Montag, 20. Mai 2013

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Deregulierung Zügellos  

Was es bringt, wenn man den Märkten freien Lauf lässt

Ein Börsenhändler schaut auf einen Monitor um ihn herum Amerikaflaggen.
Bis in die 80er-Jahre waren die Finanzmärkte streng reguliert. Maggie Thatcher änderte das. (AP)

In einer globalisierten Welt muss sich der Staat neu definieren. Heute zieht er sich aus vielen Märkten zurück. Deregulierung und Privatisierung lautet dabei die Losung.

In den vergangenen 30 Jahren hat sich der Staat aus vielen Wirtschafts- bereichen zurückgezogen, Marktregeln vereinfacht, Handelsbeschränkungen abgebaut. Mehr Freiheit für die Märkte, mehr privatwirtschaftliche Organisation. Die Idee dahinter ist, Innovation voranzutreiben und wirtschaftliche Entscheidungen schneller umzusetzen.

Was sich hinter dem sperrigen Wort "Deregulierung" verbirgt, welche positiven und negativen Konsequenzen sie mit sich bringt, darüber berichten wir in unserem Tagesthema.

 

Deregulierung und Privatisierung
Matthias Finger, Professor für Management und Netzindustrien an der ETH Lausanne, zur Begriffsklärung

Eine HochspannungsmastDurch die Deregulierung des Strommarkts 1998 gibt es heute viele Stromanbieter in Deutschland. (Ian Muttoo | flickr.com | CC BY-SA 2.0)In einer globalisierten Welt muss sich der Staat neu definieren. Deregulierung und Privatisierung lautet dabei die Losung. Ausgehend von den USA und Großbritannien haben in den vergangenen 30 Jahren immer mehr Regierungen begonnen, ihren eigenen Verantwortungsbereich zu verkleinern und der privaten Wirtschaft mehr Handlungsspielraum zu lassen. Deregulierung führt eher zu Privatisierung als umgekehrt.

 

 

Ein schleppender Prozess
Gerd Aberle, Wirtschafts- und Verkehrswissenschaftler, über die Deregulierung der Bahn

Ein GüterbahnhofErst auf wenigen Strecken machen Privatanbieter der Bahn Konkurrenz. (AP)1994 entstand aus der Fusion von Deutsche Bundesbahn und Deutsche Reichsbahn die Deutsche Bahn AG. Damals wurden die Netze für private Anbieter geöffnet. Trotzdem hat die Deutsche Bahn bis heute wenig Konkurrenz. Im Personen-schienennahverkehr gibt es rund 20 Prozent private Betreiber. Im Fernverkehr liegt der Anteil bei weniger als einem Prozent.

 

 

Das befreite Geld
Horst Löchel, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Frankfurt School of Finance, zur Deregulierung der Finanzmärkte

Börsenhändler verfolgen besorgt den Aktienkurse an der Wall Street kurz nach Öffnung der New Yorker Börse am 08.08.2011.Die Regulierung der Finanzmärkte ist ein Streitthema in der EU. (AP)Bis in die 80er-Jahre waren die Finanzmärkte streng reguliert. Dann kam Maggie Thatcher und baute die Regeln ab. Man kann sich diese Welt kaum mehr vorstellen: Dollars wurden in einem festen Wechselkurs zum Gold getauscht, Wertpapiere durften nur zu festgelegten Zeiten gehandelt werden. Heute lassen sich unvorstellbare Summen auf Knopfdruck beinahe beliebig bewegen.

 

 

Am Beispiel der Post
Wirtschaftsjournalist Andreas Kolbe über die Privatisierung der Post

Zwei gelbe Telefonzellen, davor ein VW KäferFrüher, als die Telefonzellen noch gelb waren. (prayerslayer | Flickr | CC BY-NC-SA 2.0)Das Poststrukturgesetz leitete am 1. Juli 1989 die Deregulierung des Postsektors ein. Die Post war damals zweitgrößter Arbeitgeber der BRD. Mit der Reform wurde die Deutsche Bundespost in die Unternehmensbereiche Postdienst, Postbank und Telekommunikation aufgeteilt. Durch neue Konkurrenten fallen die Preise – aber auch die Löhne, etwa im Paketsektor.

 



Mehr bei DRadio Wissen:

Finanzinvestoren vs. Staaten
Es droht die Herrschaft der Finanzinvestoren über die Staaten - so zumindest sieht es Rechtswissenschaftler Rolf Stürner.
(Hörsaal vom 23.07.2012)

Konkurrenz auf dem Schinennetz
Heidi Tischmann vom Verkehrsclub Deutschland erklärt, warum es so schwer ist, der Deutschen Bahn Konkurrenz zu machen.
(Agenda vom 04.07.2011)

Börse in Zeiten des Computerhandels
Ein Rezept gegen die wachsende Bedeutungslosigkeit der alteingesessenen Börsenstandorte heißt: Fusion.
(Agenda vom 02.02.2012)

Geldmarkt: Börse und staatliche Kontrolle
Der Börsenplatz Frankfurt am Main ist erfolgreich, weil er wenig reguliert wird.
(Agenda vom 16.08.2011)

 

Mehr zum Thema:

Plädoyer für mehr Bankenaufsicht
Der Bremer Volkswirt Rudolf Hickel fordert starke Regulierung der Finanzmärkte.
(dradio.de vom 01.08.2012)

Keine Bankenrettung ohne Regulierung im Bankensektor
SPD-Politiker Barthel fordert stärkeren Druck seiner Partei auf die Bundesregierung.
(dradio.de vom 24.07.2012)

Wirtschaftsführer fordern kräftige Deregulierung
(welt.de vom 13.08.2012)

Neoliberales London: "Wir müssen die Klassen abschaffen"
(taz.de vom 01.08.2012)

Hamburg-Köln-Expres: Die Retro-Bahn startet
(berliner-zeitung.de vom 13.08.2012)

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