Die Wurzeln Europas Erster Volksentscheid in Rom
Wie die Mitbestimmung des Volkes Einzug in die römische Antike hielt.
Mit dem Auszug der Plebejer aus der Stadt Rom 287 vor Christus wurde ein Stück europäische Verfassungsgeschichte geschrieben: Mit der Einführung des "Plebis scitum" entstand der heutige Volksentscheid.
Mehr als zwei Jahrhunderte hatte die Auseinandersetzung um die rechtliche Gleichstellung zwischen den adligen Patriziern und den nicht - adligen Plebejern in Rom gedauert. Um 450 vor Chistus waren auf zwölf Bronzetafeln alle römischen Gesetze auf dem Forum Romanum öffentlich ausgestellt worden.
Dadurch waren die Menschen vor der Willkür der Beamten geschützt. Seit 421 vor Christus konnten Plebejer das niedrigste Amt – die Quästur – in Rom übernehmen, es folgten die unteren Militärlaufbahnen. 366 vor Christus stellten sie erstmals einen Konsul und schickten Vertreter in den Senat. Zehn Jahre später wurde ein Plebejer sogar zum Diktator ernannt – dem höchsten, aber zeitlich befristeten Amt in Rom. Es schien, als sei zwischen den beiden Ständen tatsächlich ein Ausgleich der Interessen gelungen.
Matthias von Hellfeld über den römischen Plebisziten.