Debatte Wir sind die Urheber
Die Webschau mit Thomas Reintjes
-
- 100 Autoren und Künstler haben einen offenen Brief verfasst: "Wir sind die Urheber." (picture alliance | dpa | Jens Kalaene )
Mit einem offenen Brief melden sich Autoren und Künstler zur Urheberrechtsdebatte zu Wort und sorgen damit für neuen Stoff in der Diskussion.
"Wir sind die Urheber“, sagen in der Wochenzeitung Die Zeit und im Internet 100 Autoren und Künstler. Dazu gehören zum Beispiel: Roger Willemsen, Elke Heidenreich, Charlotte Link, Frank Schätzing, Charlotte Roche und Sven Regener. In dem offenen Brief machen sie klar, dass Künstler und die Verwerter ihrer Werke an einem Strang ziehen, und sie fordern eine schärfere Durchsetzung des Urheberrechts.
Die Diskussion geht weiter
Der Brief hat die Diskussion neu belebt, zumindest setzen sich wieder einige Journalisten und Blogger mit dem Text auseinander. Der Lawblogger Udo Vetter etwa kritisiert: "Dass die Verwerter eine Abmahnindustrie ins Leben gerufen haben, die mit ihren aberwitzigen Auswüchsen mittlerweile nicht nur individuelle Angst, sondern längst sozialen Unfrieden stiftet, ist den Unterzeichnern des Appells keine Erwähnung wert."
Verlage: Keine Raffkes und Schmarotzer
Das bleibt auch nicht unwidersprochen. Der Börsenverein des deutschen Buchhandels hat auf boersenblatt.net einen Kommentar veröffentlicht: Michael Roesler-Graichen schreibt, Verlage seien keine Raffkes und Schmarotzer, sondern würden Werke erst ans Licht der Öffentlichkeit bringen. Sie seien die Möglichmacher.
Keine Kompromisse
Die Fronten um die Urheberrechtsdiskussion verhärten sich. Der Aufruf "Wir sind die Urheber", aber auch der Begleittext in der Zeit von Adam Soboczynski macht klar: Das Urheberrecht lässt sich zwar immer schwerer durchsetzen, aber eine Kulturflatrate oder ähnliche neue Modelle wollen die Künstler nicht.
Darauf geht das Blog netzpolitik.org ein: "Wer kompromisslos ist und keine Mittel scheut, der muss sich auf Argumente der (vermeintlichen) Gegenseite nicht einlassen und findet dann eben auch Geheimverhandlungen wie bei Acta, Netzsperren und Kriminalisierung von Downloads in Ordnung.“
"Die Bedürfnisse der Nutzer"
Moderate und vermittelnde Stimmen sind vorhanden, doch sind sie leise. Der Rechtsanwalt Thomas Stadler schreibt in seinem Blog internet-law: "Der erste Schritt hin zu einer Entideologisierung der Debatte muss in einer sprachlichen Abrüstung bestehen. Neutrale Begriffe wie Immaterialgüterrecht und Rechtsverletzung sind ausreichend, um den Standpunkt der Urheber deutlich zu machen.“
Außerdem ist gestern ein Positionspapier (PDF) der VG Wort zum Urheberrecht erschienen: "Die Bedürfnisse der Nutzer sollten vor allem durch neue Geschäftsmodelle befriedigt werden." Die VG Wort stellt aber auch klar: "Ohne Vergütung funktioniert auf Dauer gar nichts“, und fordert effektive Regelungen zur Rechtsdurchsetzung. Aber mit: Augenmaß.