Deutsche Bank Chef gesucht
Gespräche und Beiträge zur Deutschen Bank
Bei der Deutschen Bank ist der Posten des Vorstandsvorsitzenden zu vergeben. Monatelang war der ehemalige Bundesbankchef Axel Weber als Favorit für die Nachfolge Josef Ackermanns gehandelt worden. Nachdem Weber jetzt zur Schweizer Großbank UBS wechselt, ist der Machtkampf um den begehrten Posten wieder voll im Gange.
Die Deutsche Bank ist das größte Geldinstitut Deutschlands. Und nicht nur das: Die Deutsche Bank gilt auch als einer der größten Devisenhändler der Welt. Im Dezember 2010 setzten japanische Finanzexperten die Deutsche Bank auf Platz eins der Liste der 60 global systemrelevanten Banken.
Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank gehört also nicht nur zu den einflussreichsten Menschen in der Bundesrepublik, es ist ein Job mit weltweiter Bedeutung. Auch das Gehalt kann sich sehen lassen: 9,8 Millionen Euro verdiente Ackermann im Jahr 2009, damit liegt er an der Spitze der Vorstandschefs der börsennotierten Dax-Unternehmen.
Millionen, Macht und Peanuts
Gespräch mit Udo Reifner, Gründer des Instituts für Finanzdienstleistung e. V. in Hamburg
Josef Ackermann auf dem World Economic Forum in Davos 2010 (World-Economic-Forum/flickr-cc-by-sa)Die Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank sind in der Öffentlichkeit stets präsent und nicht selten umstritten gewesen. Das gilt auch für Josef Ackermann - seit 2002 Vorstandsvorsitzender -, der sich 2004 im Laufe des Mannesmann-Prozesses durch das Zeigen des Victory-Zeichens öffentlichen Unwillen zuzog.
Von 1997 bis 2002 war Rolf-Ernst Breuer Sprecher des Deutsche Bank-Vorstands. Er ist bis heute in eine gerichtliche Auseinandersetzung mit dem Medienunternehmer Leo Kirch verwickelt. Sein Vorgänger Hilmar Kopper (1989 -1997) bezeichnete auf einer Pressekonferenz 1994 eine Schadenssumme von 50 Millionen DM als "Peanuts", was für große Erregung sorgte. Der Ausdruck Peanuts wurde damals zum "Unwort des Jahres" gewählt. Alfred Herrhausen war von 1985 bis 1989 Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank. Er wurde 1989 bei einem Bombenattentat getötet, die Verantwortlichen wurden bis heute nicht gefunden.
Stellenprofil
Bericht von Brigitte Scholtes, Wirtschaftsjournalistin des Deutschlandradios
Hier ist ein Chefsessel frei. (Gorka Labarga/flickr-cc-by-sa)2013 läuft der Vertrag von Josef Ackermann aus. Nachdem der bisherige Favorit, der ehemalige Bundesbankchef Axel Weber, verkündet hat, er werde zur Schweizer Großbank UBS wechseln, ist das Rennen um die Nachfolge Ackermanns wieder offen.
Möglicher Kandidat wäre der indisch-stämmige Anshu Jain. Er ist seit Sommer 2010 alleiniger Chef des Investmentbankings. Es gibt aber Vorbehalte, da Anshu Jain kein Deutsch spricht und es somit zu Schwierigkeiten in der Kommunikation mit der Bundesregierung kommen könnte. Ein anderer Kandidat wäre Rainer Neske, der den Zweig des Privatkundeninstituts der Deutschen Bank mit über 20 Millionen Kunden führt.
Viel Zeit für die Nachfolgeregelung bleibt nicht: Investoren setzen die Deutsche Bank bei der Suche nach einem Nachfolger unter Druck. DRadio Wissen erklärt, wie ein entsprechendes Stellenprofil aussehen könnte.
Bestandsaufnahme
Gespräch mit Felix Lincke, Wirtschaftsjournalist
Niemand weiß, was auf den neuen Chef der Deutschen Bank zukommt. (AP)Der Posten des Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank ist eine der einflussreichsten und bestdotierten Stellen, die in der Bundesrepublik zu besetzen sind: Doch wie steht es überhaupt um Deutschlands größtes Kreditinstitut? Hinterlässt der Schweizer Ackermann nach über neun Jahren im Amt ein bestelltes Feld oder kommen auf seinen Nachfolger schwere Zeiten zu?
Mehr über die aktuelle Situation bei der Deutschen Bank, die Aussichten und ihren Wert für Deutschland erfahren Sie bei DRadio Wissen.