Analphabetismus Noch einmal ganz von vorne anfangen
Jutta Stobbe erzählt von der Herausforderung, als Erwachsene richtig lesen und schreiben zu lernen
Sie kommen irgendwie durch die Schule und mogeln sich mehr oder weniger durch die Ausbildung. In Deutschland gibt es rund 7,5 Millionen Menschen, die nicht richtig lesen und schreiben können.
Manche Menschen verfügen über Grundkenntnisse, kommen aber ins Schleudern, wenn sie größere Schreibaufgaben übernehmen sollen. So ging es Jutta Stobbe aus Holzminden. Die heute 54-Jährige merkte schon in der zweiten Klasse, dass sie nicht richtig lesen und schreiben kann. Für nicht gemachte Hausaufgaben erfand sie Ausreden - und musste viele Strafarbeiten meistern.
Durchgemogelt
Erfindungsreich war sie auch später in ihrer Lehre als Köchin, wenn sie die Speisekarte schreiben sollte. Da hatte sie sich zufällig in den Finger geschnitten oder sich verbrannt. Oder sie übernahm Aufgaben von anderen Lehrlingen, damit die ihr Berichtsheft ausfüllten.
Aufgeflogen
So kam sie lange durch. Als ihre eigenen Kinder aber zur Schule gingen, konnte sie ihre Probleme mit dem Lesen und Schreiben nicht mehr vertuschen. Lehrer fragten sie, warum sie die Diktate ihrer Kinder nicht richtig kontrollierte. Sie warfen ihr vor, sich nicht um ihre Kinder zu kümmern. Das war der Moment, in dem Jutta Stobbe entschied, an ihrer Lese- und Schreibschwäche zu arbeiten. Mit 36 Jahren ging sie zur Volkshochschule, um Kurse zu besuchen.
Heute ist Jutta Stobbe froh, dass sie ihre Defizite aufgeholt hat. Anlässlich des Weltalphabetisierungstages am 8. September erzählt sie bei DRadio Wissen von ihrer Geschichte.