Dienstag, 21. Mai 2013

Hörsaal /

Erinnerungskultur III Der Holocaust als Unterhaltung  

Die Literaturwissenschaftlerin Anat Feinberg und die Germanistin Britta C. Jung über den Holocaust

Der Dramatiker, Regisseur und Schauspieler George Tabori
Der Dramatiker, Regisseur und Schauspieler George Tabori (DeutschlandRadio - Jonas Maron)

Der künstlerische und literarische Umgang mit dem Holocaust ist häufig eine Gratwanderung: Vorträge über das polarisierende Theater George Taboris und die Darstellung der NS-Zeit in der Jugendliteratur.

Kaum einer hat mit seinen Inszenierungen so sehr polarisiert, wie der britisch-ungarische Regisseur - oder "Spielmacher" wie er sich selbst nannte - George Tabori: Er ließ ein ganzes Ensemble eine 40-tägige Fastenkur absolvieren, um Kafkas "Hungerkünstler" zu inszenieren, machte aus Jesu Leiden am Kreuz eine zynische Pointe und reimte harmlose Volkslieder zu spottenden Versen über den nationalsozialistischen Massenmord an Juden.

Humor und Grauen

Vor allem in seinen zahlreichen Umsetzungen des Themas Holocaust, in dem er selbst einen Großteil seiner Familie verloren hatte, stellte er dem Grauen und dem Tod trotzig und voller Hoffnung Humor und Lachen gegenüber - und stieß damit nicht nur auf Verständnis. Die Professorin für hebräische und jüdische Literatur Anat Feinberg hat in ihrem Vortrag "Von der Leidenschaft, Tabus zu brechen: Das Theater von George Tabori" Taboris Umgang mit dem Holocaust beleuchtet. Aufgezeichnet wurde dieser Vortrag während der Tagung "Mediale Transformation des Holocaust" des Goethe-Instituts Paris am 01. Juli 2011.

Kinderliteratur als Spiegelbild der Gesellschaft

Im gleichen Rahmen sprach die Germanistin Britta C. Jung über die Darstellung der NS-Zeit und des Holocaust in der Kinder- und Jugendliteratur. Keine andere Textgattung offenbare das Selbstverständnis einer Gesellschaft derart deutlich: Texte, die Erwachsene für Kinder und Jugendliche schreiben, können als eine Art Spiegel der Erinnerungskultur einer Gesellschaft gelten. In ihrem Tagungsbeitrag stellt sie Ergebnisse ihres Promotionsprojekts "Die (Er)Findung des Selbst im Universellen: Die Inszenierung von Nationalsozialismus und Holocaust in der zeitgenössischen Jugendliteratur" (Arbeitstitel) vor.



Weitere Vorträge in dieser Reihe:

Erinnerungskultur I
Die Ästhetik des Schreckens
Der Historiker Frank van Vree über die Visualisierung des Nationalsozialismus und deren Aspekte und Probleme.

Erinnerungskultur II
Erinnerung im Wandel
Der Medienwissenschaftler Thomas Weber spricht über den Einfluss von Film, Fernsehen und Internet auf die Erinnerungskultur

Erinnerungskultur IV
Panorama einer grausamen Zeit
Der Literaturwissenschaftler Jürgen Ritte über Walter Kempowskis "Echolot" als Erinnerung an die NS-Zeit

 

Mehr bei DRadio Wissen:

Erinnungsforschung: Gibt es eine europäische Erinnerungskultur?
Wir werfen einen Blick zurück nach vorn und beschäftigen uns mit dem Thema "Erinnerung". Heute fragen wir: Was bedeutet "Erinnerung" im historischen Kontext? Vortrag von Harald Welzer
(Hörsaal vom 30.12.2011)

Erinnerung: Dancing Auschwitz
Die Künstlerin Jane Korman hat ein Video gedreht, in dem sie, ihre Kinder und ihr 89-jähriger Vater - ein Auschwitz-Überlebender - zu dem Lied "I will survive" tanzen. Das Besondere daran? Als Drehort diente unter anderem das ehemalige KZ Auschwitz. Darf man das Unfassbare mit Humor nehmen?
(Kultur vom 29.12.2010)

Adolf und wir
Erst Retter, dann Verbrecher, schließlich Witzfigur. Wie sieht das Hitler-Bild der Deutschen heute aus? DRadio Wissen berichtet über die erste Hitler-Ausstellung in einem deutschen Museum.
(Agenda vom 15.10.2010)

Das Ende der Erinnerung?
Die Generation der Zeitzeugen stirbt - ändert sich dadurch der Umgang mit der Vergangenheit?
(Agenda vom 27.01.2010)

Weitere Informationen:

Gibt es eine "Europäische Erinnerungskultur"?
Interview mit Harald Welzer (goethe.de)

Erinnerungskultur und Zukunftsgedächtnis
Beitrag auf bpb.de von Harald Welzer


(Youtube | JosefstadtTheater)

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