Dienstag, 21. Mai 2013

Globus /

China Bücher zwischen Markt und Zensur  

Silke Ballweg mit einem Rundgang über Chinas größte Buchmesse, der Beijing Book Fair

Eine Frau ist über ein Buch mit chinesischen Schriftzeichen gebeugt.
In China herrschen auf dem Büchermarkt ganz eigene Regeln. (Landov 3936800 | dpa/picture-alliance)

China hat ein eigenartiges System, um Bücher zu verlegen. Staatliche Verlage sind auf Hilfe privater Agenturen angewiesen. Diese Agenturen dürfen selbst keine Bücher vermarkten, weil nur die Verlage ISBN-Nummern bekommen.

Es ist ein ganz eigenes System, das auf Chinas Buchmarkt herrscht. Offiziell gibt es in China 581 staatliche Verlage. Sie erhalten alle ISBN-Nummern, die die Registrierung und den Handel mit Büchern überhaupt erst möglich machen. Private Verlage sind bis heute in China nicht erlaubt.

Kultur-Agenten statt privater Verlag

Doch es gibt auch quasi private Verlage, nämlich unter dem Deckmantel einer "Kultur-Agentur". Diese Agenturen arbeiten wie ein Verlag, lektorieren Bücher und stellen sie auch her - ganz am Schluss kaufen sie dann eine ISBN-Nummer von einem staatlichen Verlag, so dass die Bücher doch offiziell erscheinen können.

Chinesen sind keine Bücherwürmer

Bücher unterliegen in China, wie auch Zeitungen, Film oder Fernsehen, der Zensur. Der Buchmarkt wächst zwar von Jahr zu Jahr. Im vergangenen Jahr sind rund 190.000 neue Titel erschienen, doch bei einer Bevölkerung von 1,3 Milliarden Menschen ist das nicht besonders viel. Zum Vergleich: In Deutschland erscheinen jedes Jahr fast 90.000 neue Bücher bei einer Gesamtbevölkerung von rund 82 Millionen. Die erwachsenen Chinesen greifen selten zum Buch, einzig Ratgeber-Literatur kommt bei ihnen gut an.



Mehr zum Thema bei DRadio Wissen:

China - Von Recht und Unrecht
Wer sich in China über eine Behörde oder einen Beamten beschweren will, kann bei einer höheren Instanz eine Petition einreichen. Eine alte Tradition, die aber alles andere als gerecht ist.
(Globus vom 31.07.2012)

Tiananmen: Chinas verbotene Bücher
Markus Rimmele über Chinas Drehscheibe für unzensierte Informationen
(Kultur vom 01.06.2012)

 

Weitere Informationen:

Friedenspreisträger Liao Yiwu: Wie ich im Gefängnis schreiben konnte
(Faz.net vom 16.08.2012)

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