Cyber-Terror Massenpanik in Indien
Michael Gessat berichtet in der Webschau über den Cyber-Terror, der in Bangalore indische Arbeiter zur Massenflucht getrieben hat
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- Massenpanik in Bangalore nach Terror-Drohungen per SMS und Social Media. (picture alliance / dpa | EPA)
Per SMS und Social Media erhielten Arbeiter in Bangalore, dem indischen "Silicon Valley", Drohungen.
Dass am 2. Mai 2011 US-amerikanische Spezialtruppen Osama bin Laden aufgespürt und getötet hatten, machte damals zuerst über Twitter die Runde – ein Regierungsbeamter hatte vor jeder offiziellen Bestätigung eine Kurznachricht abgesetzt. Und kurz danach stellte sich heraus, dass ein Augenzeuge in Pakistan quasi live über die Kommandoaktion getwittert hatte – ohne allerdings zu ahnen, was es mit den Hubschrauberflügen und Geräuschen auf sich hatte.
Cyber-Panik
Keine Frage: Brandaktuelle News aus Sozialen Netzwerken können einen wichtigen Informationsvorsprung bringen. Vorausgesetzt, sie stimmen überhaupt. Am 19. August war es in Indien zu einer Massenpanik gekommen, nachdem über Twitter, Facebook, Youtube und SMS gefälschte Nachrichten über Massaker verbreitet worden waren.
Die Frage, ob eine Cyber-Panik auch woanders denkbar ist, nämlich etwa in den USA, stellt sich Klint Finley beim Technologie-Blog TechCrunch. Und er bringt dort zunächst noch einmal die Abläufe der Massenpanik in Bangalore, in deutscher Sprache kann man sich die zum Beispiel bei Tagesschau.de noch einmal anschauen.
Terror-Effekt
Aber die Fotos und Filmclips, und eben auch die Berichte und Warnungen waren offenbar komplett gefälscht, wie TechCrunch und auch Welt Online berichten. Die ersten Spuren zu den Hintermännern des Cyber-Terror führen nach Pakistan, schreibt die Indian Times. Der Effekt, den die gefälschten Nachrichten über Massaker und Terrordrohungen auslösten, ist am Ende der gleiche wie bei einem echten Terroranschlag - insofern ist es nicht abwegig, von Cyber-Terror zu sprechen.
SMS eingeschränkt
Um die Panik einzudämmen, hat die indische Regierung zunächst eine Art Notbremse gezogen und den Versand von Massen-SMS eingeschränkt. Schwieriger ist es, das Netz unter Kontrolle zu bringen, wie heise.de berichtet. Das gilt besonders, wenn "problematische“ Inhalte auf Servern im Ausland liegen, wo eventuell auch andere rechtliche Bestimmungen herrschen. Hier sind die Behörden auf die Kooperation mit den Betreibern angewiesen - die "Holzhammermethode“, also die komplette Blockade von bestimmten Social Networks dürfte zumindest für einen demokratischen Staat keine angemessene Lösung sein.
Wirkung von Desinformation
Damit gefälschte Nachrichten überhaupt so wirken können, muss es genügend Leute geben, die die Sache glauben und weiterverbreiten - das ist naheliegenderweise eher in Unruhegebieten mit schlechter Presseversorgung oder in ohnehin emotional aufgeladenen Situationen der Fall. Klint Finley von TechCrunch verweist aber zum Beispiel auf eine Beinahe-Panik an einer amerikanischen Hochschule und auf Polit-Aktionen wie die der Yes Men. Im Grunde lassen sich Desinformations-Kampagnen relativ einfach durchführen - da sind die Grenzen zu "normalen" Aktionen wie etwa im Marketing oder jetzt im US-Wahlkampf recht fließend.