Donnerstag, 23. Mai 2013

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Anschlag Attentäter in US-Sikh-Tempel war Neonazi  

Die Webschau mit Michael Gessat

Eine junge Frau in Indien trauert und betet für die Menschen, die beim Attentat auf den Sikh-Tempel in Oak Creek, Wisconsin, gestorben wird.
Eine junge Frau in Indien trauert und betet für die getöteten Menschen in den USA. (picture alliance | dpa | Raminder Pal Singh)

Am vergangenen Sonntag tötete ein Mann sechs Menschen in einem Tempel der Sikh im Bundesstaat Wisconsin in den USA. Der Attentäter war offenbar ein Anhänger von rassistischem Gedankengut: ein US-amerikanischer Neonazi.

Schon seit den Anschlägen vom 11. September ist das tägliche Leben für Sikhs in den USA komplizierter geworden,  darauf wird jetzt nach dem Anschlag hingewiesen - Angehörige der Glaubensgemeinschaft berichten zum Beispiel über Schikanen bei der Einreise. Nun wurde ihre Glaubensgemeinschaft durch den Angriff auf den Tempel erschüttert.

Ein irrtümliches Attentat?

Unmittelbar nach der Tat wurde über mögliche rassistische Motive spekuliert - denn die Sikhs wurden in der Vergangenheit  mehrmals Opfer von Gewaltanschlägen. Allerdings handelte es sich dabei um makabere Irrtümer: Die Sikhs tragen traditionellerweise Bart und Turban - manch einer verwechselt sie darum mit Muslimen oder Taliban.

Neonazistischer Hintergrund

Einen ähnlichen "Fehler" könnte der mutmaßliche Täter in Wisconsin begangen haben. Ein rassistisches Motiv scheint aber offensichtlich. Die Belege sind auf seiner Haut zu finden: Der 40-jährige Wade Michael Page war nämlich tätowiert – und zwar mit relativ aussagekräftigen Tatoos.

Page hat seine rassistischen Überzeugungen aktiv ausgelebt: Er war Mitglied in diversen Skinhead-Bands und dann Gründer einer eigenen Formation namens "End Apathy"; das berichtet das "Southern Poverty Law Center“, SPLC ist Bürgerrechtsgruppe, die Hass bekämpfen und für Toleranz werben will.

Skinhead-Musik unter dem Radar

Über die Rolle rechtsradikaler Skinhead-Musik bei der Verbreitung rassistischer Gedanken wird in Deutschland intensiv diskutiert - auch hier liegt die Toleranzschwelle in den USA möglicherweise etwa höher. Wahrscheinlich aber bewegt sich die Skinhead-Musikszene unterhalb des Radarschirms der meisten Amerikaner, vermutet USA Today.

Ein Nischenmarkt also, der dennoch durch das Internet seine Zielgruppe erreicht: Vertrieben und beworben wurde "End Apathy" von Label56 - laut eigener Aussage ist das ein Platz für "Independent Music for Independent Minds"; laut SPLC schlichtweg ein Sammelbecken und Umschlagplatz für rassistische Hass-Musik.

Distanzierung - aber "Children of the Reich" bleibt

Mittlerweile hat sich Label56 von der Tat distanziert und die Werke von "End Apathy" von der Website entfernt, "um nicht finanziell oder durch Publicity von der Tragödie zu profitieren". Andererseits bietet das Label weiter Musik von Gruppen wie "Stormtroop 16", "Children of the Reich" und "Total War“ an"

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