Antarktis Kampf ums ewige Eis
Gespräche mit Heinrich Miller, Detlef Damaske, Ernst Peter Fischer und eine Reportage von Jens Rosbach
Am 14. Dezember 1911 - vor genau 100 Jahren - erreichte der Norweger Roald Amundsen mit seinem Team als Erster den geographischen Südpol. Bis heute ist eine Reise in die Antarktis ein Abenteuer. Und bis heute gehört der Kontinent aus Eis keinem: Internationale Verträge regeln den Schutz des Gebiets. Denn unter den Eismassen werden Bodenschätze und Rohstoffe vermutet. Mehrere Länder melden Gebietsansprüche an.
In der Antarktis sind die Lebensbedingungen so unwirtlich, dass selbst in den Sommermonaten Dezember und Januar die Temperatur selten über den Gefrierpunkt steigt.
Pinguine, Robben und Buckelwale sind dort zu Hause. Für den Menschen war dieser Kontinent ursprünglich nicht bewohnbar. Heute gibt es rund 80 Forschungsstationen in der Antarktis, in der meist Wissenschaftler zu Forschungszwecken leben.
Einsame Antarktis
Eine Reportage von Jens Rosbach
Neuseeländische Expedition in der Antarktis. (AP Archiv)Sie ist etwas größer als Europa, genauer gesagt misst die Antarktis 13,2 Millionen Quadratkilometer. Statistisch betrachtet lebt dort fast niemand. Oder genauer: ein Mensch auf 5000 Quadratkilometern. Seit 1820 erschließen Forscher den fast menschenleeren Kontinent - manchmal als Beobachter der Tierwelt, meist aber auf der Suche nach Bodenschätzen. Die Forscher wohnen in Containern oder, wenn es wärmer ist, in Zelten. Das riesige Gebiet teilen sie sich nur mit Pinguinen und manchmal mit Kreuzfahrt-Touristen. Oder mit einigen Wagemutigen und Künstlern, die sich von der Stille und der Landschaft inspirieren lassen.
(Der Beitrag ist eine Wiederholung vom 31.10.2011)
Gebietsansprüche in der Antarktis auf Eis
Ein Gespräch mit Heinrich Miller, stellvertretender Direktor des Alfred-Wegener-Instituts in Bremerhaven
Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts. (Ude Cieluch, Alfred-Wegener-Institut)Niemandem gehört der mit ewigem Eis überzogene siebte Kontinent - auch wenn insgesamt sieben Länder Gebietsansprüche erheben - Argentinien, Australien, Chile, Frankreich, Großbritannien, Neuseeland und Norwegen. Im Antarktisvertrag von 1959, der 1961 ratifiziert wurde, haben sich diese Länder auf das Aussetzen ihrer Gebietsansprüche sowie der friedlichen gemeinsamen Nutzung der Antarktis geeinigt. Dass der Kontinent und sein fragiles Ökosystem besonders schützenswert sind, erfasste 1991 ein Zusatzabkommen, das Madrid Protokoll. Es untersagt noch bis 2041 die Erkundung und Ausbeutung von Rohstoffen. Jede Änderung des Vertrags bedarf der Einstimmigkeit. "Das ist eigentlich ein gutes Konstrukt", sagt Heinrich Miller, stellvertretender Direktor des Alfred-Wegener-Instituts in Bremerhaven. Es sei gar nicht so einfach, dass sich 27 Länder einigten.
Rohstoffe in der Antarktis
Ein Gespräch mit Detlef Damaske, Mitglied der Bundesanstalt für Geowissenschaft und Rohstoffe (BGR)
Bodenschätze unter dem Eis. (jjunyent/flickr/CC BY-NC 2.0)Durchschnittlich zwei Kilometer misst die Eisschicht über dem Kontinent - trotzdem erforschen Wissenschaftler Geologie und Rohstoffvorkommen der Antarktis. Der antarktische Kontinent ist von zahlreichen Gebirgen durchzogen, die an verschiedenen Stellen durch das Eisschild ragen. Die geowissenschaftliche Erforschung dieser Gebirge lässt Rückschlüsse auf den tektonischen Grabenbruch und die geologische Entwicklung zu. Man glaubt, dass es in der Antarktis große Vorkommen an Erdöl, Erdgas, Kohle, Edelmetallen und anderen Bodenschätzen gibt: "Letztendlich vermutet man Rohstoffe wie in den umgebenden Kontinenten wie Australien und dem südlichen Afrika", sagt Detlef Damaske (BGR).
Wie Amundsen den Südpol vermaß
Ein Gespräch mit dem Wissenschaftshistoriker Ernst Peter Fischer, Professor an der Universität Heidelberg
Amundsen erreicht den Südpol: Ein erst 2009 entdecktes Foto des Ereignisses von 1911. (picture alliance / dpa)Roald Amundsen erreichte am 14. Dezember 1911, vor seinem britischen Rivalen Robert Falcon Scott, mit vier Begleitern als erster Mensch den geographischen Südpol. Scott verlor den Wettlauf und kam auf dem Rückweg mit den anderen Expeditionsteilnehmern ums Leben. Amundsen allerdings wollte unbedingt sicherstellen, dass er sein Ziel erreicht hatte. Dazu führte er tagelang Messungen mit einem Sextanten durch. Die Ergebnisse trug er in Tagebücher ein. Eine spätere Auswertung dieser Daten ergab, dass sein Team den südlichsten Punkt der Erdkugel tatsächlich erreicht hat - mit einer Abweichung von höchstens 200 Metern.
2041 läuft die Schonfrist für die Antarktis ab. Was kommt danach? Diskutieren Sie mit uns auf Facebook.