Mittwoch, 22. Mai 2013

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Endlager Für immer  

Die letzte Ruhestätte für gefährliche Abfälle.

Ein Mitarbeiter des Strahlenschutzes der Asse GmbH hebt am 22.06.2011 im Atommülllager Asse bei Remlingen (Landkreis Wolfenbüttel) bekleidet mit einem blauen Schutzhandschuh, einen mit einer Warnung vor Radioaktivität beklebten Metalldeckel an, der eine Probebohrung abdeckt, in der sich radioaktiv belastetes Wasser gesammelt hat.
Wie endgültig lagert radioaktiver oder anderer giftiger Müll in einem Endlager? (dpa | picture alliance | Jochen Lübke)

Endlager für hochgiftige und gefährliche Abfälle mag kaum jemand vor seiner Haustür haben. Der Streit scheint programmiert. Doch wirklich gestritten wird nur über Endlager für radioaktive Abfälle.

Allem Streit zum Trotz existieren Endlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle, und an einem für hochradioaktive wird momentan in Finnland gebaut. Was heute so umstritten ist, schien zu Beginn des Atomzeitalters ganz leicht lösbar - der Physiker Werner Heisenberg war einst der Meinung, die Entsorgung atomarer strahlender Abfälle sei kein Problem und empfahl, sie einfach im Meer zu versenken.

Der Weg zum Endlager

Die Planung der Endlagerstätten wirft eine Menge Fragen auf. Zwar halten selbst kritische Wissenschaftler das Problem für beherrschbar. Doch der Weg dahin stellt Forscher, Politiker und Bürger vor große Herausforderungen.

 

 Eine Botschaft an unsere Nachfahren
Der Geologe Marcos Buser erklärt, wie wir in 10.000 Jahren vor unserem Atommülllager warnen können.

 IAEA Warnschild radioaktive StrahlungWird dieses Schild der IAEO (Internationale Atomenergie-Organisation) auch in 10.000 Jahren noch als Warnung vor Radioaktivität verstanden werden? (picture alliance / dpa)Drei Punkte sind nach Meinung des Schweizer Geologen wichtig: Das Material, auf dem die Warnhinweise stehen, muss von dauerhafter Struktur sein. Die Botschaften müssen verständlich sein. Und die Botschaft muss auch für spätere Generationen objektiv nachvollziehbar sein. Der letzte Punkt ist am schwierigsten. Für Marcos Buser ist klar: "Es gibt keine ideale Lösung".

 

 

 

Das Ende in einer Million Jahren
Konstantin Zurawski erklärt, warum Endlager für gigantische Zeitspannen geplant werden.

Bergarbeiter unterhalten sich am 04.05.2010 im Erkundungsbergwerk in Gorleben in einem Seitenstollen vor einer Wand mit eingezeichneten Sprenglöchern. Diese Modellzeichnung soll besuchern zeigen, wie Sprengungen vorbereitet werden.Bergarbeiter zeigen an einem Modell im Salzstock Gorleben, wie Sprengungen vorbereitet werden. (dpa | picture alliance | Kay Nietfeld)Nach einer Million Jahren sind die radioaktiven Partikel im Atommüll weitgehend zerstrahlt - eine Dimension, die kaum planbar erscheint. Trotzdem verlassen sich Forscher bei der Endlagersuche auf ihre Annahmen von der künftigen Haltbarkeit tiefengeologischer Formationen wie Salz, Ton oder Granit. Sie bauen auf Kenntnisse, wie sich diese Formationen in den vergangenen zwei bis drei Millionen Jahren entwickelt haben.

 


Die größte Untertagedeponie der Welt
Die Wissenschaftsjournalistin Dagmar Röhrlich über das Endlager für chemischen Giftmüll in Herfa-Neurode.

Ein Mitarbeiter der K+S Entsorgung GmbH nimmt an der Annahmestelle der Untertagedeponie (UTD) Herfa-Neurode (Landkreis Hersfeld-Rotenburg) eine Probe des angelieferten giftigen Mülls, aufgenommen am 30.05.2011.Bei der Anlieferung giftigen Mülls wird in Herfa-Neurode eine Probe entnommen. (dpa | picture alliance | Uwe Zucchi)Tief unter der Erde lagert in einer alten Kaligrube genug Arsen, um alles Leben auf der Erde zu töten - und Arsen ist nur von vielen Stoffen in Herfa-Neurode. Furane, Dioxine, alles, was für eine oberirdische Lagerung zu gefährlich ist, wird in Fässern und Kunststoffpaketen eingelagert. Was hier begraben wird, verliert niemals seine Gefährlichkeit. Damit wird Langzeitsicherheit obsolet: denn auf ewig lässt sich nichts garantieren.

