Armut Für ein paar Dollar mehr
Wirtschaftswissenschaftler vom MIT in Boston wollen herausfinden, was wirklich gegen Armut hilft
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- Wenn sich die Entwicklungshilfe verändert, könnte auch die Armut schrumpfen. (picture alliance / dpa / Antoine De Ras)
1990 lebten 1,8 Milliarden Menschen weltweit von weniger als einem Dollar am Tag, 2012 sind es noch 1,4 Milliarden Menschen. Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass die Zahl bis 2015 auf 900 Millionen sinken wird - damit wäre das erste Milleniumsziel erreicht. Trotzdem leiden immer noch zu viele Menschen unter Armut.
Als eine Ursache gilt die "Armutsfalle": Die ärmsten Menschen auf dieser Welt haben so wenig Nahrung, so wenig Kapital und kaum Bildung, dass sie sich nicht aus eigener Kraft aus ihrer Situation befreien können. Wirtschaftswissenschafler des Poverty Action Lab am MIT prüfen in sogenannten randomisierten Doppelblindstudien, was gegen absolute Armut hilft.
Entwicklungshilfe geht von falschen Annahmen aus
Die MIT-Ökonomen Abhijit Banerjee und Esther Duflo schreiben in ihrem Buch Poor Economics, dass Menschen, die von weniger als einem Dollar am Tag leben, oft nicht mehr als die Hälfte davon für Essen ausgeben. Steht ihnen mehr Geld zur Vefügung, kaufen sie keine kalorienreichen, sondern gut schmeckende Nahrungsmittel. Wirkungsvoller als die klassische Entwicklungshilfe seien darum Programme, die sich um die Versorgung von Schwangeren und Kleinkindern kümmern.
Echte Armutsfallen und eingebildete
Abhijit Banerjee über die Ökonomie der Armen und die Notwendigkeit, die konkrete Situation zu prüfen
Was bringt mehr: Moskitonetze verschenken oder verkaufen? (picture-alliance | dpa)Was ist die beste Maßnahme gegen Malaria: Moskitonetze verschenken oder verkaufen? Zum subventionierten Preis oder zum Marktpreis? Um herauszufinden, was stimmt, haben Abhijit Banerjee und Esther Duflo randomisierte Kontrollstudien durchgeführt: Ein Dorf bekam die Malarianetze geschenkt, in zwei anderen Dörfern zahlten die Menschen dafür.
Die Pflicht zu helfen
Der Ethnologe Frank Bliss erklärt, warum Armutsbekämpfung ethisch notwendig ist
Nahrungsmittel helfen kurzfristig, langfristig bringt nur das richtige Regieren Vorteile. (AP)Täglich sterben Tausende Menschen, weil sie nicht ausreichend Nahrung und Trinkwasser haben und medizinisch unterversorgt sind. Menschen aus Industrieländern, die unter besseren Bedingungen leben, fühlen sich verpflichtet, das Leben dieser Menschen zu retten. Frank Bliss sagt, dass Geld nicht gleich Hilfe sei. Wichtiger sei es für die Entwicklungsländer, das Regieren zu lernen.
Ein Dollar pro Tag
DRadio-Wissen-Statistikerin Katharina Schüller über die Schwierigkeit, Armut zu messen
Ein Dollar ist zu wenig Geld, um davon am Tag zu leben. (picture alliance / dpa / Jens Kalaene)Die Vereinten Nationen haben vereinbart, bis 2015 die Zahl der Menschen zu halbieren, die mit weniger als einem Dollar täglich auskommen müssen. Katharina Schüller erklärt, wie man errechnet hat, dass absolute Armut bei weniger als einem Dollar am Tag anfängt. Außerdem geht es um die Frage, wie weit wir noch von den Milleniumszielen der UN entfernt sind.
Bhutan: arm aber glücklich
Der Glücksforscher Karma Ura vom Centre for Bhutan Studies über das Glück im Himalaya
Im buddhistischen Bhutan ist Glück staatlich verordnet. (rajkumar 1220 | Flickr | cc-by-2.0)Wachstum macht nicht glücklich. Das ist uns schon länger klar. Im Himalaya, genauer genommen in Bhutan, versuchen die Menschen darum, Wachstum, Umweltschutz, Bildung und Glück unter einen Hut zu bringen. Dazu gibt es dort das "Gross National Happiness". Es garantiert jedem Bhutaner einen ordentlichen Lebensstandard, samt Gesundheit und guter Bildung. Dieses Interview ist eine Wiederholung vom 27.09.2010.