Mittwoch, 19. Juni 2013

Hörsaal /

Erinnerungskultur IV Panorama einer grausamen Zeit  

Der Literaturwissenschaftler Jürgen Ritte über Walter Kempowskis "Echolot" als Erinnerung an die NS-Zeit

Besucher der Eröffnung der Austellung "Kempowskis Lebensläufe" betrachten am Samstag (19.05.2007) die Exponate in der Akademie der Künste in Berlin.
Mosaik der Erinnerung: Bei der Ausstellung "Kempowskis Lebensläufe" betrachten Besucher die gezeigten Exponate. (dpa | picture alliance | Klaus-Dietmar Gabbert)

Walter Kempowskis "Echolot" stellt als Collage von Erinnerungen, Bildern, Tagebüchern und Briefen aus den Jahren 1941 bis 1945 für den Literaturwissenschaftler Jürgen Ritte eine ganz besondere Form der Erinnerung dar.

Fast ein Vierteljahrhundert hat es den Schriftsteller Walter Kempowski gekostet, die Dokumente zusammenzutragen, die in sein Werk "Das Echolot" eingingen. Am Ende bestand es aus vier Teilen und umfasste insgesamt 9000 Seiten. Geschrieben hat er selbst dabei nicht, vielmehr hat er gesammelt und collagiert, um einige wenige Tage in den Jahren 1941, 1942 und 1945 durch ein Mosaik aus Erinnerungen vieler einzelner Menschen spürbar zu machen. Die Rezensenten waren begeistert, die wenigen Kritiker wenigstens von der Arbeitsleistung beeindruckt.

Eine besondere Erinnerung

Der deutsche Schriftsteller Walter Kempowski im neu eingerichteten Kemposwki-Archiv in RostockDer deutsche Schriftsteller Walter Kempowski im neu eingerichteten Kemposwki-Archiv in Rostock (AP)In seinem Vortrag "Culpa. Eine kollektive Schrift? 'Das Echolot' von Walter Kempowski" stellt Jürgen Ritte, Professor am Département Langues Etrangères Appliquées der Universität Sorbonne-Nouvelle, Paris 3, dieses besondere Erinnerungswerk vor. Sein Vortrag stammt von der Tagung "Mediale Transformation des Holocaust" des Goethe-Instituts Paris vom 1.07.2011.



Weitere Vorträge in dieser Reihe

Erinnerungskultur I - Die Ästhetik des Schreckens
Frank van Vree über die Visualisierung des Nationalsozialismus und deren Aspekte und Probleme.
(Hörsaal vom 30.07.2012)

Erinnerungskultur II - Erinnerung im Wandel
Der Medienwissenschaftler Thomas Weber spricht über den Einfluss von Film, Fernsehen und Internet auf die Erinnerungskultur.
(Hörsaal vom 31.07.2012)

Erinnerungskultur III: Der Holocaust als Unterhaltung
Die Literaturwissenschaftlerin Anat Feinberg und die Germanistin Britta C. Jung über den Holocaust auf der Theaterbühne und in Jugendbüchern.
(Hörsaal vom 01.08.2012)

Mehr bei DRadio Wissen:

Erinnungsforschung: Gibt es eine europäische Erinnerungskultur?
Wir werfen einen Blick zurück nach vorn und beschäftigen uns mit dem Thema "Erinnerung". Heute fragen wir: Was bedeutet "Erinnerung" im historischen Kontext? Vortrag von Harald Welzer
(Hörsaal vom 30.12.2011)

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Die Künstlerin Jane Korman hat ein Video gedreht, in dem sie, ihre Kinder und ihr 89-jähriger Vater - ein Auschwitz-Überlebender - zu dem Lied "I will survive" tanzen. Das Besondere daran? Als Drehort diente unter anderem das ehemalige KZ Auschwitz. Darf man das Unfassbare mit Humor nehmen?
(Kultur vom 29.12.2010)

Adolf und wir
Erst Retter, dann Verbrecher, schließlich Witzfigur. Wie sieht das Hitler-Bild der Deutschen heute aus? DRadio Wissen berichtet über die erste Hitler-Ausstellung in einem deutschen Museum.
(Agenda vom 15.10.2010)

Das Ende der Erinnerung?
Die Generation der Zeitzeugen stirbt - ändert sich dadurch der Umgang mit der Vergangenheit?
(Agenda vom 27.01.2010)

Weitere Informationen:

Chronist des untergegangenen deutschen Bürgertums
Zum Tod des Schriftstellers Walter Kempowski
(dradio.de vom 05.10.2007)

"Ich sehe die Dinge immer von ihrer grotesken Seite"
Schriftsteller Walter Kempowski über sein Leben
(dradio.de vom 18.05.2007)

Gibt es eine "Europäische Erinnerungskultur"?
Interview mit Harald Welzer (goethe.de)

Erinnerungskultur und Zukunftsgedächtnis
Beitrag auf bpb.de von Harald Welzer

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