Expertentum Die Kompetenz der Kompetenz
Gespräch mit dem Kommunikationswissenschaftler Daniel Nölleke
-
- Der Kommunikationswissenschaftler Daniel Nölleke. (Daniel Nölleke / WWU Münster)
Bombenanschläge, Attentate, Aufstände: Medien - oder vielmehr Journalisten - müssen schnell auf Ereignisse reagieren und sie einordnen. Mit Hilfe von Experten versuchen Medien innerhalb kürzester Zeit Einschätzungen und Bewertungen zu liefern, um auf dem Nachrichtenmarkt die Nase vorne zu haben. Aber manchmal verschätzen sich auch Experten.
Wie zum Beispiel im Fall der Bombenexplosion in Oslo im Juli 2011. Experten meinten die Handschrift von Terroristen erkannt zu haben, die Attentäter sollen Islamisten gewesen sein. Doch diese Einschätzung war falsch: Der Norweger Anders Breivik steckte hinter dem Anschlag in Oslo, im Anschluss erschoss er auf der Insel Utøya Teilnehmer eines Jugendcamps .
Keine akademische Anforderung
Fehleinschätzungen, die Experten in den Medien durchaus häufiger passieren können, das hat der Kommunikationswissenschaftler Daniel Nöllke herausgefunden. Er hat Tausende Zeitungsartikel, Hörfunk- und Fernsehberichte durchforstet.
Experten zeichnet seiner Meinung nach nicht immer das Fachwissen aus, wie es zum Beispiel in der Wissenschaft sein sollte. Denn in der Wissenschaft gilt ein Forscher als Lichtgestalt, wenn er ein Standardwerk verfasst, Grundlagenforschung betrieben oder einen bedeutenden Preis erhalten hat.
Brillante Eloquenz
In den Medien ist die Legitimation von Experten unschärfer gezeichnet. Was die Experten zu Experten macht, ist nicht immer klar, welche Kompetenz sie mitbringen, bleibt in manchen Fällen unklar. Verschiedene Experten haben einschlägige Erfahrungen gesammelt, wie Oliver Kahn, oder sie waren schon immer da, wie Peter Scholl-Latour. Wichtig ist, dass sie Dinge auf den Punkt bringen können, klare und korrekte Aussagen treffen - und am besten immer erreichbar sind.
Dieses Gespräch ist eine Wiederholung vom 18.04.2012.