Anorexie Erste Magersucht-Tote des Pop
Klaus Walter erklärt, wie der Tod von Karen Carpenter eine Pop-Utopie zerstörte
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- Undatierte Aufnahme von Karen Carpenter und ihrem Bruder Richard, die in den 70 Jahren Erfolge mit ihren Liedern feierten. Karen Carpenter starb 1983 im Alter von 32 Jahren an den Folgen einer chronischen Anorexie. (picture-alliance | dpa | Keystone)
Karen Carpenter war Schlagzeugerin, Sängerin und vor allem das Gesicht der "Carpenters". Die waren in den 70ern eine der bekanntesten amerikanischen Bands. Karens Magersucht-Tod warf ein neues Licht auf die scheinbar heile Welt, für die die Band stand.
Der Tod am 4. Februar 1983 passte so gar nicht in das heile Image der Band. Die Carpenters, Karen und ihr Bruder Richard, waren bekannt für ihre melodiösen, harmonischen Pop-Balladen. "(They Long to Be) Close to You“ war ihr erster Hit; 1970 stand der Song vier Wochen lang an der Spitze der amerikanischen Charts. Auf dem Cover der Platte: Richard und Karen als Vorzeige-Geschwister mit Seventies-Frisur und glücklichem Zahnpasta-Lächeln.
Vorzeigeschild des christlichen Amerikas
Bruder Richard spielte als Wunderkind am Klavier, in der Öffentlichkeit präsentierte sich das Paar als Vorzeigeschild des braven, christlichen Amerika. Wohlgekleidet, die Haare sorgsam frisiert und geföhnt, stets lächelnd – das kam an in einem Land, in dem insbesondere die konservative Bevölkerung noch immer mit den gesellschaftlichen Umbrüchen nach 1968 fremdelte.
Huldigungssongs und Barbiefilme
Schnell verhalf der Todesfall anderen Prominenten dazu, sich endlich in der Öffentlichkeit zu ihrer eigenen Magersucht zu bekennen. Aber es blieb nicht bei gesundheitlicher Aufklärung. In der Popwelt erhielt die Band bald Kultstatus, insbesondere die melancholischen Lieder passten nun in ein ins Gegenteil verkehrte Image der Carpenters. Sonic Youth widmete Karen Carpenter gleich mehrere Songs, und ein Regisseur verfilmte die Bandgeschichte mit Barbiepuppen.