Donnerstag, 23. Mai 2013

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Facebook Zuckerberg im Zenit  

Webschau mit Martina Schulte

Die Facebook-Aktie verlor alleine gestern zehn Prozent ihres Wertes
Die Facebook-Aktie verlor alleine gestern zehn Prozent ihres Wertes (picture alliance / dpa / Emily Wabitsch)

Aktienkurs im freien Fall, Roboter faken Klicks und die Nutzer verlieren die Lust.

Facebook ist ein Unternehmen der Superlative: Fast eine Milliarde Menschen sollen das soziale Netzwerk nutzen, dessen Wert sich laut dem jüngsten Quartalsbericht auf 10,2 Milliarden Dollar beläuft. Aber es scheint als habe Mark Zuckerberg seinen Zenit überschritten – der Aktienkurs kommt nicht in Schwung, in vielen Ländern wachsen die Nutzerzahlen nur noch langsam. Und die technische Entwicklung könnte dazu führen, dass Facebook weniger Geld über Werbung verdient.

Denn knapp 20 Prozent der rund 550 Millionen monatlichen Besucher nutzen die Seite nicht mehr vom stationären Rechner aus, sondern übers Smartphone von unterwegs. Und auf den mobilen Endgeräten lassen sich weniger Anzeigen schalten. Das amerikanische Blog Techcrunch findet diese Entwicklung besorgniserregend. Schließlich hat Facebook allein im zweiten Quartal 2012 84 Prozent seiner Einnahmen durch Werbung verdient.

Klickroboter machen Kasse

Und selbst die über Werbung gemachten Gewinne haben möglicherweise dubiose Quellen – so hat das amerikanische Start-up Limited Run angekündigt, Facebook zu verlassen. Das Unternehmen hatte über Facebook eine Werbekampagne gestartet und herausgefunden, dass 80 Prozent der dabei generierten Klicks möglicherweise von Bots stammen. Bots sind automatische Klickroboter, die die Klickrate der Werbeanzeigen künstlich hochgetrieben haben.

T3n.de fragt: "Was sind das für Bots, die bei Facebook für reichlich Ad-Klicks und damit für volle Kassen sorgen? Gibt es neben Facebook eventuell weitere Profiteure von hohen Werbeklickraten? Klar ist nur: Facebook würde von künstlich hochgetriebenen Klickraten enorm profitieren, schließlich ist Werbung die Haupteinnahmequelle der börsennotierten Plattform."

Faz.net meint,   die Affäre treffe Facebook in einem ungünstigen Moment: "Sollte sich der Verdacht bestätigen und die frisierten Klickraten kein Einzelfall sondern Strategie sein, wäre das kein Kavaliersdelikt, sondern ein gigantischer Schwindel, bei dem es um Beträge in vielfacher Millionenhöhe geht.“ Martin Weigert wirft bei Netzwertig.com grundsätzliche Fragen auf, Facebook befinde sich in einer "neuen, heiklen Phase des Produktlebenszyklus" – einer Phase, die von zunehmender Unzufriedenheit der Anwender, immer aggressiveren Vorstößen geprägt ist und von dem Druck, neue Umsatzquellen zu erschließen und endlich zuverlässig sprudelnde, hohe Gewinne zu produzieren.

Neue Features gegen die Facebook-Müdigkeit

Neue Features sollen Facebook nun helfen: Es gibt ein neues App-Center. In der Testphase sind auch neuen Fotogrößen, mit denen man seine Wall verschönern kann. Außerdem testet das Unternehmen eine Leseliste, in der man Beiträge für die spätere Lektüre speichern kann und es gibt eine neue "gesehen von" Funktion. 

Ibusiness meint, Facebook "mache sich offenbar daran, die passive Teilnahme am sozialen Netzwerk abzuschaffen". Und Liz Gannes schreibt bei All things Digital, eine der Hauptaktivitäten des Onlinelebens – das heimliche Herumschnüffeln – befinde sich auf dem Rückzug. Das Handelsblatt schreibt, die Folge sei, der Nutzer gebe noch mehr über sich preis.

User sind weniger zufrieden

Laut dem American Customer Satisfaction Index (ACSI) sind die Facebook-Kunden seit der Einführung der Chronik weniger zufrieden. In den USA war die Nutzungsdauer zuletzt rückläufig. Jürgen Vielmeier schreibt bei Basic Thinking: "Anders als bei vielen anderen Änderungen in den vergangenen Jahren können sich viele Nutzer an die Timeline einfach nicht gewöhnen.“ Und Martin Weigert meint bei Netzwertig.com, die Frage aller Fragen sei, ob es gelingen werde, die aktiven Anwender wieder zu begeistern.

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