Energie Atomkraft - nun doch
Sonja Meschkat im Gespräch mit Michael Schlesinger
Vor zehn Jahren hat die damalige rot-grüne Bundesregierung für den Ausstieg aus der Atomenergie gestimmt. Dieser Entschluss steht nun in der schwarz-gelben Regierung zur Debatte. Dabei herrscht Uneinigkeit in der Koalition: Die einen versprechen sich Emissionsminderungen und Strompreisminderungen durch Atomkraft, andere halten das für Humbug.
17 Kernkraftwerke sind in Deutschland noch am Netz, ihr Anteil an der allgemeinen Versorgung mit Strom lag 2007 bei 22,1 Prozent - weltweit trägt Atomenergie mit rund 15 Prozent zur globalen Stromerzeugung bei. Damit ist Atomenergie hierzulande ein wichtiger Bestandteil des Energiemixes. Wie lange das noch der Fall sein soll, steht jedoch zur Debatte. "Laufzeitverlängerungen ja oder nein?", lautet dabei die Kernfrage - und das, obwohl der Ausstieg aus der Atomenergie in Deutschland seit zehn Jahren beschlossene Sache ist.
Eine Studie, viele Interpretationen
Die einen wünschen sich eine Verlängerung der Laufzeiten um zehn Jahre, andere fordern eine völlige Öffnung der Laufzeiten. In diesem Disput hat Bundeskanzlerin Angela Merkel nun verlauten lassen, dass zehn bis 15 Jahre vernünftig wären. Damit positioniert sie sich zwischen den beiden extremsten Meinungen in ihrer Regierung: Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) hat ausgerechnet, dass die Atomkraftwerke in Deutschland bis zu zwanzig Jahre länger laufen müssten, um Treibhausgase zu mindern, die deutsche Wirtschaft zu stärken und die Strompreise zu mindern. Sein Kollege und Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) ist gegen eine Laufzeitverlängerung, da sie seiner Meinung nach nur wenig oder gar nicht zur Einschränkung der Treibhausgase beitrage und die Strompreise nur marginal mindern könnten. Ihre unterschiedlichen Aussagen stützen beide Politiker auf ein und dieselbe Studie, die sie gemeinsam vorgelegt haben.
DRadio Wissen-Moderatorin Sonja Meschkat hat mit Michael Schlesinger über die Studie gesprochen und gefragt: Was sind die Ursachen für die unterschiedlichen Meinungen? Schlesinger ist Chefökonom des Wirtschaftsunternehmens Prognos, wo er das Geschäftsfeld Energie und Klimaschutz leitet.
Atomenergie in Deutschland
Atomkraft? Nein danke - Protest gegen Kernenergie (Flickr/Ralph von der Heyden)
Es war im Jahr 2000 - zu Zeiten der rot-grünen Koalition - als in Deutschland der vollständige Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen wurde. Bis zum Jahr 2021 sollten die Atomkraftwerke abgeschaltet und ihre Stromerzeugung durch erneuerbare Energien ersetzt werden - rechtlich umgesetzt wurde dies mit der Novelle zum Atomgesetz aus dem Jahr 2002, die nun zur Debatte steht.
Vor- und Nachteile von Atomenergie
Im Vergleich zu den anderen klassischen Energieträgern - Steinkohle, Erdgas und Mineralöl - ist Atomenergie vergleichsweise günstig. Eine Kilowattstunde kostet rund 2,7 Cent. Zum Vergleich: Steinkohle und Erdgas kosten jeweils 3,35 Cent und 4,9 Cent pro Kilowattstunde. Auch bei der Klimabilanz schlägt Atomenergie weniger zu Buche - Kernkraftwerke produzieren Strom ohne Emissionen. Die entstehen jedoch beim Bau und Abbau des Brennstoffs Uran, der vollständig nach Deutschland eingeführt werden muss. Zudem speisen Atomkraftwerke Strom rund um die Uhr ins Netz ein. Bei erneuerbaren Energien ist das nicht möglich, da sie von äußeren Bedingungen - Wind, Sonne, Wasser - abhängig sind und die erzeugte Energie nicht gespeichert werden kann. Der größte Nachteil der Atomenergie sind jedoch die anspruchsvollen und teuren Sicherheitsmaßnahmen bei Bau und Instandhaltung der Kraftwerke, sowie die weitgehend ungeklärte Problematik, sichere Endlager für die strahlenden, radioaktiven Abfälle zu finden.
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Informationen zum Thema Energie auf der Seite des Bundesumweltamts
Greenpeace-Schwerpunkt Energie
Der Energieverbrauch der privaten Haushalte nach Energieträgern und Anwendungsbereichen - eine Grafik von bpb.de