Fairness Der Geist der Regeln
Wer fair spielt, nutzt einen ungerechtfertigten Vorteil aus freien Stücken nicht - das lohnt sich
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- Fair Play. Hier im britischen Fußball: Jimmy Floyd Hasselbaink (Charlton) hilft Fredrik Ljungberg (Arsenal). (dpa | picture alliance | Jon Buckle )
Beispiel Badminton, Olympische Spiele in London: Gleich vier Doppelteams der Damen versuchen absichtlich ein Vorrundenspiel zu verlieren, um später in der K.O.-Runde auf leichtere Gegner zu treffen. Sie schießen ihren Aufschlag ins Aus oder ins Netz, der Schiedsrichter ermahnt die Spielerinnen - erfolglos. Eigentlich verletzen die Spielerinnen keine Regel. Trotzdem werden die vier Teams wegen dieses Verhaltens disqualifiziert.
Das zeigt: Gerade im Sport gilt es als unfair, nicht alles zu geben und dem anderen einen Sieg zu schenken. Das Gleiche gilt aber auch für die Wirtschaft: Hier heißt Fairness, dass im Wettbewerb alle zu den gleichen Bedingungen antreten - statt sich mit Korruption, Dumpinglöhnen oder -preisen zu übervorteilen.
Wir klären, warum Fairness eine Grundvoraussetzung des menschlichen Zusammenlebens ist.
Fair Play - ein Exportschlager aus England
Philosophin Claudia Pawlenka über Ethik im Sport
Nicht so fair: Chinas Badmintonspielerinnen Yu Yang und Wang Xiaoli (nicht im Bild) haben absichtlich verloren. (dpa | picture alliance | Vladimir Pesnya)Fairness im Sport - das heißt, die Spielregeln einzuhalten. Es ist eine moralische Haltung, die dem Gegner großzügig entgegenkommt; die bedeuten kann, dass man auf einen (unverdienten) Vorteil verzichtet. Fairness kann eine Schutzfunktion übernehmen, indem sie Emotionalität und Aggressivität im Sport kanalisiert. Die Idee der Fairness stammt aus dem England des 19. Jahrhunderts, erklärt die Philosophin Claudia Pawlenka.
Was heißt hier fair?
Theologe Norbert Copray erklärt die Voraussetzungen des fairen Umgangs
Unfair kommt vor dem Fall. Der ehemalige Verteidigungsminister zu Guttenberg am Times Square. (dpa | Gero Breloer)Wer unfair handelt, kommt oft weiter, muss aber Ablehnung und Verachtung aushalten. Denn unfaires Verhalten wird schnell erkannt - auch wenn kaum jemand sich immer fair verhält. Nach Ansicht von Norbert Copray braucht man ein gesellschaftlich verankertes Fairness-Bewusstsein, das jeder Einzelne einüben muss - im Sport, in der Politik oder in der Unternehmenskultur.
Auch die Konkurrenz verdient Respekt
Betriebswirt Nick Lin-Hi über Fair Play in der Wirtschaft
Fairtrade: Kaffee für rechtschaffene Gemüter. (dpa | picture alliance | Miriam Ersch)Wer es in der Wirtschaft zu etwas bringen will, muss rücksichtslos sein. Der Pin-up-Boy der Wirtschaftstheoretiker ist der Homo oeconomicus. Andererseits ist die Drogeriekette Schlecker auch gescheitert, weil ihr ein Billiglohn-Image anhaftete. Viele Kunden wollten nicht bei dem Unternehmen kaufen, das wegen seines Umgangs mit Mitarbeitern verrufen war.
Gerecht geteilt
Dörte Fiedler über faire Kinder (Wiederholung vom 16.12.2011)
Mein Bonbon ist Dein Bonbon: Fairness unter Kindern. (bengrey | flickr | CC BY-SA 2.0)Schon Kleinkinder im Alter von drei Jahren haben ein Gefühl für faires Verhalten. Das haben Forscher vom Max-Planck-Institut für vergleichende Anthropologie in Leipzig gezeigt. Obwohl kleine Kinder Dinge aus ihrem Umfeld mit einem energischen "Meins!" beanspruchen, teilen sie zum Beispiel ergatterte Süßigkeiten. Das unterscheidet ihr Verhalten von dem von Menschenaffen und Schimpansen.
Vortritt für den Gegner
Fairplay-Preis-Gewinnerin Katrin Green über Fairness als Sportlerin
Die Paralympics-Siegerin Katrin Green bei der Verleihung des Fair Play Preises. (dpa | picture alliance | Oliver Killig)Katrin Green ist Spitzenathletin und Goldmedaillen-Gewinnerin bei den Paralympics 2008 in Peking. Bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften der Sportler mit Behinderungen 2011 hatte sie sich für den Wettbewerbsvorteil einer Konkurrentin eingesetzt. Die trat mit besonderen Schuhen an und verwies Green auf den zweiten Platz. Für ihr Verhalten erhielt Katrin Green den Fair-Play-Preis des Deutschen Sports.