Blutvergiftung Verkannte Lebensgefahr
Wie man eine Sepsis erkennt und warum sie so schnell wie möglich behandelt werden muss
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- Selbst durch eine sehr kleine Wunde kann man sich eine Blutvergiftung zuziehen. (RedGlow82 | flickr | cc by 2.0)
Papst Johannes Paul II., Spiegel-Herausgeber Rudolf Augstein oder Superman-Darsteller Christopher Reeve: Sie alle sind an einer Sepsis gestorben, umgangssprachlich auch als Blutvergiftung bekannt. Solche Fälle sind keine Seltenheit. Allein in Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 150.000 Menschen an einer Sepsis. Für knapp 60.000 endet sie tödlich. Damit ist die Sepsis hierzulande die dritthäufigste Todesursache - nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs.
Ursache für eine Blutvergiftung ist immer eine bakterielle Infektion. Das kann eine entzündete Wunde an der Hand sein - durch einen Schnitt mit dem Küchenmesser etwa - aber auch eine Blasen- oder Lungenentzündung. Oft ist auch schlechte Hygiene in Krankenhäusern schuld: Bakterien werden von Ärzten und Pflegern auf Patienten übertragen und gelangen über Katheter oder Operationswunden in den Körper.
Bakterielle Entzündung mit dramatischen Folgen
Bei einer Sepsis schaffen es die Bakterien, ins Blut zu wandern und sich blitzschnell im ganzen Körper auszubreiten. Die Folge: Das Immunsystem spielt verrückt, der Kreislauf bricht zusammen, die Organe versagen.
Wie schnell das gehen kann und wie gefährlich eine Sepsis ist, wissen die meisten Menschen und auch viele Ärzte nicht. Die Symptome sind selten eindeutig. Typisch ist nur, dass es den Betroffenen sehr schnell sehr schlecht geht. Je jünger und fitter ein Patient ist, desto höher sind seine Überlebenschancen. Entscheidend ist es aber, schnell zu handeln.
Wenn der Körper kapituliert
Was bei einer Sepsis passiert beschreibt Kristin Raabe
Die weißen Blutkörperchen, die Abwehrpolizei des Körpers, greifen bei einer Sepsis die eigenen Zellen an. (GMF-Productions | flickr | cc by-nc 2.0)Am Anfang stand bei Dirk Sander eine winzige Verletzung durch Dornen im eigenen Garten. Nur Stunden später lag er im Krankenhaus, zwei Wochen lang musste er auf der Intensivstation bleiben. Zeitweilig bekam er Dialysen und wurde künstlich beatmet. Eine kleine bakterielle Infektion brachte seinen Körper so aus dem Gleichgewicht, dass er ohne ärztliche Hilfe wohl gestorben wäre. Aber Dirk Sander hatte Glück. Inzwischen geht es ihm wieder gut - dank der schnellen Behandlung.
Ab ins Krankenhaus!
Wie man eine Sepsis erkennt und was dann zu tun ist, erklärt Frank Brunkhorst von der Uniklinik Jena
Bei Sepsis: Nicht lange fackeln - ab ins Krankenhaus. (Jens Büttner | dpa/picture-alliance)Ein alter Volksglaube besagt, bei einer Blutvergiftung zöge sich ein roter Streifen von der entzündeten Wunde bis zum Herze. Das kann, muss aber nicht sein. Typisch für eine Sepsis sind dagegen hohes Fieber und eine rasante Verschlechterung des Befindens. Eine Möglichkeit, sich zu schützen, sei eine Impfung gegen häufige Erreger von Blutvergiftungen, sagt Frank Brunkhorst. Er erforscht die Ursachen für die vielen Sepsis-Todesfälle in Deutschland.
Nichts ist wie vorher
Michael Lintzen hat eine Sepsis knapp überlebt, leidet aber bis heute unter den Spätfolgen
Bei besonders schweren Fällen der Sepsis kann eine Bluttransfusion notwendig werden. (Laurent Hamels | dpa/picture-alliance)Michael Lintzen ist 42 Jahre alt, als er im Sommer 2012 bei seiner Arbeit auf einer Mülldeponie einen Teich reinigt, der mit dem Bakterium Leptospira interrogans belastet ist. Aus grippeähnlichen Symptomen wird eine Lungenentzündung mit Sepsis. Die Ärzte im Krankenhaus versetzen Michael Lintzen in ein künstliches Koma - er überlebt, leidet aber seitdem unter Gelenkschmerzen, einem Nierenschaden und kann nicht mehr arbeiten.