Freitag, 24. Mai 2013

Globus /

Dekolonisierung Von Britisch-Indien nach London  

Ein Gespräch mit dem Historiker Sebastian Conrad von der FU Berlin

Indisches Curry auf dem Londoner Camden Market
Indische Migranten haben das Curry nach Großbritannien mitgebracht. (swh | Flickr | CC BY-NC 2.0)

Die Dekolonisierung hat nicht nur die ehemaligen Kolonien verändert, sondern auch die ehemaligen Kolonialmächte: Das zeigt sich zum Beispiel in der Musik und in der Küche.

Das Ende des Zweiten Weltkriegs läutete auch das Ende der Kolonialmächte ein: Zahlreiche Staaten wurden in den folgenden Jahrzehnten unabhängig, Indien war 1947 einer der ersten. Von dieser "Dekolonisation" unterscheidet der Historiker Sebastian Conrad, Professor an der FU Berlin, den Begriff der "Dekolonisierung", ein breiteres Konzept, das auch Prozesse kultureller, wirtschaftlicher, politischer und gesellschaftlicher Veränderungen einschließt.

"Viele Länder sind europäischer geworden"

Die Dekolonisierung betraf auf den ersten Blick vor allem die ehemaligen Kolonien. Weniger bewusst ist, dass die Dekolonisierung auch die europäischen Gesellschaften beeinflusst und zum Teil grundlegend verändert hat. "Viele Länder sind europäischer geworden", sagt Conrad. So wurden strenge Immigrationsgesetze erlassen, trotzdem nahm der Zuzug von Migranten aus ehemaligen Kolonien eher zu.

Bis heute zeigt sich dieser Einfluss in der Musik und in der Küche. "Die britische Küche ist berüchtigt, aber heute isst man an kaum einem Ort besser als in London", sagte Conrad. Im Gegensatz zu Ländern wie Portugal und Frankreich spielte die Auflösung der Kolonialreiche in Deutschland eine kleinere Rolle.

Die EU als Abschottung Europas

Das Verhältnis von Dekolonisierung und Globalisierung sieht Conrad ambivalent: Einerseits ist Dekolonisierung eine Art Voraussetzung für Globalisierung. Nur in einer Welt ohne große politische Hierarchien, ohne eurozentrische Weltordnung könne man von einer globalisierten Welt sprechen. Andererseits hat die Dekolonialisierung auch zu Abschottung geführt. Conrad sagt: "Die Bewegung hin zu einer Europäischen Union ist eine Art Abschottung Europas gewesen."



Mehr bei DRadio Wissen:
Spanien hat heute ein gutes Verhältnis zu seinen ehemaligen Kolonien
(Kultur vom
 
 

Zum Kommentieren bitte registrieren oder anmelden.

Zu diesem Beitrag gibt es noch keine Kommentare

Wenn Sie Verstöße gegen unsere Kommentar-Regeln feststellen, informieren Sie bitte die Forenadministration per E-Mail.

Beitrag hören

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Globus

Die Fluke (Schwanzflosse) eines Pottwals.

AmberDer Schatz im Darm des Wals

Im Inneren eines toten Pottwals entdeckten Forscher kostbares Amber.

Mehr …

Maroi Mezien aus Tunesien (rechts) kämpft in der zweiten Runden des Freistil-Ringens der Frauen bis 48 Kilogramm bei den Olympischen Spielen von London gegen Isabelle Sabou aus dem Senegal.

SenegalWrestling ist weiblich

Mehr als Schlammcatchen – im Senegal sind Ringerinnen die Königinnen des Sports.

Mehr …

Filmszene aus "Tora! Tora! Tora!", der US-amerikanisch-japanische Kriegsfilm-Koproduktion aus dem Jahr 1970, die den japanischen Angriff auf Pearl Harbor thematisiert.

Pearl HarborSpäte Erinnerung

Vor 70 Jahren war Venice Beach ein Sammelpunkt für die Zwangsumsiedlung japanisch-stämmiger Amerikaner.

Mehr …