Mittwoch, 19. Juni 2013

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Fair IT So pc ist Dein PC  

Wie ökologisch und fair sind unsere Computer, Tablets und Smartphones?

Der Dokumentarfilms "Blood in the mobile" von Frank Piasecki Poulsen zeigt die Arbeitsbedingungen in illegalen Minen im Kongo. Deren Seltene Erden werden nach Europa zur Herstellung von Mobiltelefonen exportiert.
Der Titel des Dokumentarfilms "Blood in the mobile" von Frank Piasecki Poulsen. (Screenshot Youtube "Blood in the mobile")

Seit Computer nicht mehr nur technische Geräte sind, sondern auch Lifestyle-Produkte, ist es den Kunden nicht mehr egal, unter welchen Umständen ihr Gerät hergestellt, wie dessen Rohstoffe gewonnen und unter welchen Arbeitsbedingungen es produziert wurde. Wie ökologisch die Gesamtbilanz unserer Computer und Mobiltelefone eigentlich ist, fragen wir im Tagesthema.

Mit der rasanten Herstellung von PCs und Smartphones entstehen Probleme, die vielen Verbrauchern nicht bewusst sind. Es fängt beim Abbau der Rohstoffe an, die für die Anfertigung von Handy und Computer notwendig sind: seltene Metalle wie zum Beispiel Coltan und Kobalt, die unter fragwürdigen menschlichen Bedingungen in afrikanischen Ländern gefördert werden.

"Fair IT" fürs makellose Image

Das passt zu keinem Image. Apple hat den Trend zum Lifestyle-Computer zuerst gesetzt und ist nun ganz besonders von dieser neuen Entwicklung betroffen. Am 7. März stellt der Konzern die dritte Generation des iPads vor. Damit kein Schatten auf das makellose Image fällt, berichtet der Konzern schon seit einiger Zeit, wie korrekt sich nicht nur das eigene Unternehmen, sondern auch die Zulieferer verhalten.

Auf der Computermesse Cebit hingegen spielt das Thema "Fair IT" kaum eine Rolle. Im Tagesthema gehen wir den Fragen nach, wie fair sich Computer, Smartphones und Tablets heute wirklich produzieren lassen und wie sehr sich das in Zeiten der globalen Arbeitsteilung überhaupt kontrollieren lässt.

 

 Der Druck der Konsumenten
Ein Gespräch mit dem Online-Journalisten Janko Röttgers

Das Bild zeigt den Schattenriss eines Arbeiters, der die charakteristischen Apple-Kopfhörer im Ohr trägt, die Kabel der Kopfhörer sind so um den Hals gelegt, dass es aussieht als würde der Arbeiter erdrosselt.Apple-Zulieferer Foxconn steht immer wieder in der Kritik, auch wegen Selbstmorden der Belegschaft. (sehroiber | flickr | CC BY-NC 2.0)Der Apple-Zulieferer Foxconn - der auch für Samsung, Dell oder Sony produziert - geriet schon 2010 wegen einer Selbstmord-Serie einiger Arbeiter in die Kritik. Anfang des Jahres berichtete die New York Times wieder über lange Arbeitszeiten, unzureichenden Arbeitsschutz und Unfälle mit Todesopfern.

Das wirft auch auf all die Firmen ein schlechtes Licht, von denen Foxconn Aufträge erhält. Aber Apple trifft es besonders, meint der in San Francisco lebende Online-Journalist Janko Röttgers: Kein anderes Unternehmen der Branche sei so abhängig von seinem guten Image. "Die Menschen hier erwarten nicht, dass Apple alle Arbeitsplätze in die USA verlagert", sagt Röttgers, "aber die schlechten Arbeitsbedingungen bei Foxconn werden hier durchaus wahrgenommen."

 

"Fair IT" ist in China noch kein Thema
Ein Gespräch mit dem China-Korrespondenten Markus Rimmele

Arbeiterinnen im Foxconn-Werk in Longhua, China, wo Mitarbeiter drohten sich umzubringen, wenn der Konzern die Arbeitsbedingungen nicht verbessere.Arbeiterinnen im Foxconn-Werk in Longhua, China, wo Mitarbeiter drohten sich umzubringen. (picture alliance/ANN / China Daily | Edmond Tang)Die Selbstmordserie bei Foxconn sorgte weltweit für Schlagzeilen: Verbot von Gewerkschaften, unbezahlte Überstunden, Kinderarbeit. Der Hersteller der Geräte vieler internationaler Elektronikkonzerne war in Verruf geraten. Was kritische Konsumenten im Westen als unfair kritisieren, empfindet man in China keineswegs so: Da sind die Arbeitsplätze bei den internationalen Produzenten begehrt, denn in vielen Branchen sind die Verhältnisse im innerchinesischen Vergleich viel schlimmer.

