Alan Turing Der Urahn aller Computernerds
DRadio-Wissen-Autorin Nika Bertram erinnert an das bescheidene und brillante Mathematikgenie
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- Alan Turing gilt als Vater von Nerds und Hackern. (Michael Dales | flickr.com | CC BY-NC 2.0)
Am 23.06.2012 wäre er 100 Jahre alt geworden: Alan Turing. Der britische Mathematiker entwickelte die Turingmaschine und gilt als geistiger Vater aller Rechner. Mit der Entschlüsselung des Enigma-Codes half er, den 2. Weltkrieg zu beenden. Er ist einer der Mitbegründer des Forschungsgebiets der Künstlichen Intelligenz. Ein Heldenimage blieb Alan Turing zu Lebzeiten verwehrt. Ein Grund dafür war seine Homosexualität. In einer fünfteiligen Serie widmet sich DRadio Wissen seinem Schaffen.
Die Turingmaschine
DRadio-Wissen-Autorin Nika Bertram wagt Mathematik im Radio
Nachbau einer Turingmaschine (Maria Keays | Flickr | CC BY 2.0)Ab 1931 studiert Alan Turing in Cambridge. Dort begann er mit Studien an einer imaginären Maschine, der Turingmaschine. Sie war noch kein Computer, lieferte aber das grundlegende Modell, mit dem Informatiker heute Berechenbarkeit definieren. Turing selbst baute nie eine Turingmaschine, andere versuchten es. Dazu gehörte sein späterer Gegenspieler Gisbert Hasenjäger.
Die Code-Knacker der Enigma
DRadio-Wissen-Autorin Nika Bertram über den Enigma-Code
Mit der Enigma verschlüsselten die Nazis im 2. Weltkrieg ihren Nachrichtenverkehr. (picture-alliance | dpa | Bernd Thissen)Im 2. Weltkrieg war Alan Turing fast ein Hacker. Mit seinem Team versuchte er die Enigma zu knacken, eine Maschine, die den Nazi-Militärfunk verschlüsselte. Teil der Enigma waren Rotoren. Mit jedem Tastendruck erfolgte eine andere Zuordnung zwischen Klar- und Geheimtextzeichen. Turing baute in Bletchley Park eine Maschine, die so lange alle Einstellungen prüfte, bis der Code gefunden war.
Der Turing-Test: das elektronische Gehirn
Ein abgewandeltes Gesellschaftsspiel sucht den menschenähnlichsten Computer
Wie intelligent sind Roboter wirklich? (Constantine Belias | flickr | cc by-nc-sa 2.0)Alan Turing war auch Pionier der Künstlichen Intelligenz. Er entwickelte einen Test für Mensch und Maschine, den so genannten Turing-Test. Heute wird der Test als eine Art Olympia für Computer-Chatprogramme verwendet. Turings Gedanken zur Künstlichen Intelligenz inspirierten zu Science-Fiction-Klassikern wie "Terminator" oder "Blade Runner".
Rätselhafte Codes der Natur
Alan Turing grübelt vergeblich über Zebrastreifen und komplexe Organismen
Alan Turing interessierte sich auch für biologische Themen - zum Beispiel die Musterung von Zebras. (Andrew Lorien | Flickr | cc-by-nc-2.0)Weniger bekannt sind Alan Turings Pionierleistungen auf dem Gebiet der Biologie und Biochemie. 1951, kurz vor seinem Tod, erforschte er die Geheimnisse der Biologie. Wie entstehen die Muster im Fell von Zebras? Wie entwickelt sich ein Embryo zum Organismus? Die Arbeiten zur Morphogenese kann Turing mangels leistungsstarker Computer nicht abschließen.
Alan Turings Erbe
Über die bleibende Suche nach Wahrheit und Erkenntnis
Zu Lebzeiten wurde Alan Turing wegen seine Homosexualität diskriminiert. 1954 nahm er sich das Leben. (LEOL30 | Flickr | cc-by-nc-sa-2.0)Große Anerkennung blieb Alan Turing zu Lebzeiten verwehrt. Er weigerte sich, seine Homosexualität zu leugnen. Wegen "grober Unsittlichkeit" wurde er verurteilt. Am 8. Juni 1954 nahm er sich das Leben. 2009 rehabilitiert ihn der damalige britische Premierminister Gordon Brown: "Im Auftrag der britischen Regierung und all derer, die dank Alans Arbeit in Freiheit leben können, darf ich sagen: Es tut uns leid. Du hättest weitaus besseres verdient gehabt."
Für die Alan Turing-Serie verwendeten wir Aufnahmen vom Heinz-Nixdorf-MuseumsForum Paderborn, von Mike Davey, aus dem Audio-Archiv vom Bletchley Park Trust / Podcast und von To The Best of Our Knowledge - einem Online-Radiosender von Wisconsin Public Radio. Wir bedanken uns für die freundliche Genehmigung.