Computerspiele Heilige Spiele
Tobias Lenartz, Kooperative Berlin
Während Anfang der 90er Jahre hierzulande noch über Sinn und Unsinn von Videospielen diskutiert wurde, hatten in den USA christliche Kreise das neue Medium bereits für sich entdeckt. Christliche Verlage versuchten die Jugend mit moralisch wertvollen Spielen zu beglücken. Kleine Spielefirmen wollten neue Zielgruppen erschließen, indem sie ihre Billigproduktionen mit biblicher Dekorationen versahen.
In "Noahs Ark" von 1991 durfte man Tiere zur Arche schleppen. In "Baby Moses" aus dem gleichen Jahr galt es, besagten Säugling vor übellaunigen Ägyptern zu retten. Angelehnt waren diese Spiele des Games-Produzenten "Wisdom Tree" an "Super Mario 2". Der Mash-up für die heilige Sache gehörte seither zur Produktionsstrategie der Spezialisten für biblisch unterfütterte Videospiele.
Mit der Steinschleuder auf Widder schießen
So ist etwa das 1994 erschiene "Noahs Ark 3D" ein Klon des hierzulande indizierten "Wolfenstein 3D". Doch statt wie im Großvater des Ego-Shooters auf Nazis zu ballern, muss man mit einer Steinschleuder wild gewordene Widder mit Früchten beschießen – um sie zu beruhigen. Es blieb nicht der einzige christlich aufgewertete Ego-Shooter. In "Ominous Horizons" beispielsweise galt es Dämonen zu bekämpfen, die Gutenbergs Bibel geklaut hatten.
Kaum überraschend wurde auch der gewaltige Multiplikator Facebook als attraktive Plattform für Spiele mit religiöser Ausrichtung entdeckt: Im Social-Game "FaithLand" muss man eine Kirche errichten: Je größer das Gotteshaus und je mehr Kreuze und Bibeln man ansammelt, desto mehr Glauben wird generiert. So kann der Spieler die kirchliche Hierarchieleiter nach oben klettern und es bis zum Erzbischof bringen. Ein Prinzip, dem zwar mancher Papst vergangener Jahrhunderte einiges abgewinnen konnte, das aber weder von den Usern noch christlichen Bloggern sonderlich gut angenommen wurde.
Facebook auf den Spuren des Heilands
Erfolgreicher hatte die christliche Produktionsfirma "LightsideGames" bereits die Moses-Geschichte zum Social-Game aufbereitet. In ihrem neuen Spiel "Journey of Jesus" darf man endlich auch auf Facebook auf den Spuren des Heilands wandeln. Rund 700.000 Spieler haben seit Mitte Mai dieses Angebot angenommen.
Weitere Links und Informationen des NETZ.REPORTERS bei Facebook, Twitter und Google+.