Mittwoch, 19. Juni 2013

Agenda /

Ehrung Drei Frauen erhalten Friedensnobelpreis  

Gespräche und Beiträge zu Geschichte und Gegenwart des Friedensnobelpreises

Ellen Johnson-Sirleaf
Ellen Johnson-Sirleaf - die erste Frau, die in Afrika demokratisch zum Staatsoberhaupt gewählt wurde. (AP)

Drei Frauen bekommen den Friedensnobelpreis 2011: Leymah Roberta Gbowee, Ellen Johnson-Sirleaf und Tawakkul Karman. Sie erhalten ihn für ihren friedlichen Kampf für Frauenrechte, so das Nobel-Komitee in Oslo.

Alle drei Frauen kämpfen seit Jahren friedlich für die Menschenrechte und die Rechte der Frauen im Besonderen. Ellen Johnson-Sirleaf ist seit 2006 Präsidentin von Liberia - die erste Frau, die in Afrika in das Amt des Staatsoberhauptes gewählt wurde. In der kommenden Woche steht die 72-Jährige Johnson-Sirleaf erneut zur Wahl.

Friedensnobelpreis 2011: zwei Frauen aus Liberia und eine Jemenitin

Ellen Johnson-Sirleaf Ellen Johnson-Sirleaf ist Präsidentin von Liberia (Antonio Cruz/ABr | Wikimeida Commons | CC BY 2.5) Tawakkul Karman Tawakkul Karman ist Jemenitin und Vorsitzende des Vereins "Journalistinnen ohne Ketten (AP)

Leymah GboweeLeymah Roberta Gbowee ist Politikerin und Frauenrechtlerin in Liberia und setzt sich für den Friedensprozess ein. (AP)Leymah Roberta Gbowee ist ebenfalls Politikerin und Frauenrechtlerin aus Liberia. Die 39-Jährige ist Kopf  des Women Peace and Security Network Africa, das die Bedeutung von Frauen für den Friedensprozess in Afrika betont.

Tawakkul Karman ist eine jemenitische Bürgerrechtlerin. Die 32-Jährige ist Vorsitzende des Vereins "Journalistinnen ohne Ketten". Bei den Protesten gegen das jemenitische Staatsoberhaupt Ali Abdullah Saleh spielte sie eine entscheidende Rolle.

 

Drei Frauenrechtlerinnen erhalten den Friedensnobelpreis 2011
Ein Gespräch mit Bartholomäus Grill, Afrika-Korrespondent der Zeit

Die Friedensnobelpreisträgerinnen 2011: Ellen Johnson-Sirleaf , Leymah Roberta Gbowee, Tawakkul KarmanEllen Johnson-Sirleaf , Leymah Roberta Gbowee, Tawakkul Karman (v.l.n.r.) (AP)Die Präsidentin von Liberia, Ellen Johnson-Sirleaf, unterstützte während des Bürgerkrieges zunächst Charles Taylor sprach sich dann gegen ihn aus. In den 80er-Jahren verbrachte sie einige Zeit in Gefangenschaft weil sie das Regime von Samuel Doe ablehnte.

Ihre Landsmännin Leymah Roberta Gbowee erregte mit verschiedenen Aktionen Aufmerksamkeit, unter anderem rief sie zum "Sex-Streik" auf, um Männer zu pazifistischer Politik zu zwingen. Tawakkul Karman ist Vorsitzende des Vereins "Journalistinnen ohne Ketten". Während der Proteste im Jahr 2011 organisierte sie Studenten-Demonstrationen gegen die Regierung. Zweimal wurde sie während dieser Zeit verhaftet.

 

Frauenrechte in Afrika und der arabischen Welt
Gespräch mit Monika Hauser,
Frauenrechtlerin und Gründerin von Medica Mondiale

Monika HauserMonika Hauser (medica mondiale)Die Kölner Gynäkologin Monika Hauser gründete 1993 die Frauenrechtsorganisation Medica Mondiale. Diese setzt sich weltweit für Frauen ein, die Opfer sexualisierter Kriegsgewalt wurden. Außerdem leistet die Organisation wichtige Aufklärungsarbeit und berichtet über die besondere Situation von Frauen und Mädchen in Kriegs- und Krisengebieten.

Monika Hauser erhielt 2008 den Alternativen Nobelpreis für die Frauenrechtsorganisation Medica Mondiale. Im Interview mit DRadio Wissen spricht sie über die diesjährigen Preisträgerinnen des Friedensnobelpreises, über die Rolle der Frau in Afrika und der arabischen Welt sowie über Frauenrechte.

