Donnerstag, 20. Juni 2013

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Burschenschaften Trinkfest und treu zum Traumjob  

Was hinter Burschenschaften steckt und ob sie heute noch als Karrieremotor funktionieren.

Mitglieder eine sogenannten "Schlagenden Verbindung" trinken Bier bei einer Veranstaltung von studentischen Verbindungen, Burschenschaften und Landsmannschaften in Frankfurt am Main am 01.05.2008.
Kameradschaft gehört in einer Burschenschaft dazu , und sie öffnet zahlreiche Türen für die Karriere. Zumindest war das früher noch so. (picture alliance | dpa | Wolfram Steinberg)

Günstige Studentenbuden in schicken Altbauten, zahlreiche Praktikumsangebote und Kontakte zu den alten und renommierten Herren der Branche - für manchen sind das Gründe, einer Burschenschaft beizutreten.

In Deutschland gibt es etwa 120 Verbindungen mit 10.000 Mitgliedern, die sich unter dem Dachverband Deutsche Burschenschaft zusammengeschlossen haben. Dieser Dachverband hat sich in den vergangenen Wochen und Monaten immer mehr zerstritten: Vor allem haben die engen Verbindungen zu Neonazis und Rechtsextremen für Aufmerksamkeit gesorgt.

Burschentag in Eisenach

Es dürfte also viel Gesprächsstoff für den Burschentag geben. Er findet vom 30. Mai bis zum 3. Juni 2012 in Eisenach statt, etwa 800 Burschen aus Deutschland und Österreich werden erwartet. Wir nehmen das traditionelle Treffen zum Anlass, uns die "Karriereleiter Burschenschaft" genauer anzuschauen.

Karriereleiter Burschenschaft

In einer Burschenschaft knüpft jedes Mitglied Kontakte, lernt die "Alten Herren" kennen und findet so leichter einen Posten in Politik oder Wirtschaft. So war das zumindest früher. Heute scheint es eher von Nachteil, Mitglied in einer Burschenschaft zu sein.

Nicht jede Studentenverbindung ist eine Burschenschaft

Nur etwa 300 der etwa 2200 studentischen Verbindungen im deutschen Sprachraum nennen sich "Burschenschaft". Ihr gemeinsame Nenner ist das Bekenntnis zu den Prinzipien der Urburschenschaft von 1815. Deren Farben - Schwarz, Rot, Gold - wurden zum Symbol der Burschenschafts- und Demokratiebewegung in Deutschland. Sie wurden erstmals 1832 beim Hambacher Fest gezeigt und dadurch einer breiten Masse bekannt. Aus ihrem historischen Verständnis heraus sind Burschenschaften häufig politisch tätig.

Andere Studentenverbindungen haben andere gemeinsame Nenner: Bei katholischen Studentenverbindungen beispielsweise den christlichen Glauben, bei Turnerschaften den gemeinsamen Sport, bei Jagdverbindungen das Jagen, bei Sängerschaften das Musizieren. Auch Damenverbindungen gibt es.


 

Vom Fuchs zum Burschen - rauf auf der Karriereleiter
Gespräch mit der Politologin und Buchautorin Alexandra Kurth

Die Chargierten der Deutschen Burschenschaft in ihren Festuniformen stehen am 22.05.2002 vor dem Eingang des Burschenschaftsdenkmals in Eisenach. Ordnung und Diszipling gehören bei vielen Burschenschaften dazu. (picture-alliance | Martin Schutt)

Die Politikwissenschaftlerin Alexandra Kurth hat zu Burschenschaften geforscht. In einem Artikel der Süddeutschen Zeitung hatte sie vor einiger Zeit gesagt, dass die Karrierechancen durch die Mitgliedschaft in einer Burschenschaft nur bedingt steigen. Manchmal sei es besser, die Mitgliedschaft zu verschweigen, weil der Ruf der Burschenschaften durch die Kontakte zur rechten Szene ruiniert sei.

Wer Mitglied in einer Burschenschaft wird, durchläuft verschiedene Hierarchiestufen. Während der Fuchsenzeit muss sich das Mitglied mit den Traditionen der Burschenschaft vertraut machen, um sich auf die Vollmitgliedschaft vorzubereiten. Diese Orientierungsphase kann bis zu drei Semestern dauern. Wenn sich der Neuzugang als würdig erwiesen hat, steigt er zum Burschen auf. Später wartet dann noch der Titel "Alter Herr" auf ihn. 

