Samstag, 19. Mai 2012

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Buchmarkt Das Geschäft mit Groschenromanen

Gespräch mit der Journalistin Mithu Sanyal

Deutsche Groschenromane des frühen 20. Jahrhunderts.
Deutsche Groschenromane des frühen 20. Jahrhunderts. (wikipedia.org | Andreas Praefcke gemeinfrei)

Wer glaubt, Groschenromane werden nur von Damen über 60 Jahren gelesen, täuscht sich. In den letzten Jahren ist das Einstiegesalter der Leser auf Mitte 20 gesunken.

Buchverlage verdienen im Durchschnitt kaum Geld an normalen Romanen - geschweige denn an Lyrik. Das meiste Geld wird mit Koch-, Garten-, Wellness- oder Gesundheitsbüchern gemacht. Doch nicht im Fall der Groschenromane. Führer der Romanhefte ist der Verlag Bastei Lübbe - der jährlich einen Nettoumsatz von 7,5 Millionen Euro durch Groschenromanen erzielt.

Kapitalismus-Kultur

Selbst wenn der Philosoph Theodor W. Adorno das Format als Kulturform des Kapitalismus beschimpfte, sind Romanhefte alles andere als eine Neuerscheinung - die gab es schon im 18. Jahrhundert unter dem Begriff  Volksbuch.

Einstiegsalter Mitte 20

Der Höhepunkt erlebte das Format von 1905 bis zum ersten Weltkrieg. In den 70erJahren gab es erneut eine Erfolgswelle, insgesamt sei aber der Markt der Romanhefte sehr stabil. Das sagt die Literaturjournalistin Mithu Sanyal. Die Leserschaft sei nicht vor Jahrzehnten ausgestorben, wie einst von Experten befürchtet. Die Groschenromane würden in allen Altersgruppen gelesen, so Sanyal. Das Einstiegsalter der Leser sei in den vergangenen Jahren sogar auf Mitte 20 gesunken.

Vom Groschen zum Euro

Der Begriff Groschenroman rührt daher, dass die Hefte früher ein bis zwei Groschen kosteten. Heute liegt der Preis bei etwa 1,50 Euro. Heute hat das Groschen-Format feste Vorgaben: Die Hefte erscheinen wöchentlich oder alle zwei Wochen - danach sind sie in den Buchhandlungen nicht mehr zu kaufen. Durch die zwei Spalten auf jeder Seite soll ein anderes Lesegefühlt vermittelt werden, unter anderem soll das Format die Lesegeschwindigkeit erhöhen. Außerdem muss das Titelblatt bunt sein, illustriert durch eine spannende Szene aus dem Buch.

Immer Happy End

Die Autoren sind anonym - manchmal werden die Hefte, wie zum Beispiel Perry Rhodan, auch von Autorenkollektiven geschrieben. Die Autoren erhalten durchschnittlich 700 bis 1000 Euro pro Heft. Laut Mithu Sanyal zeichne sich das Format dadurch aus, dass es keinesfalls Ironie beinhaltet. "Es wird nicht mit Lesererwartungen gespielt. Es gibt auf jeden Fall ein versprochenes Happy End", sagt Sanyal.

Mittlerweile gibt es die Romanhefte auch als E-Book. Ein Studiengang an der Uni Heidelberg widmet sich sogar ernsthaft dem Schreibenlernen von Romanheften.



Mehr bei DRadio Wissen:

Übersicht aller Beiträge zur Frankfurter Buchmesse bei DRadio Wissen.

Literatur: Heiß geliebter Schund
Bericht von Monika Ahrens (Kultur, 03.02.2010)

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