 

Rückblick: Wert und Nutzen der Auszeichnung

Seit 1901 werden jährlich fünf Nobelpreise verliehen – für herausragende Leistungen in den Bereichen Physik, Chemie, Medizin, Literatur und Frieden. Anders als die ersten vier Preise, die von schwedischen Komitees vergeben werden, entscheidet ein norwegisches Komitee über den Friedensnobelpreis.

In den Vorjahren wurden Liu Xiaobo, Barack Obama, Marti Ahtisaari und Muhammad Yunus mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Ob der Preis ihrer Arbeit genutzt hat und was die Preisträger aus der Ehrung gemacht haben, darüber berichtet DRadio Wissen.

 

2010 - Der chinesische Dissident Liu Xiaobo
Ein Bericht von Ruth Kirchner, ARD-Korrespondentin in China

Demonstranten bei einer Mahnwache für den chinesischen Dissident Liu Xiaobo 2010 erhielt Liu Xiaobo den Friedensnobelpreis. (AP)

2010 zeichnete das Nobelkomitee den chinesischen Bürgerrechtler und Schriftsteller Liu Xiaobo mit dem Friedensnobelpreis aus: "Für seinen langen und gewaltfreien Kampf für die Menschenrechte in China." Der Geehrte selbst konnte nicht zur Preisverleihung erscheinen. Er sitzt in einem chinesischen Gefängnis eine elfjährige Haftstrafe ab.

Die chinesische Regierung bezeichnete die Vergabe des Friedensnobelpreises an Xiaobo als "Obszönität". Der chinesische Außenminister sagte vor einem Jahr, die Vergabe des Preises an Xiaobo würde die Beziehungen zwischen China und Norwegen schwächen.

 

2009 - Barack Obama
Ein Bericht von Silke Hasselmann, ARD-Korrespondentin in den USA

US-Präsident Barack Obama mit der Friedensnobelpreis-Urkunde und der Goldmedaille.2009 erhielt Barack Obama den Friedensnobelpreis. (AP)Im Jahr 2009, nur wenige Monate nachdem Barack Obama das Amt des US-Präsidenten angetreten hatte, wurde er mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. "Für seine außergewöhnlichen Bemühungen, die internationale Diplomatie und die Zusammenarbeit zwischen den Völkern zu stärken." Das Nobel-Komitee legte besonderen Wert auf Obamas Vision von einer Welt ohne nukleare Waffen.

Für viele Beobachter kam die Auszeichnung des US-amerikanischen Hoffnungsträgers damals zu früh. Der Preis für Obama wurde eher als Bürde, denn als Freude bezeichnet.



2008 - Martti Ahtisaari
Ein Bericht von Andreas Meyer-Feist, ARD-Korrespondent in Österreich

Der Finne Martti Ahtisaari.2008 wurde der Finne Martti Ahtisaari mit den Friedensnobelpreis ausgezeichnet. (Joi Ito | Flickr | CC BY 2.0)Der finnische Diplomat wurde 2008 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. "Für seinen Einsatz auf mehreren Kontinenten und den Versuch, über drei Jahrzehnte internationale Konflikte zu lösen." Martti Ahtisaari war für die Uno in Namibia tätig und trug dazu bei, dass das Land seine Unabhängigkeit erlangte.

1994 wurde er zum Präsidenten Finnlands gewählt. Ende der 1990er-Jahre leitete Ahtisaari die Friedensgespräche während des Kosovo-Krieges. 2005 trug er maßgeblich dazu bei, dass der Konflikt in der Region Aceh in Indonesien friedlich beendet wurde.

 

2006 - Muhammad Yunus
Ein Bericht von Kai Küstner, ARD-Korrespondent in Indien

Der Friedensnobelpreisträger 2006 Mohammed Yunus präsentiert seine Medaille und Urkunde in Oslo.Mohammad Yunus mit dem Friedensnobelpreis 2006 (AP)Der aus Bangladesch stammende Muhammad Yunus wurde 2006 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Der Wirtschaftswissenschaftler erhielt den Preis gemeinsam mit der Grameen Bank, die er gegründet hat. Die Bank verteilt Mikrokredite an arme Menschen und hilft ihnen auf diese Weise eigene Unternehmen aufzubauen. Yunus und die Grameen Bank erhielten den Preis für die Förderung wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung von unten.

Muhammad Yunus trat im Mai 2011 von seinem Amt des Vorstandsvorsitzenden bei der Grameen Bank zurück. Zuvor hatte er eine juristische Auseinandersetzung um seinen Posten verloren.

