Arktis Melting Pot
Das ewige Eis der Arktis schmilzt - das hat Folgen für Klima, Wirtschaft und Politik
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- Die Arktis ist ein einzigartiger Lebensraum. (U.S. Geological Survey | Flickr | CC BY 2.0)
So wenig Eis war noch nie: Das Meereis der Arktis schmilzt. Im September bedeckte es noch eine Fläche von rund 3,4 Millionen Quadratkilometern zwischen Franz-Josef-Land und Grönland. Das ist weniger als die Hälfte des Durchschnittswerts der vergangenen 30 Jahre. Der Rückzug der Eisschicht eröffnet neue Wege, auch im Run auf die Rohstoffe.
Die Kühlung im Norden stottert und das hat Folgen für das Klima. Insbesondere bei uns in Europa. Denn der arktische Eispanzer hat bisher für größere Temperaturunterschiede zwischen dem hohen Norden und den gemäßigten Breiten gesorgt, und damit auch für mehr Wind.
In der Animation ist der Rückgang des arktischen Eis von 1980 bis 2010 zu sehen. (wikipedia.org | NASA gemeinfrei)
Künftig werden die Westwinde, die so wichtig sind für das Klima in Europa, immer mal wieder einschlafen. Extreme Hitze oder Kälte kann sich so länger halten. Der Meeresspiegel allerdings steigt durch das schwindende Eis in der Arktis direkt nicht an. Das geschieht erst durch das Schmelzen der großen Festlandeismassen auf Grönland oder durch die Eisschmelze auf der gegenüberliegenden Seite der Erde, in der Antarktis.
Erdöl und Erdgas unter dem Eis
Wo das Eis schwindet, wird der Weg frei zu gewaltigen Rohstoffvorkommen, die im Boden des Polarmeers schlummern. Die Geologische Gesellschaft der USA schätzt, dass im Nordpolarmeer ein Viertel aller noch nicht entdeckten Vorkommen an Öl und Gas lagern. Die technischen und ökologischen Risiken der Förderung sind jedoch erheblich.
Die Arktis ist das Gebiet rund um den Nordpol mit dem Nordpolarmeer und den nördlichen Teilen Nordamerikas, Asiens und Europas. (Wiki Commons / gemeinfrei)
Gebietsansprüche geregelt
Anders als gemeinhin angenommen sind die meisten Gebiete klar verteilt, die Gebietsansprüche geregelt. Wo es Konflikte gab, etwa zwischen Norwegen und Russland, hat man sich kürzlich überraschend geeinigt.
Eine ökologische Katastrophe droht noch aus einer weiteren Richtung: Seit Jahren schon lässt die russische Eismeerflotte ausgediente Atom-U-Boote in der Barentsee verrotten. Einige Schiffe sind inzwischen so marode, dass in absehbarer Zeit Radioaktivität auszutreten droht.
Die Kühlkette für das Klima schwindet
Rüdiger Gerdes vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung über die Folgen der Eissschmelze für das Klima
Im Sommer ist das Polarmeer in der Arktis von Eisschollen bedeckt. (AWI)Das Eis wird nicht nur immer weniger - es wird auch immer dünner: Statt wie früher zweieinhalb Meter ist es Durchschnitt heute weniger als einen Meter dick. Schmilzt das Eis am Nordpol, erlahmen die Westwinde in Europa. Die Eisschmelze hat Folgen für unser Klima und für das Nahrungsangebot der Tiere im Eismeer. Durch das schmelzende Eis steigt aber noch lange nicht der Meeressspiegel.
Touristen am Nordpool
Stephan Laack hat das Camp Barneo am 89. Breitengrad besucht
Das Camp Barneo im nordischen Eis - wer möchte, kann hier Urlaub machen. (Leonid Plenkin/ Wiki Commons / gemeinfrei)Seit zehn Jahren errichtet die russische geographische Gesellschaft einen Monat lang das Camp auf einer Eisscholle. Wissenschaftler und Touristen nutzen es als Basis für Expeditionen. Der Trip kostet, je nachdem wie lang man bleibt, bis zu 20.000 Dollar. Am beliebtesten unter Touristen: die Skitour zum Nordpol. Und auch geheiratet wird inzwischen dort.
Auf ganz dünnem Eis
Stefanie Schramm war mit dem Forschungsschiff Polarstern in der Arktis unterwegs
Die Polarstern auf Forschungsreise in der Arktis (picture alliance / dpa | Marioâ hoppmann -Â alfredâ)Mit dem größten deutschen Forschungsschiff Polarstern können Wissenschaftler in Regionen vordringen, die sonst kaum zugänglich sind. In der Framstraße, zwischen Spitzbergen und Grönland, fühlen sie der Arktis den Puls: messen Temperatur und Kohlendioxidsättigung, dokumentieren den Zustand des Zooplanktons und halten Ausschau nach Walen.
Monopoly im Eismeer
Buchautor Christoph Seidler über den Wettlauf um die Rohstoffe am Nordpol
Naturschützer wie die von Greenpeace wollen Ölbohrungen in der Arktis verbieten lassen. (picture alliance / dpa)Die Arktis verspricht ein riesiges Geschäft. Ein Viertel aller unentdeckten Öl- und Gasvorkommen werden dort vermutet. Doch die Förderung ist riskant und technisch anspruchsvoll. Das Meer ist zwar immer öfter eisfrei, aber im Winter kommt das Packeis zurück und droht Förderanlagen zu zerstören.
Atomklo Arktis
Dagmar Röhrlich beschreibt die Gefahr, die von ausgedienten Atom-U-Booten ausgeht
Russland benutzt die Arktis als Atom-U-Boot-Friedhof. (picture alliance / dpa | Fedoseyev Lev)Schon vor dem Fall des Eisernen Vorhangs ließ die russische Nordmeerflotte ihre ausgedienten Atom-U-Boote in der Arktis verrotten. 1981 wurde in der Karasee nördlich von Sibirien nach einem Unfall das U-Boot K-27 versenkt. Jetzt fordert die russische Strahlenschutzbehörde, dass das Boot in den nächsten zwei Jahren geborgen werden muss. Es drohe eine unkontrollierte Kettenreaktion des hochangereicherten Kernbrennstoffs.