Enthüllungsplattform Das Comeback von Wikileaks
Webschau mit Thomas Reintjes
Einige Zeit war es still geworden um Wikileaks. Nun hat die Plattform Millionen E-Mails von Stratfor veröffentlicht. Das Unternehmen soll als privater Geheimdienst operieren.
Am Montag (27.02.2012) hat die Whistleblower-Plattform Wikileaks begonnen, Millionen von E-Mails des US-amerikanischen Unternehmens Stratfor zu veröffentlichen. Offiziell erstellt Stratfor Analysen der geopolitischen Lage. Laut Wikileaks-Frontmann Julian Assange enthüllen die E-Mails jedoch, dass Stratfor eine Art privater Geheimdienst sei.
Klar ist: Für das Unternehmen Stratfor dürfte die Veröffentlichung ziemlich unangenehm sein. Es handelt sich um fünf Millionen interne E-Mails und solche aus der Kommunikation mit Kunden. "Wir weisen der CIA den Weg" schrieb Stratfor-Eigentümer Friedman an seine Analysten. Bislang ist aber erst ein kleiner Teil der Mails veröffentlicht worden.
Rüstungskonzerne und der Secret Service
Unternehmen beauftragen Stratfor mit Analysen. Rüstungskonzerne, aber auch staatliche Stellen wie das US-Heimatschutzministerium, der Secret Service und die Defense Intelligence Agency bezogen Informationen von Stratfor.
Nach den ersten Veröffentlichungen konzentrierte sich die Aufmerksamkeit aber vor allem auf einen Kunden von Stratfor: Die Firma Dow Chemical. Die hat Union Carbide übernommen, das Unternehmen, in dessen Werk sich der Chemie-Unfall im indischen Bhopal ereignete - laut Wikipedia mit 1600 unmittelbaren und inzwischen 20.000 Todesopfern.
Brause und Chemie
Dow Chemical hatte Stratfor den veröffentlichten E-Mails zufolge beauftragt, Aktivisten zu beobachten, die sich für die Opfer von Bhopal einsetzen. Allen voran die Yes Men. Die Gruppe hatte sich als offizielle Dow-Chemical-Sprecher ausgegeben, sich im Live-Programm der BBC für die Katastrophe entschuldigt und milliardenschwere Wiedergutmachung angekündigt.
Ein weiterer Stratfor-Kunde heißt offenbar Coca-Cola. Das Unternehmen wollte demnach mehr über die Tierschutzorganisation Peta erfahren. Das sagte Julian Assange am Montag (27.02.2012) auf einer Pressekonferenz.
Auch Wikileaks im Visier
Das Hauptthema dort war aber ein anderes: Julian Assange wies darauf hin, dass auch Wikileaks von Stratfor unter die Lupe genommen worden sei. 4000 E-Mails drehen sich demnach um Wikileaks. Was Assange aber noch mehr beunruhigt: die Verbindungen zwischen Stratfor und der US-Regierung.
Mehr über die Methoden von Stratfor schreibt auch tagesschau.de, der einzige deutsche Medienpartner bei dieser Veröffentlichung. Die Journalisten hatten mehrere Tage Zeit, sich vorab E-Mails anzusehen.
"Unregulierter Markt"
Nach ihren Recherchen gehörten zu den Informanten unter anderem türkische Regierungsberater, US-Diplomaten im Ausland, pakistanische Geheimdienstquellen und mexikanische Militärs. Stratfor soll demnach finanziellen, sexuellen und psychologischen Druck auf Informanten ausüben und unterliegt dabei keinerlei Kontrolle. "Der Private Intelligence Markt ist gänzlich unreguliert", so tagesschau.de.
Bleibt die Frage, wie Wikileaks überhaupt an die fünf Millionen E-Mails gekommen ist. Offenbar hat die Hacker-Gruppe Anonymous im Dezember Server von Stratfor angegriffen. Es wäre das erste Mal, dass Anonymous mit Wikileaks zusammengearbeitet hat. Wired.com hat mit einem Anonymous-Mitglied gesprochen, das mit der Sache zu tun haben soll.
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