 

Fechtpartie, Farbenlied und Fuchsmajor
Unsere Nachrichtenredakteurin Francisca Zecher hatte Einblick in eine Burschenschaft.

Zu einer zweitägigen Tagung trafen sich am 08. und 09. Januar 2009 Vertreter der Deutschen Burschenschaft in Jena. In vollem Wichs präsentieren sich die Mitglieder des Vorstandes.Vertreter der Deutschen Burschenschaft bei einer Versammlung. (picture alliacen | dpa | Jan-Peter Kasper)Für einen Radiobeitrag über das Leben in deutschen Studentenverbindungen hat Francisca Zecher ausführlich in Burschenschaften recherchiert. Nach vielen Anfragen und E-Mails hat sie schließlich Zutritt bekommen in ein Verbindungshaus. Dort durfte sie sogar miterleben, was eigentlich nicht für Frauen gedacht ist: Eine Burschenschaftsfeier.

Über ihre Recherche und die damit verbundenen Erlebnisse spricht sie im Interview bei DRadio Wissen.

 

Im Netz der Burschen
Die Webschau mit Konstantin Zurawski

Zwei Mitglieder einer Burschenschaft küssen sich auf einem Grafitto des Künstlers Banksy.Burschenschaftler haben es bis in die Street-Art geschafft. (daklebtwas | Flickr | CC BY-NC 2.0)Burschenschaften funktionieren über Netzwerke. Wie aktiv aber sind sie auf zeitgenössischen Netzwerken wie Facebook? Und wie werden die Ideen und Aktivitäten wie auch die Veranstaltungen auf den Webseiten der Burschenschaften dargestellt? Konstantin Zurawski hat sich im Netz umgesehen.

 

 

 

Burschen auf dem rechten Weg?
Der Historiker Dietrich Heither ordnet die politische Richtung von Burschenschaften ein.

Kai Ming Au, Student der Betriebswirtschaft und Mitglied der Mannheimer Studentenverbindung "Burschenschaft Hansea"Kai Ming Au sollte voriges Jahr aus der Burschenschaft ausgeschlossen werden: Nicht deutsch genug. (picture alliance / dpa / Martin Schutt) Burschenschaften waren schon früher ein Karriereturbo, sagt Autor und Historiker Dietrich Heither. Vor allem im Kaiserreich sei die Mitgliedschaft in einer schlagenden Verbindung oder einem der zahlreichen Corps hilfreich für den beruflichen Aufstieg gewesen. Zu Zeiten der Bonner Republik sei die Mehrheit der Studenten dann verstärkt katholischen Verbindungen beigetreten. Auch heute noch haben diese Vereinigungen die meisten Mitglieder.

Die verschiedenen Epochen weisen unterschiedliche Ausrichtungen der studentischen Verbindungen auf, sagt Heither: "Es gab von Beginn an eine nationalistisch-völkische Konnotation." Die meisten Verbindungen pflegten zwar ein traditionelles Brauchtum, die heutige Sicht auf diese Verbindungen habe sich aber gewandelt. "Der Habitus dieser Verbände, konservatives Brauchtum und antiquierte Vorstellungen von Männlichkeit sind für eine moderne Elite dysfunktional."

 

Burschenschaften als Karrieremotor
Karriereplaner Jürgen Hesse liefert uns eine Einschätzung

Brüder der "Arminia auf dem Burgkeller" am 31.01.1993 in voller Ausrüstung auf ihrem Paukboden in Jena. Sie trainieren für die Mensur. Die alten Studententraditionen leben seit 1991 in Jena wieder auf. Die vor 178 Jahren in der Stadt gegründete Burschenschaft Arminia ist nach der Wende wieder präsent. Burschenschaft "Arminia auf dem Burgkeller" in Jena: Hier ficht man noch. (picture alliance | dpa | Jan-Peter Kasper)

Die Netzwerkerei in Burschenschaften kann hilfreich sein - Burschenschaftler kommen möglicherweise leichter an gut bezahlte Jobs. In den Bereichen Politik und Wirtschaft funktioniert das besonders gut, hier zählen Vertrauen und der persönliche Kontakt. In den Natur- oder Geisteswissenschaften ist das weniger der Fall.

