Archäologie Drogen, Waffen - oder Kunstwerke!
Der Archäologe Michael Müller-Karpe erklärt, welch verheerenden Folgen der illegale Handel mit Kulturgütern hat.
-
- Während der Revolution musste das Ägyptische Museum in Kairo schwer bewacht werden. Kunsträuber waren auf Beute aus. (AP)
Illegale Raubgrabungen, falsche Datierungen und weltweite Antikenhehlerei: Die jährlichen Umsätze mit geplündertem Kulturgut werden inzwischen auf einen mehrstelligen Milliarden-Dollar-Betrag geschätzt. Wenn sich die Justiz in die Ermittlungen einschaltet, sind oft Archäologen als Ermittler gefragt: Kriminalarchäologen.
Direkt nach Drogen und noch vor dem Waffenhandel gehören heutzutage Kunstwerke aus der Antike und alte Kulturobjekte zu den teuersten illegal gehandelten Gütern der Welt - das haben Geheimdienste und auch die Unesco in Zahlen festgehalten. Raubgrabungen sind dabei ein weltweites Problem. Betroffen sind vor allem Länder wie der Irak, Syrien, die Türkei oder Griechenland.
Kampf gegen illegalen Antikenhandel
Der Archäologe Michael Müller-Karpe vom Römisch-Germanischen Zentralmuseumin Mainz ist einer der führenden Experten für altorientalische Metallarbeiten. Die irakische Regierung hat ihn dieses Jahr für sein Engagement gegen den illegalen Antikenhandel ausgezeichnet. Auch wenn Prozesse in diesem Bereich äußerst langwierig und kompliziert sind, will Müller-Karpe ein Zeichen setzen.
Klar ist: Chaotische Zustände wie im Irak oder wohl auch in Syrien begüstigen den illegalen Antikenhandel. "Wenn der Staat nicht mehr in der Lage ist, das archäologische Erbe zu schützen, dann kommen die Plünderer und betreiben ihr zerstörerisches Werk", sagt Müller-Karpe im Gespräch mit DRadio Wissen.
Kriminaldramas und Archäologen-Krimis
Eine wirksame Bekämpfung des Problems findet seiner Meinung nach viel zu selten statt. In Deutschland ereignen sich solche Kriminaldramen, wenn Archäologen und Juristen versuchen, Raubgut aus antiken Gräbern in Beschlag zu nehmen und als nationale Kulturgüter in ihre Ursprungsländer zurück zu bringen. Einige dieser Archäologen-Krimis hat Michael Müller-Karpe hat schon miterlebt.