute haben die Europäer hier ihre Finger im Spiel, wie beispielsweise der französische Staatskonzern Areva, der bis heute im bettelarmen Niger Uran abbaut und damit Milliarden verdient. Martina Schulte berichtete in der Webschau vom 3.8.2010 und 4.8.2010.
DRadio-Wissen-Moderatorin Judith Ebert spricht mit dem Journalisten Alexander Göbel über die wirtschaftliche Abhängigkeit Afrikas. Göbel ist ARD-Korrespondent in Rabat und zuständig für die Staaten West- und Nordafrikas.
1960 feierten die Kongolesen ihre Unabhängigkeit von Belgien mit dem Indépendence Cha Cha. Eine musikalische Impression:
Mehr bei DRadio Wissen:
Kontinent ohne Fesseln? - Die Redaktionskonferenz vom 4. August 2010
Kenia: Verfassungsreferendum hat begonnen.
Hunger und Wut: Eine Hungerkrise erschütter Niger. Schuld ist aber nicht nur das Wetter.
Africa United: Ostafrikanische Staaten starten gemeinsamen Markt.
Schrott für die Welt: Ausgemustert, ausgeführt, ausgeschlachtet: Was mit Europas Schrott in Afrika passiert.
Angst vor Verfolgung: Nach Terroranschlägen befürchten somalische Flüchtlinge staatliche Repressionen in Uganda.
Viel Blei, wenig Glanz: Der neue Goldrausch in Westafrika fordert Menschenleben.
Kongo: 50 Jahre Freiheit: Kongo feiert seine Unabhängigkeit. Doch politisch und humanitär kommt das Land nur langsam voran.
Granaten statt Wahlkampf: In Burundi wird Pierre Nkurunziza zum neuen Präsidenten gewählt - denn außer ihm steht keiner zur Wahl.
Neue Kolonialherren: Früher kamen die Belgier, heute die Chinesen: Rohstoffe gegen Infrastruktur lautet der Deal im Kongo.
Blutige Handys: Geologen wollen bestimmen, ob das für die Handy-Herstellung wichtige Erz Coltan aus dem Kongo stammt.
Medien im Überlebenskampf: Von Pressefreiheit keine Spur – Mugabe hält in Simbabwe die Zügel weiterhin fest in der Hand.
Tansania - Afrikas neuer Musterknabe: Mehr als nur Nationalparks – ein Land will nach oben.
Polizisten für den Sudan: Neu ausgebildete Rekruten sollen die Region stabilisieren.
Unliebsame Ex-Kolonie Kongo: Die ehemalige Kolonialmacht Belgien und ihr angespanntes Verhälntis zum Kongo.
Singen für die Freiheit: "Indépendance Tchatcha" steht für die Kongolesische Unabhängigkeitsbewegung.
Geplant wie ein Feldzug: Der Kongo bereitet sich auf die Unabhängigkeitsfeiern vor.
Geputschtes Burkina Faso: Unabhängig seit 1960 und noch immer keine Demokratie
Togos lange Nacht: Unabhängikgeit beudetet auch in Togo nicht gleich Freiheit.
Die Löwin von Duala: Frauenrechtlerin Marie-Louise Eteki zieht eine bittere Bilanz Kameruns "Demokratur".
Freiheit für die Elfenbeinküste: Georges Tai Benson hat die Unabhängigkeit vor 50 Jahren miterlebt.
20 Jahre Unabhängigkeit: Vor zwei Jahrzehnten wurde Namibia in die Unabhängigkeit entlassen.
Vom Kriegsschauplatz zum Paradies: Das ehemalige Bürgerkriegsland Sierra Leone öffnet sich für Touristen.
Gespannte Ruhe: Putschisten haben in Niger die Ausgangssperre aufgehoben, Opposition hofft auf Neuanfang.
Hoffnung am Abgrund: Armut, Arbeitslosigkeit und Hunger nach Freiheit und Demokratie in Guinea.
Gegen Korruption und Großgrundbesitz: Die geplante Landreform in Kenia droht zu scheitern.
Afrika-Dossier - bpb.de