Da die Öffentlichkeit Mitglieder einer Burschenschaft politisch und in ihren Wertvorstellungen meist als konservativ einschätzt, kann eine Mitgliedschaft aber auch ein Karrierestopper sein.

 

Beratung für Aussteiger
Susanne Schrammar berichtet über straffe Hierarchien, Leistungsdruck und fragwürdige Rituale.

Rund 1000 Mitglieder von studentischen Verbindungen aus Deutschland und Österreich haben sich im Innenhof der Wartburg in Eisenach zum Deutschen Burschentag versammelt.Einer Burschenschaft gehört man eigentlich sein Leben lang an. (picture alliance/dpa/Martin Schutt)Studentenverbindungen folgen dem Lebensbundprinzip. Mit Eintritt in den Männerbund verspricht der Student sich auch nach dem Studium zu engagieren. Doch wie ist das, wenn man sich irgendwann mit dem Couleur, also dem Tragen von Farben in Form von Studentenmützen oder Bändern nicht mehr anfreunden kann und mit den Verbindungsbrüdern nichts mehr zu tun haben will?

Die Studierendenvertretung der Universität Göttingen berät Mitglieder von Verbindungen, die mit diesem Druck nicht mehr klarkommen und aussteigen wollen.

Die Reportage ist eine Wiederholung vom 22.09.2011



Mehr bei DRadio Wissen:

Der unscharfe rechte Rand
Das vermeintliche Aussterben unserer Nation nutzen Rechtspopulisten, um die Bevölkerung am rechten Rand für rassistisches Gedankengut zu gewinnen.
(Tagesthema vom 30.01.2012)

Rechtsdrall deutscher Burschen
Nur erzkonservativ oder rechtsextrem? Das Treffen der Delegierten der Deutschen Burschenschaft in Eisenach sorgt für einen Eklat. Gespräch mit Dr. Alexandra Kurth
(Agenda vom 17.06.2011)

 

Weitere Informationen:

Was Elite-Zirkel wirklich für die Karriere bringen
Rotary und Lions Club, Alumni-Verein oder Studentenverbindung - elitäre Zirkel nutzen ihren Anhängern auch beruflich, heißt es.
(sueddeutsche.de vom 06.11.2011)

Burschenschafter Kai Ming Au: "Ich war fassungslos"
Der Dachverband Deutsche Burschenschaft diskutierte darüber, die Verbindung von Kai Ming Au auszuschließen, weil sie den chinesischstämmigen Studenten aufgenommen hat.
(spiegel.de vom 18.06.2011)

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Kommentare 2 - 1 von 2

  • 2. Vielen Dank für Ihren Kommentar...

    ...den wir glauben, nun berücksichtigt zu haben.

    Onlineredaktion 01.06.2012 19:57 Uhr

  • 1. Was auch DRADIO WISSEN nicht vermittelt

    Wie zu erwarten steigt auch in diesem Jahr zum Burschenschaftertreffen in Eisenach die mediale Aufmerksamkeit zum Thema Burschenschaften und Studentenverbindungen. Schon fast als Gewinn muss man dabei sehen, dass die Medien (auch DRADIO WISSEN) inzwischen sehr sauber und scharf den Begriff der Burschenschaft benutzen. Auch kommt das BurschenschaftLer dem ReportLer kaum mehr über die Lippen. Über so etwas mus man schon froh sein. Nur leider ziehen sich die Medien (und damit auch DRADIO WISSEN) damit geschickt aus der Verantwortung. Kaum ein Außenstehender (und übrigens auch nur wenige Journalisten) können wirklich zwischen den Begriffen "Studentenverbindung" (= Oberbegriff) und "Burschenschaft" (= Unterbegriff / eine Art der Ausprägung unter vielen Arten von Studentenverbindungen) unterscheiden. Alles hängt irgendwie zusammen. Aber wie? Keine Ahnung. Mit der medialen Konzentration auf Burschenschaften erfolgt eine Überhöhung derselben, die mit der realen Wirklichkeit und ihrer Bedeutung innerhalb der Studentenverbindungen nichts gemein hat. Und es ist leider nirgends ersichtlich, dass die Medien bereit wären, ihrem Aufklärungsauftrag nachzukommen.

    UlrichWitt 31.05.2012 14:30 Uhr

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