Doping True Blood
Gespräche mit dem ARD-Dopingexperten Hajo Seppelt, Wolfgang Schmitz vom Zollkriminalamt, dem Dopingexperten Wilhelm Schänzer und der Transfusionsmedizinerin Birgit Gathof
-
- Blutdoping soll Siege bringen: Mit sauerstoffbetanktem Blut lässt es sich länger, schneller laufen. (Expert Infantry/flickr/CC BY 2.0)
Mehr Sauerstoff pro Liter Blut bedeutet mehr Leistung. Das ist die einfache Formel in den Ausdauersportarten. Dementsprechend ersinnen Mediziner immer neue Methoden, um das Blut leistungsfähiger zu machen. Die Wirkung von Blutdoping ist umstritten. Doch klar ist: Blutdoping ist verboten.
Spitzenzeiten immer weiter zu übertreffen, ist fester Bestandteil des Leistungssports: Es gilt Rekorde zu brechen. Das bedeutet auch, die eigene Leistungsfähigkeit permanent toppen zu müssen. Die Anzahl der roten Blutkörperchen und damit die Sauerstoff-Transportkapazität des Blutes zu steigern, kann dabei helfen. Dafür gibt es legale Methoden wie zum Beispiel das Höhentraining oder illegale Methoden wie Doping mit Epo (Erythropoetin) und seinen vielen Varianten sowie Eigenblutdoping.
Aktuelle Dopingaffäre um Eigenblutbehandlung
Zu diesen illegalen Methoden gehört auch die Behandlung mit Eigenblut, das mit UV-Licht bestrahlt wird und angeblich zur Leistungssteigerung führen soll. Zurzeit steht deshalb der Sportarzt Andreas Franke in der Kritik. Ihm wird vorgeworfen, das Blut zahlreicher Radsportler, Eisschnellläufer und Leichtathleten mit UV-Strahlen behandelt und ihnen dann injiziert zu haben.
Das Verfahren ist verboten, die Nationale-Anti-Doping-Agentur (Nada) ermittelt. Franke weist die Vorwürfe zurück. Die Behandlung mit UV-Strahlen sei eine reine Infektionsbehandlung gewesen, aber kein Doping.
Eine Form von Okkultismus - Blutdoping mit UV-Behandlung
Gespräch mit dem ARD-Dopingexperten Hajo Seppelt
Der Radsport wird immer wieder überschattet von Dopingfällen. (AP)Dem Patienten werden 50 Milliliter Blut abgenommen, das Blut wird mit UV-Licht bestrahlt und dann wieder in die Adern gespritzt. 28 deutsche Leistungssportler sollen sich so ihr Blut getunt haben, berichtet die Sportschau. Die Wirkung dieser seltsamen Methode ist umstritten; Sportmediziner bezweifeln, dass sie überhaupt etwas bringt.
Dennoch ist das Verfahren verboten, genauso wie alle anderen Formen des Eigenblutdopings. Alles nur viel Lärm um nichts oder doch der nächste große Dopingskandal? Darüber sprechen wir mit dem ARD-Dopingexperten Hajo Seppelt.
Illegaler Handel mit Dopingpräparaten
Gespräch mit Wolfgang Schmitz, Zollkriminalamt Köln
Der Handel mit Dopingmitteln ist lukrativ. (picture alliance / dpa)Dealer können mit Dopingmitteln mittlerweile mehr Geld verdienen als mit Drogenverkäufen. Der Handel mit verbotenen Anabolika, Hormonpräparaten und anderen Leistung steigernden Mitteln boomt und lohnt sich: Die Gewinnspanne soll bei 400 Prozent liegen, bei vielen Rauschmitteln sind es lediglich 80 Prozent.
Das große Geschäft mit Dopingmitteln wird im Freizeitsport gemacht. Aber auch Profisportler gehören zu den Abnehmern. Wolfgang Schmitz vom Zollkriminalamt erklärt, wer mit Doping-Deals am meisten verdient und auf welchen Wegen der Handel läuft.
Das Gespräch ist eine Wiederholung vom 09.02.2011.
Legal oder illegal - Methoden des Blut-Tunings
Gespräch mit Wilhelm Schänzer, Institut für Biochemie, Deutsche Sporthochschule Köln
Höhentraining ist erlaubt! (Christof Sonderegger von Photoplus.ch | Wikimedia Commons | CC BY-SA 3.0)Sportler versuchen, die Anzahl der roten Blutkörperchen und damit die Kapazität des Blutes, Sauerstoff zu transportieren, zu steigern – das soll die Leistungsfähigkeit erhöhen. Zu den legalen Methoden, um diesen Effekt zu erreichen, zählt das Höhentraining. Zu den illegalen Methoden zählt das Epo- beziehungsweise Blutdoping. Epo ist ein in der Niere produziertes körpereigenes Hormon, das die Bildung roter Blutzellen (Erythrozyten) in den Stammzellen des Knochenmarks anregt.
Seit 1983 ist es möglich, Epo synthetisch herzustellen. Beim Blutdoping kommt es zur Transfusion von Eigen- oder Fremdblut mit vermehrten roten Blutkörperchen. Bekannt ist es seit den Olympiasiegen des finnischen Langstreckenläufers Lasse Viren in den 1970er-Jahren. Ihm wurde unerlaubtes Blutdoping vorgeworfen.
Der Dopingexperte Wilhelm Schänzer von der Sporthochschule in Köln erklärt, wie Blutdoping funktioniert und wie es die Leistungskraft steigert.
Blut in seiner reinen Form
Ein Gespräch mit der Transfusionsmedizinerin Birgit Gathof
Die roten Blutkörperchen sorgen für die rote Farbe des Blutes. (picture alliance / dpa)Blut ist der Treibstoff des Körpers: Es enthält rote Blutkörperchen, die den lebenswichtigen Sauerstoff auch in alle Ecken des Körpers transportieren. Die roten Blutzellen gehören zu den festen Bestandteilen des Blutcocktails wie auch die weißen Blutkörperchen und die Blutplättchen.
Die roten Blutkörperchen geben dem Blut seine charakteristische Farbe, denn sie enthalten den roten Blutfarbstoff Hämoglobin – ein Sauerstoff transportierendes Protein. Je mehr rote Blutkörperchen, desto mehr Sauerstoff kann theoretisch durch den Körper transportiert werden, umso größer ist die körperliche Leistungsfähigkeit. Zu viel ist aber auch nicht gut: Dann wird das Blut "dick". Schon von Natur aus passt der Körper die Zahl der roten Blutkörperchen daher dem tatsächlichen Bedarf an.
Die Transfusionsmedizinerin Birgit Gathof spricht über die Bestandteile des Blutes und wie sich Blutdoping auswirkt.
Diskutieren Sie mit uns über dieses Thema bei Facebook
.