Deutsche Zeitgeschichte Generationen und Gedächtnis
Deutsche Zeitgeschichte nach 1945 - Vorträge von Mark Roseman, Georgi Verbeeck und Dorothee Wierling.
In der vergangenen Woche haben wir damit begonnen, Vorträge aus dem genannten Themenkreis zu senden. Gehalten wurden sie am 24. November 2010 im Auswärtigen Amt in Berlin. Das Amt und die Stiftung "Deutsche Geisteswissenschaftliche Institute im Ausland" hatten zu einer internationalen Tagung mit Historikern geladen. Sie alle befassten sich aus unterschiedlichen Perspektiven und Ländern mit der deutschen Zeitgeschichte.
Den Anfang macht diesmal ein britischer Geschichtsforscher, und zwar Mark Roseman aus Bloomington. Studiert hat er in Großbritannien und wurde dort mit einer Arbeit über das Ruhrgebiet der Nachkriegsära promoviert. Roseman ist Inhaber des Pat M. Glazer-Lehrstuhles in Jewish Studies und Professor für Neuere Geschichte an der Indiana University.
Zahlreiche Veröffentlichungen zum Holocaust
Roseman hat zahlreiche Veröffentlichungen zum Holocaust und der deutschen Nachkriegsgeschichte auf den Markt gebracht. Besonders bekannt ist seine Biographie "In einem unbewachten Augenblick", in der er über eine Jüdin berichtet, die im Untergrund überleben konnte. Für dieses Werk hat er mehrere internationale Preise bekommen, unter anderem den Geschwister-Scholl-Preis.
Im Anschluss spricht zum selben Thema Georgi Verbeeck aus Maastricht in den Niederlanden. Während Roseman sich mit der unterschiedlichen Art und Weise der Erinnerung an Krieg und NS-Geschichte befasste, geht Verbeeck das Phänomen nun breiter an. Er legt seinen Focus auf eine "Entschuldigungskultur", wie sie nicht nur im deutschen Kontext herrscht und herrschte.
"Entschuldigungskultur"
Verbeeck ist Jahrgang 1961, hat Geschichte und Philosophie studiert und lehrt an der Katholischen Universität Leuven als Professor für Geschichte. Er ist außerdem Universitätsdozent an der Fakultät für Kultur- und Gesellschaftswissenschaften der Uni Maastricht. Von ihm gibt es Publikationen zur modernen deutschen Geschichte, zur Geschichtswissenschaft und Erinnerungskultur.
Zum Abschluss fasst Dorothee Wierling die beiden Referate in Form eines Kommentars zusammen. Sie ist stellvertretende Direktorin der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg und Professorin an der dortigen Universität.
Ihre Schwerpunkte: die Sozial- und Geschlechtergeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, die Erfahrungsgeschichte der DDR, Kriegserfahrung und Generationengeschichte.
Am Dienstag folgt das Subthema "Primat der Politik versus Primat der Gesellschaft" von Gustavo Corni, Jay Rowell und Gabriele Metzler.