Boxen Der Ring als kultureller Ausnahmeraum
Nils Baratella wirft einen philosophischen Blick auf handfeste Sportarten.
Kampfsport ist - wie das Theater - eine spezifische Aufführungsform: Der Kampf findet in einem abgegrenzten Raum statt, der wie eine Bühne wirkt. Er zeigt eine ritualisierte Interaktionsform, die in einem zeitlich fixierten Rahmen stattfindet. In diesem kulturellen Ausnahmeraum werden immer auch gesellschaftliche Werte verhandelt. Und weil diese Werte sich verändern, läuft das Freefighting dem traditionellen Boxen derzeit den Rang ab.
Nils Baratella promoviert in Philosophie an der Universität Oldenburg. In seiner Dissertation beschäftigt er sich mit dem "Boxkampf als Formation der Moderne".
Boxen verhandelt Werte
Das Boxen sei eine sehr vereinfachte Form der Begegnung - zwei Menschen kämpfen miteinander. Gerade deshalb ließen sich durch das Boxen - auf vereinfachte Weise - menschliche Konflikte verhandeln, sagt Baratella: Schwarz gegen Weiß, Arm gegen Reich, Ost gegen West. Durch das Boxen werden Normen und Werte transportiert, die in der jeweiligen Gesellschaft gerade wichtig sind: Fairness, sich an die Regeln halten, sich nach oben durchboxen - darum geht es im Boxen.
Echter Kampf beim Freefighting
Weil der Kampfsport in der Gesellschaft angekommen sei, laufe das Freefighting - vor allem in den USA und in England - dem Boxen mittlerweile den Rang ab, sagt Nils Baratella. Boxen sei heute ein anerkannter Kampfsport mit festen Regeln. Menschen würden sich aber mehr Authentizität wünschen - zum Beispiel im Freefighting.
Freefight in der globalisierten Welt
Hier geht es um den möglichst authentischen Kampf, darum, flexibel, schnell und rücksichtslos zu gewinnen. Es geht um den Sieg, alle Mittel sind erlaubt. Die zunehmende Popularität des Freefights sage etwas über unsere Gesellschaft aus - über eine globalisierte Welt, in der es darum geht, flexibel und erfolgreich zu bleiben, sagt Nils Baratella.