China Bücher zwischen Markt und Zensur
Silke Ballweg mit einem Rundgang über Chinas größte Buchmesse, der Beijing Book Fair
China hat ein eigenartiges System, um Bücher zu verlegen. Staatliche Verlage sind auf Hilfe privater Agenturen angewiesen. Diese Agenturen dürfen selbst keine Bücher vermarkten, weil nur die Verlage ISBN-Nummern bekommen.
Es ist ein ganz eigenes System, das auf Chinas Buchmarkt herrscht. Offiziell gibt es in China 581 staatliche Verlage. Sie erhalten alle ISBN-Nummern, die die Registrierung und den Handel mit Büchern überhaupt erst möglich machen. Private Verlage sind bis heute in China nicht erlaubt.
Kultur-Agenten statt privater Verlag
Doch es gibt auch quasi private Verlage, nämlich unter dem Deckmantel einer "Kultur-Agentur". Diese Agenturen arbeiten wie ein Verlag, lektorieren Bücher und stellen sie auch her - ganz am Schluss kaufen sie dann eine ISBN-Nummer von einem staatlichen Verlag, so dass die Bücher doch offiziell erscheinen können.
Chinesen sind keine Bücherwürmer
Bücher unterliegen in China, wie auch Zeitungen, Film oder Fernsehen, der Zensur. Der Buchmarkt wächst zwar von Jahr zu Jahr. Im vergangenen Jahr sind rund 190.000 neue Titel erschienen, doch bei einer Bevölkerung von 1,3 Milliarden Menschen ist das nicht besonders viel. Zum Vergleich: In Deutschland erscheinen jedes Jahr fast 90.000 neue Bücher bei einer Gesamtbevölkerung von rund 82 Millionen. Die erwachsenen Chinesen greifen selten zum Buch, einzig Ratgeber-Literatur kommt bei ihnen gut an.