 

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Mehr bei DRadio Wissen:

Agenda - Ruhm, Geld, Ehre
Ein Nobelpreisträger bekommt etwa eine Million Euro. Das Geld stammt aus dem Vermögen von Stifter Alfred Nobel - das die Nobel Foundation raffiniert anlegt.
(Agenda vom 04.10.2011)

Shirin Ebadi - Für Menschenrechte im Iran
Interview mit der iranischen Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi
(Agenda vom 21.03.2011)

Eine Ehrung die fordert - und fördert
2008 erhielt Monika Hauser den Alternativen Nobelpreis für die von ihr gegründete Organisation "Medica Mondiale".
(Globus vom 15.09.2010)

Friedensnobelpreis - Folgen der Auszeichnung Xiaobos
Wie Chinas Medien auf die Auszeichnung des Dissidenten reagieren.
(Agenda vom 10.12.2010)

Indien - Mikrokreditsystem in der Krise
Unseriöse Anbieter und sorglose Schuldner ruinieren in manchen Regionen den Markt.
(Globus vom 10.12.2010)

Friedensnobelpreis - Signal für die chinesische Opposition
Gespräch mit dem chinesischen Schriftsteller Liao Yiwu
(Agenda vom 12.10.2010)

Nobelpreis - Chinesischer Friedensstifter
Liu Xiaobo, ein chinesischer Dissident und Schriftsteller, ist Friedensnobelpreisträger 2010
(Agenda vom 08.10.2010)

Südafrika - Privatier Tutu
Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu will sich ins Privatleben zurückziehen.
(Globus vom 23.07.2010)

Mehr zum Thema:

Interview des norwegischen Senders NRK mit Ellen Johnson-Sirleaf zum Friedensnobelpreis am 07.10.2011 | Quelle: Website des norwegischen Senders NRK

Euer nächstes Somalia, unser Tunesien
Beitrag über die Proteste in Jemen
Zenith vom 02.02.2011

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Kommentare 3 - 1 von 3

  • 3. Link

    Erwähnenswert vielleicht noch, dass die gestrige Benennung der neuen Nobelpreisträgerin und Todesstrafenbefürworterin Johnson Sirleaf zynischerweise genau auf den 7.Oktober, den Tag des Kampfes gegen die Todesstrafe in der Welt fiel. Man kann dies alles und weitere Informationen über die unrühmliche Vergangenheit dieser Frau übrigens auf der Webseite der FAZ nachlesen: http://www.faz.net/aktuell/ellen-johnson-sirleaf-und-leymah-gbowee-eine-wie-thatcher-eine-wie-mahatma-gandhi-11485614.html

    ChrisZ 08.10.2011 17:47 Uhr

  • 2. Immer mehr Details

    Es werden immer mehr unappetitliche Details über die neue Nobelpreisträgerin Johnson Sirleaf bekannt. Sie soll jahrelang eine Vertraute des Diktators Taylor gewesen sein und dessen Treiben auch mit finanziert haben, in ihr Amt kam sie u.A. mit Unterstützung von Taylors damaliger Frau. Johnson Sirleaf wird aus der Zeit des Bürgerkrieges auch das unsägliche Zitat "Die Stadt muss brennen" zugeschrieben, das der Eroberung Monrovias durch die Truppen des mit ihr verbündeten Taylor vorausging. Eine nach dem Ende des Bürgerkrieges eingesetzte Versöhnungskommision kam denn auch zu dem Schluss, dass Johnson Sirleaf eine von 90 Personen sei, denen aufgrund ihrer Vergangenheit kein politisches Amt in Liberia mehr anzuvertrauen sei. Wenn man sich dies alles ansieht, wirkt die Entscheidung, eine solche Person mit dem Friedensnobelpreis zu ehren, äusserst befremdlich. Umso unbegreiflicher die unterwürfigen Jubelorgien auf Johnson Sirlean, die man gerade auf DLF über diese Machthaberin am gestrigen Abend in einem Bericht ertragen musste und die sich schon wie absolut kritiklose Hofberichterstattung aus Honeckers Zeiten anhörten. Warum ist der DLF so unkritisch ??

    ChrisZ 08.10.2011 17:43 Uhr

  • 1. Nobelpreis für solch eine Person ?

    Wie inzwischen bekannt geworden ist, ist die mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete Präsidentin von Liberia, Johnson Sirleaf, dafür verantwortlich, dass in ihrem Land vor Kurzem die Todesstrafe wieder eingeführt worden ist. Geradezu unerträglich, dass solch eine Person diesen bedeutenden Preis erhält.

    ChrisZ 08.10.2011 17:19 Uhr

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