Burschenschaften Trinkfest und treu zum Traumjob
Was hinter Burschenschaften steckt und ob sie heute noch als Karrieremotor funktionieren.
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- Kameradschaft gehört in einer Burschenschaft dazu , und sie öffnet zahlreiche Türen für die Karriere. Zumindest war das früher noch so. (picture alliance | dpa | Wolfram Steinberg)
Günstige Studentenbuden in schicken Altbauten, zahlreiche Praktikumsangebote und Kontakte zu den alten und renommierten Herren der Branche - für manchen sind das Gründe, einer Burschenschaft beizutreten.
In Deutschland gibt es etwa 120 Verbindungen mit 10.000 Mitgliedern, die sich unter dem Dachverband Deutsche Burschenschaft zusammengeschlossen haben. Dieser Dachverband hat sich in den vergangenen Wochen und Monaten immer mehr zerstritten: Vor allem haben die engen Verbindungen zu Neonazis und Rechtsextremen für Aufmerksamkeit gesorgt.
Burschentag in Eisenach
Es dürfte also viel Gesprächsstoff für den Burschentag geben. Er findet vom 30. Mai bis zum 3. Juni 2012 in Eisenach statt, etwa 800 Burschen aus Deutschland und Österreich werden erwartet. Wir nehmen das traditionelle Treffen zum Anlass, uns die "Karriereleiter Burschenschaft" genauer anzuschauen.
Karriereleiter Burschenschaft
In einer Burschenschaft knüpft jedes Mitglied Kontakte, lernt die "Alten Herren" kennen und findet so leichter einen Posten in Politik oder Wirtschaft. So war das zumindest früher. Heute scheint es eher von Nachteil, Mitglied in einer Burschenschaft zu sein.
Nicht jede Studentenverbindung ist eine Burschenschaft
Nur etwa 300 der etwa 2200 studentischen Verbindungen im deutschen Sprachraum nennen sich "Burschenschaft". Ihr gemeinsame Nenner ist das Bekenntnis zu den Prinzipien der Urburschenschaft von 1815. Deren Farben - Schwarz, Rot, Gold - wurden zum Symbol der Burschenschafts- und Demokratiebewegung in Deutschland. Sie wurden erstmals 1832 beim Hambacher Fest gezeigt und dadurch einer breiten Masse bekannt. Aus ihrem historischen Verständnis heraus sind Burschenschaften häufig politisch tätig.
Andere Studentenverbindungen haben andere gemeinsame Nenner: Bei katholischen Studentenverbindungen beispielsweise den christlichen Glauben, bei Turnerschaften den gemeinsamen Sport, bei Jagdverbindungen das Jagen, bei Sängerschaften das Musizieren. Auch Damenverbindungen gibt es.
Vom Fuchs zum Burschen - rauf auf der Karriereleiter
Gespräch mit der Politologin und Buchautorin Alexandra Kurth
Ordnung und Diszipling gehören bei vielen Burschenschaften dazu. (picture-alliance | Martin Schutt)
Die Politikwissenschaftlerin Alexandra Kurth hat zu Burschenschaften geforscht. In einem Artikel der Süddeutschen Zeitung hatte sie vor einiger Zeit gesagt, dass die Karrierechancen durch die Mitgliedschaft in einer Burschenschaft nur bedingt steigen. Manchmal sei es besser, die Mitgliedschaft zu verschweigen, weil der Ruf der Burschenschaften durch die Kontakte zur rechten Szene ruiniert sei.
Wer Mitglied in einer Burschenschaft wird, durchläuft verschiedene Hierarchiestufen. Während der Fuchsenzeit muss sich das Mitglied mit den Traditionen der Burschenschaft vertraut machen, um sich auf die Vollmitgliedschaft vorzubereiten. Diese Orientierungsphase kann bis zu drei Semestern dauern. Wenn sich der Neuzugang als würdig erwiesen hat, steigt er zum Burschen auf. Später wartet dann noch der Titel "Alter Herr" auf ihn.
Fechtpartie, Farbenlied und Fuchsmajor
Unsere Nachrichtenredakteurin Francisca Zecher hatte Einblick in eine Burschenschaft.