 

Faire, grüne Computer kein Thema
Ein Gespräch mit Christof Windeck, Hardware-Redakteur der Computerzeitschrift c't

Das Bild zeigt das Smartphone-Modell Galaxy Nexus von Samsung.  Die NGO Greenpeace hat Elektronikunternehmen auf ökologische und soziale Standards getestet. Samsung erreicht den siebten Platz – mit einer Punktzahl von 4.1 von 10 insgesamt erreichbaren Punkten.Samsung erhält auf der "Greener Electronic"Skala von Greenpeace den 7. Platz. 4.1 von 10 Punkten. (Samsung)"Fair IT" ist auf der Cebit kein Thema. Green IT jedoch, also das ökologische Herstellen und Betreiben von Computern, setzt sich mehr und mehr durch. Aber nicht aus Umweltschutzgründen, sondern weil es einfach billiger ist, mit weniger Material und weniger Stromverbrauch zu arbeiten. IT-Technik wirkt immer umweltfreundlicher, weil sich das Energie- und Ressourcensparen für die Unternehmen lohnt.

 

 


"Faire Smartphones gibt es nicht"
Ein Gespräch mit Cornelia Heydenreich von der Organisation Germanwatch

Das Bild zeigt das Smartphone-Modell Torch 9800 des Unternehmens RIM.  Die NGO Greenpeace hat Elektronikunternehmen auf ökologische und soziale Standards getestet. RIM erreicht den letzten (15.) Platz – mit einer Punktzahl von 1,6 bei 10 insgesamt erreichbaren Punkten.RIM (Blackberry) erhält auf der "Greener Electronic"Skala von Greenpeace den letzten Platz: 1.6/10. (dpa | picture alliance | RIM)Den wenigsten Verbraucher sind die Bedingungen bekannt, unter denen Smartphones oder Tablet-PCs produziert werden. "Es gibt im Moment keine Fair-Trade-Smartphones oder -Laptops", sagt Cornelia Heydenreich von der Entwicklungs- und Umweltorganisation Organisation Germanwatch. "Die IT-Branche ist weit davon entfernt, fair produzierte Geräte herzustellen."

Die größten Probleme sind Arbeitszeiten wie eine Sechs- bis Sieben-Tage-Woche oder drei Arbeitsmonaten am Stück ohne einen freien Tag. Dazu gehören auch gefährliche Arbeitsschritte, wie die Berührung mit giftigen Substanzen bei der Säuberung von iPhone-Touchscreens.



Apples Rechenschaftsbericht
Gespräch mit Konstantin Zurawski

Das Bild zeigt ein iPhone von Apple.  Die NGO Greenpeace hat Elektronikunternehmen auf ökologische und soziale Standards getestet. Apple erreicht den vierten Platz – mit einer Punktzahl von 4.6 von 10 insgesamt erreichbaren Punkten. Apple erhält auf der "Greener Electronic"Skala von Greenpeace den vierten Platz: 4.6 von 10 Punkten. (brianjmatis | flickr | CC BY-NC-SA 2.0)

Apple hat einen "Supplier Responsibility Progress Report” für 2012 herausgegeben. Darin wird erläutert, welche Kriterien Apple an eine faire Produktion legt, wie Apple versucht, die Einhaltung der Kriterien zu überprüfen und wie das ganze Thema "Fair Trade“ bei Apple in den vergangenen Jahren entwickelt hat. Im Supplier Responibility Report gibt Apple Auskunft über die Arbeitsbedingungen bei den Zuliefern. Es gibt noch viel zu verbessern.

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Mehr bei DRadio Wissen:

Schöner Schein - dunkle Hintergründe
Unsere Eier sind aus Freilandhaltung, unser Kaffee ist Fairtrade, nur an unseren schicken Handys klebt Blut.
(Netzreporter vom 05.03.2012)

Bessere Arbeitsbedingungen in China
iPhone, iPad und iPod sind Kult und Statussymbol. Dabei fallen die Arbeitsbedingungen beim chinesischen Apple-Zulieferer Foxconn häufig unter den Tisch.
(Agenda vom 15.02.2012)

Greenpeace-Kampagne für saubere IT
Greenpeace versucht, die IT-Industrie öffentlich unter Druck zu setzen.
(Medien vom 13.02.2012)

Weitere Informationen:


(21.02.2012: ABC-Reporter bei einem Besuch einer Foxcann-Firma. Yotube | ABC News)

Local voices remain unheard by mining and electronic companies
(somo.nl, 09.12.2011)

Blood in the mobile

makeITfair
(Kampagne verschiedener NGOs mit Unterstützung der Europäischen Union)

Procure IT Fair
(Kampagne für nachhaltige Herstellung von Computer)

PC Global
(Projekt der NGO WEED, Kooperation mit Procure IT Fair)

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