 

Das virtuelle Endlager
Susanne Arlt über eine 3D-Software, mit der Endlager geplant werden.

Virtuelles Modell eines Untertagelabors in einer 360-Grad-Darstellung.Virtuelles Modell eines Untertagelabors in einer 360-Grad-Darstellung. ( Dirk Mahler/ Fraunhofer IFF)Virtus heißt das Programm und es ähnelt einem Computerspiel. In einem simulierten Untertagelabor lassen sich Forschungsarbeiten absolvieren, die bislang in einem Salzstock durchgeführt werden mussten. Man kann Hohlräume nachbauen und dort virtuell strahlende Abfälle einbringen. Dann testen die Forscher, welche Veränderungen Hitze und Druck auf die Endlagerstätte bewirken.

 


Die verlorenen Mädchen von Gorleben
Der Biomathematiker Hagen Scherb über ungeborene Mädchen in der Nähe von Atomanlagen (Wdh. vom 15.05.2012)

Im Umkreis von Atomanlagen und Atomkraftwerken verschiebt sich das Geschlechterverhältnis der Neugeburten. Es werden weniger Mädchen geboren als Jungen. Vermutlich sterben weibliche Embryonen in einer sehr frühen Phase der Entwicklung. Die potenziellen Eltern bemerken das nicht. In und um Gorleben zeigt sich der Effekt am deutlichsten.

 

 Wohin mit dem Atommüll?
Konstantin Zurawski über die schwierige Suche nach einem Endlager

Gelbe Fässer für Atommüll im Endlager MorslebenAuch im Endlager für radioaktive Abfälle Morsleben stapeln sich die Atommüllfässer. (dpa / picture alliance / Jens Wolf)Selbst wenn die deutschen Kernkraftwerke schnell vom Netz genommen werden, bleibt das Problem der Lagerung des Atommülls weiter bestehen. Denn niemand möchte ein Endlager vor der Haustür haben. Konstantin Zurawski erklärt, wo ein Endlager liegen könnte und wie es im Schacht Konrad aussieht, dem ersten deutschen Endlager.

 


Die problemlose Endlagerung
Der Nobelpreisträger Werner Heisenberg beurteilte in den 1950er Jahren das Problem aus heutiger Sicht falsch.

Der Physiker Werner Heisenberg.Der Physiker Werner Heisenberg erhielt im Jahr 1932 den Nobelpreis. (picture alliance | dpa | Roland Witschel)In den 1950er Jahren steckte die kommerzielle Nutzung der Atomkraft noch in den Kinderschuhen. Wissenschaft und Bevölkerung meinten, in Sachen Energiegewinnung den Stein der Weisen gefunden zu haben. Die Konsequenzen wurden unterschätzt, wie auch der Vortrag des Nobelpreisträgers Werner Heisenberg zeigt.



Mehr bei DRadio Wissen:

AKW Mülheim-Kärlich: Atomkraftwerk auf den Schrott
Henning Hübert auf Abrisstour durch das Kernkraftwerk Mülheim-Kärlich
(Natur vom 04.06.2012)

Atomenergie - Deutschland sucht das Endlager
Nach wochenlangem Stillstand kommt wieder Bewegung in das Ringen um die Suche nach einem Atommüll-Endlager.
(Natur vom 25.04.2012)

Kernenergie - Zwischenlagern auf unbestimmte Zeit
Jedes Atomkraftwerk hat ein Zwischenlager - so auch das AKW Grohnde in Niedersachsen.
(Natur vom 27.07.2011)

Atommüll - 100.000 Jahre Sicherheit?
In Schweden soll das weltweit erste Atommüll-Endlager entstehen. Kritiker zweifeln allerdings an der Sicherheit der gewählten Endlagermethode mit Kupferkapseln.
(Natur vom 12.05.2011)

Genetik - Radioaktive Strahlung und Mutationen, Teil 1
1. Teil des Vortrags des US-amerikanischen Biologen und Nobelpreisträgers Hermann Muller aus dem Jahr 1955
(Hörsaal )

Weitere Informationen:

Zukunfts-Archäologie: Wie verstecken wir unseren Müll vor den Nachfahren?
(Spiegel Online vom 11.07.2012)

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