Vertreter der Deutschen Burschenschaft bei einer Versammlung. (picture alliacen | dpa | Jan-Peter Kasper)Für einen Radiobeitrag über das Leben in deutschen Studentenverbindungen hat Francisca Zecher ausführlich in Burschenschaften recherchiert. Nach vielen Anfragen und E-Mails hat sie schließlich Zutritt bekommen in ein Verbindungshaus. Dort durfte sie sogar miterleben, was eigentlich nicht für Frauen gedacht ist: Eine Burschenschaftsfeier.
Über ihre Recherche und die damit verbundenen Erlebnisse spricht sie im Interview bei DRadio Wissen.
Im Netz der Burschen
Die Webschau mit Konstantin Zurawski
Burschenschaftler haben es bis in die Street-Art geschafft. (daklebtwas | Flickr | CC BY-NC 2.0)Burschenschaften funktionieren über Netzwerke. Wie aktiv aber sind sie auf zeitgenössischen Netzwerken wie Facebook? Und wie werden die Ideen und Aktivitäten wie auch die Veranstaltungen auf den Webseiten der Burschenschaften dargestellt? Konstantin Zurawski hat sich im Netz umgesehen.
Burschen auf dem rechten Weg?
Der Historiker Dietrich Heither ordnet die politische Richtung von Burschenschaften ein.
Kai Ming Au sollte voriges Jahr aus der Burschenschaft ausgeschlossen werden: Nicht deutsch genug. (picture alliance / dpa / Martin Schutt) Burschenschaften waren schon früher ein Karriereturbo, sagt Autor und Historiker Dietrich Heither. Vor allem im Kaiserreich sei die Mitgliedschaft in einer schlagenden Verbindung oder einem der zahlreichen Corps hilfreich für den beruflichen Aufstieg gewesen. Zu Zeiten der Bonner Republik sei die Mehrheit der Studenten dann verstärkt katholischen Verbindungen beigetreten. Auch heute noch haben diese Vereinigungen die meisten Mitglieder.
Die verschiedenen Epochen weisen unterschiedliche Ausrichtungen der studentischen Verbindungen auf, sagt Heither: "Es gab von Beginn an eine nationalistisch-völkische Konnotation." Die meisten Verbindungen pflegten zwar ein traditionelles Brauchtum, die heutige Sicht auf diese Verbindungen habe sich aber gewandelt. "Der Habitus dieser Verbände, konservatives Brauchtum und antiquierte Vorstellungen von Männlichkeit sind für eine moderne Elite dysfunktional."
Burschenschaften als Karrieremotor
Karriereplaner Jürgen Hesse liefert uns eine Einschätzung
Burschenschaft "Arminia auf dem Burgkeller" in Jena: Hier ficht man noch. (picture alliance | dpa | Jan-Peter Kasper)
Die Netzwerkerei in Burschenschaften kann hilfreich sein - Burschenschaftler kommen möglicherweise leichter an gut bezahlte Jobs. In den Bereichen Politik und Wirtschaft funktioniert das besonders gut, hier zählen Vertrauen und der persönliche Kontakt. In den Natur- oder Geisteswissenschaften ist das weniger der Fall.
Da die Öffentlichkeit Mitglieder einer Burschenschaft politisch und in ihren Wertvorstellungen meist als konservativ einschätzt, kann eine Mitgliedschaft aber auch ein Karrierestopper sein.
Beratung für Aussteiger
Susanne Schrammar berichtet über straffe Hierarchien, Leistungsdruck und fragwürdige Rituale.
Einer Burschenschaft gehört man eigentlich sein Leben lang an. (picture alliance/dpa/Martin Schutt)Studentenverbindungen folgen dem Lebensbundprinzip. Mit Eintritt in den Männerbund verspricht der Student sich auch nach dem Studium zu engagieren. Doch wie ist das, wenn man sich irgendwann mit dem Couleur, also dem Tragen von Farben in Form von Studentenmützen oder Bändern nicht mehr anfreunden kann und mit den Verbindungsbrüdern nichts mehr zu tun haben will?
Die Studierendenvertretung der Universität Göttingen berät Mitglieder von Verbindungen, die mit diesem Druck nicht mehr klarkommen und aussteigen wollen.
Die Reportage ist eine Wiederholung vom 22.09.2011