Babylon Die Mutter aller Huren
Timo Grampes über Gott und die Welt
-
- Die Hure Babylon reitet auf einem siebenköpfigen Wesen - Darstellung in der Ottheinrich-Bibel. (Wiki Commons/ gemeinfrei)
Die "Hure Babylon" ist das Sinnbild schlechthin für alles Sündige und Lasterhafte - gegen ihren Willen.
Am Anfang war die Hure - aus Babylon. Im Neuen Testament heißt es: "Sie saß auf einem scharlachroten Tier, das über und über mit Namen beschrieben war, die Gott beleidigten. Das Tier hatte sieben Köpfe und zehn Hörner. (...) In ihrer Hand hielt sie einen goldenen Becher. Er war gefüllt mit den abscheulichen Gräueln ihrer Unzucht. Auf ihrer Stirn stand ein geheimnisvoller Name: 'Babylon', die Große, die Mutter aller Hurerei und allen Götzendienstes auf der Erde."
Hure Babylon und Eva
Doch die Hure Babylon war keine Prostituierte im eigentlichen Sinne, erklärt Jens Schröter, Professor im Bereich Neues Testament an der Humboldt-Universität Berlin. Als das jüdische Volk in das Babylonische Exil gehen musste, wurde der Name "Babylon" zu einem Zeichen für eine feindliche Macht. So bezieht sich Babylon auch auf die Römer. "Das Bild der 'Hure' bedeutet, dass es eine Macht ist, die sich nicht an dasjenige Ethos hält, was für Israel und das Judentum als verbindlich galt. Vor allem, dass sie fremden Götzen nachlaufen, die in Wahrheit keine Götter sind", sagt Jens Schröter.
Sündige Frauen
Im Laufe der Geschichte hat die Hure Babylon noch Sünde auf sich geladen: Zur Reformationszeit etwa galt die Gleichung "Hure Babylon = Papsttum". Und in der Kunst verschmolz die Hure Babylon mit der sündigen Eva. Die Mythen "Eva" und "Hure Babylon" seien schwierig auseinanderzuhalten seien, sagt der Kunsthistoriker Moritz Wullen.
Mehr zum Thema Prostitution im Tagesthema: Prostitution - Weniger ist nackt