Ethik Menschsein ab 500 Gramm
Monika Dittrich über die sogenannten "Sternenkinder"
-
- Nach der Geburt nimmt man den Fußabdruck von Neugeborenen. Für Eltern von Totgeborenen ist das eine Erinnerung an das Baby. (flickr.com | katypearce CC BY-NC 2.0)
Kinder, die mit weniger als 500 Gramm Geburtsgewicht sterben, gelten in Deutschland nicht als Personen und haben vielerorts kein Recht auf eine Beerdigung. Das wollen ein Vater und eine Mutter aus Hessen ändern. Ende Oktober stimmt der Bundestag dank ihrer Initiative über eine Gesetzesänderung ab.
Ab wann ist der Mensch ein Mensch? Das registrierte Leben beginnt in Deutschland erst mit 500 Gramm. Kinder, die nicht lebend zur Welt kommen und bei der Geburt weniger wiegen als 500 Gramm, sind nach deutschem Recht keine Personen, sondern Leibesfrucht, Fehlgeburt, Klinikmüll.
Ethische Grenze
Die 500-Gramm-Grenze beruht auf einer Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation. Lange Zeit galten Kinder unter 500 Gramm Geburtsgewicht als nicht lebensfähig. Doch dank moderner Medizin überleben heute schon viel kleinere Babys mit weniger als 300 Gramm Geburtsgewicht.
Petition im Bundestag
Trotzdem werden totgeborene Babys unter 500 Gramm in Deutschland nicht beurkundet. Und sie haben vielerorts kein Recht auf eine individuelle Bestattung. Doch das wird sich bald ändern: Eine Mutter und ein Vater aus Hessen haben für ein neues Gesetz gekämpft. Darin soll festgelegt werden, dass alle tot geborenen Kinder beurkundet und bestattet werden können. Ende Oktober wird der Bundestag darüber abstimmen.