Freitag, 24. Mai 2013

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Eurovision Song Contest Die Opposition erhebt die Stimme  

Webschau mit Thomas Reintjes

Collage: Zuschauer während des Halbfinales des Eurovision Song Contests | Gefängnisgitter
Viele Oppositionelle sitzen in Aserbaidschan in den Gefängnissen. (picture alliance | dpa | Sergei Ilnitsky | Robert B. Fishman | ecomedia | bearbeitet durch DRadio Wissen )

In Blogs meldet sich die aserbaidschanische Opposition zu Wort.

Mit regimekritischen Videos und Blogs wollen sich oppositionelle Aktivisten in Aserbaidschan Gehör verschaffen - etwa mit dem Video "Die Presseerklärung des Esels". Eine Person in einem Eselskostüm erklärt, dass sie aus Köln komme. Dort, in Deutschland, würden Esel nicht so sehr geschätzt wie in Aserbaidschan. Der ironische Unterton des Videos ist nur mit einigem Hintergrundwissen verständlich. Die Oppositionellen prangern an, dass die Regierung zwei Esel für 41.000 Dollar erworben hat. In den Augen der aserbaidschanischen Regimekritiker handelt es sich hier eindeutig um Korruption, da der Kaufpreis der Tiere um ein Vielfaches den üblichen Preis übersteigt. Die beiden Aktivisten, die das Video gemacht und ins Netz gestellt haben, wurden im Frühjahr 2010 verhaftet  und blieben mehrere Monate inhaftiert.

Die Presseerklärung des Esels – Eşşekle (Esel Heinz) müsahibe (Youtube | olmedia)

Milli: Künstler sollen Freilassung der politischen Gefangenen fordern

Inzwischen wurden die Urheber des Videos freigelassen und sind wieder politisch aktiv. Emin Milli, einer der beiden Aktivisten, hat einen Blogeintrag für die London School of Economics verfasst. Milli argumentiert, dass der Eurovision Song Contest (ESC) Fluch und Segen zugleich sei. Er ist ein Fluch wegen der Kosten von schätzungsweise 700 Millionen Dollar, die verursacht werden. Er sei wiederum ein Segen, weil zum ersten Mal die Aufmerksamkeit vieler internationaler Medien auf Menschenrechtsverletzungen in Aserbaidschan gelenkt werde. Nach Millis Auffassung sei es eine Pflicht für jeden Künstler, während der Live-Show die Freilassung aller politischen Gefangenen in Aserbaidschan zu fordern, was im Vorfeld von den Veranstaltern verboten wurde. Das trotz Verbot zu tun, könne den ESC zum bedeutendsten Event der europäischen Musikgeschichte machen.

Deutscher Video-Blog

Die deutschen Journalisten Lukas Heinser und Stefan Niggemeier berichten auf ihrem Video-Blog über die Situation in Aserbaidschan. Auf bakublog.tv kommen auch sie nicht umhin, wie beispielsweise in der Folge Opposition Song Contest vom vergangenen Dienstag (22.05.2012), die politische Situation im Land zu kommentieren. Neben Interviews mit aserbaidschanischen Oppositionellen und Vertretern von Reporter ohne Grenzen geben die beiden Journalisten – auf einem Hotelbett sitzend – persönliche Eindrücke wieder. Auch wenn bei bakublog.tv jetzt wieder Berichte über die Musik und den ESC im Vordergrund stehen, sind diese Videos ein Beleg dafür, dass man die Verletzung von Menschenrechten und die bestehenden Machtverhältnisse in Aserbaidschan nicht ignorieren kann.

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