Montag, 20. Mai 2013

Agenda /

Enthüllungsplattform Das Comeback von Wikileaks  

Webschau mit Thomas Reintjes

Wikilekas-Gründer Julian Assange auf der Pressekonferenz im  Front Line Club in London am  27 Februar 2012. 
Zurück in der Offensive - Wikileaks-Gründer Julian Assange. (picture alliance | dpa | Kerim Okten)

Einige Zeit war es still geworden um Wikileaks. Nun hat die Plattform Millionen E-Mails von Stratfor veröffentlicht. Das Unternehmen soll als privater Geheimdienst operieren.

Am Montag (27.02.2012) hat die Whistleblower-Plattform Wikileaks begonnen, Millionen von E-Mails des US-amerikanischen Unternehmens Stratfor zu veröffentlichen. Offiziell erstellt Stratfor Analysen der geopolitischen Lage. Laut Wikileaks-Frontmann Julian Assange enthüllen die E-Mails jedoch, dass Stratfor eine Art privater Geheimdienst sei.

Klar ist: Für das Unternehmen Stratfor dürfte die Veröffentlichung ziemlich unangenehm sein. Es handelt sich um fünf Millionen interne E-Mails und solche aus der Kommunikation mit Kunden. "Wir weisen der CIA den Weg" schrieb Stratfor-Eigentümer Friedman an seine Analysten. Bislang ist aber erst ein kleiner Teil der Mails veröffentlicht worden.

Rüstungskonzerne und der Secret Service

Unternehmen beauftragen Stratfor mit Analysen. Rüstungskonzerne, aber auch staatliche Stellen wie das US-Heimatschutzministerium, der Secret Service und die Defense Intelligence Agency bezogen Informationen von Stratfor.

Nach den ersten Veröffentlichungen konzentrierte sich die Aufmerksamkeit aber vor allem auf einen Kunden von Stratfor: Die Firma Dow Chemical. Die hat Union Carbide übernommen, das Unternehmen, in dessen Werk sich der Chemie-Unfall im indischen Bhopal ereignete - laut Wikipedia mit 1600 unmittelbaren und inzwischen 20.000 Todesopfern.

Brause und Chemie

Dow Chemical hatte Stratfor den veröffentlichten E-Mails zufolge beauftragt, Aktivisten zu beobachten, die sich für die Opfer von Bhopal einsetzen. Allen voran die Yes Men. Die Gruppe hatte sich als offizielle Dow-Chemical-Sprecher ausgegeben, sich im Live-Programm der BBC für die Katastrophe entschuldigt und milliardenschwere Wiedergutmachung angekündigt.

Ein weiterer Stratfor-Kunde heißt offenbar Coca-Cola. Das Unternehmen wollte demnach mehr über die Tierschutzorganisation Peta erfahren. Das sagte Julian Assange am Montag (27.02.2012) auf einer Pressekonferenz.

Auch Wikileaks im Visier

Das Hauptthema dort war aber ein anderes: Julian Assange wies darauf hin, dass auch Wikileaks von Stratfor unter die Lupe genommen worden sei. 4000 E-Mails drehen sich demnach um Wikileaks. Was Assange aber noch mehr beunruhigt: die Verbindungen zwischen Stratfor und der US-Regierung.

Mehr über die Methoden von Stratfor schreibt auch tagesschau.de, der einzige deutsche Medienpartner bei dieser Veröffentlichung. Die Journalisten hatten mehrere Tage Zeit, sich vorab E-Mails anzusehen.

"Unregulierter Markt"

Nach ihren Recherchen gehörten zu den Informanten unter anderem türkische Regierungsberater, US-Diplomaten im Ausland, pakistanische Geheimdienstquellen und mexikanische Militärs. Stratfor soll demnach finanziellen, sexuellen und psychologischen Druck auf Informanten ausüben und unterliegt dabei keinerlei Kontrolle. "Der Private Intelligence Markt ist gänzlich unreguliert", so tagesschau.de.

Bleibt die Frage, wie Wikileaks überhaupt an die fünf Millionen E-Mails gekommen ist. Offenbar hat die Hacker-Gruppe Anonymous im Dezember Server von Stratfor angegriffen. Es wäre das erste Mal, dass Anonymous mit Wikileaks zusammengearbeitet hat. Wired.com hat mit einem Anonymous-Mitglied gesprochen, das mit der Sache zu tun haben soll. 

 

Diskutieren Sie mit uns über dieses Thema auf Facebook .

Zum Kommentieren bitte registrieren oder anmelden.

Zu diesem Beitrag gibt es noch keine Kommentare

Wenn Sie Verstöße gegen unsere Kommentar-Regeln feststellen, informieren Sie bitte die Forenadministration per E-Mail.

Beitrag hören

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Agenda

Viele Männer mit Waschbrettbäuchen in Kapuzenjacken von Abercrombie & Fitch

Abercrombie & FitchHauptsache exklusiv

Das Markenimage von Abercrombie & Fitch baut auf Exklusivität - das hat zu einem Shitstorm geführt.

Mehr …

Vier Reclam-Hefte auf grünem Untergrund - darüber steht in schwarzen Großbuchstaben: FUKC.

PflichtlektüreDa krieg' ich Pickel!

Dass Klassiker zur Pflichtlektüre gehören, ist gut. Aber manchmal passen sie nicht zum Lebensgefühl als Schüler.

Mehr …

Von der Seite fotografierter nackter Oberkörper einer Frau; Aufnahme ist unscharf

MedizinBrust raus

Angelina Jolie gilt als Vorbild - für eine schwere und folgenreiche Entscheidung.

Mehr …

Aufnahme einer Zelle unter dem Rasterelektronenmikroskop

StammzellenKlonen - der große Wurf?

Stammzell-Forscher haben erstmals menschliche Stammzellen geklont.

Mehr …

Motiv aus der Plakatkampagne der Digitalen Gesellschaft

NetzneutralitätMit Liebe gegen Drosselkom

Der Protest gegen die Drosselungspläne der Telekom verlagert sich auf die Straße.

Mehr …

Beatrice Egli strahlt in die Kamera

CastingshowsEinmal Star und zurück

Eine Studie hat die Langzeitfolgen von Castingshows erstmals umfassend untersucht.

Mehr …