Fernsehen So sehen wir morgen fern
Am dem 30. April wird in Deutschland das analoge Satellitenfernsehen abgeschaltet. DRadio Wissen berichtet über neue Techniken und Fernsehgewohnheiten.
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- Schüler benutzen im Unterricht die 3D-Videobrille für räumlich dargestellte Lerninhalte. (Carl Zeiss AG)
In der Nacht zum 30. April wird in Deutschland das analoge Satellitenfernsehen abgestellt. Wer sein TV-Programm über eine Satellitenschüssel empfängt, braucht ab Mitternacht einen neuen digitalen Receiver oder er sieht nur noch Schnee.
Die Bundesrepublik holt mit dieser technischen Umstellung nach, was in anderen Ländern schon längst geschehen ist.
Von der Couchpotatoe zur Brillenschlange
Die analoge Sitzhaltung ist schon heute überholt. Technische Innovationen ermöglichen das mobile Fernsehen zum Beispiel mit einer Videobrille. Wie verändern sich das Fernsehen, das Fernsehverhalten, die Programme und die Verbreitungswege durch die neuen Techniken?
Televisor auf der Nase
c't-Redakteur Volker Zota kennt die Glotze von morgen
Der Vorstandsvorsitzende der Carl Zeiss AG, Dieter Kurz, trägt die neue Multimedia Videobrille. (picture-alliance/ dpa | Marijan Murat)Die Brillenmodelle für das mobile Fernsehen befinden sich noch in der Entwicklung. Problematisch sind daran die noch schwachen Schwarzwerte und der geringe Kontrast. Videobrillen-Visionen gibt es genug: Google will, dass man mit Spezialbrille durch die Straßen zieht und dabei angebotene Internetdienste nutzt. Unterschiedliche Kabel verbinden Videobrillen schon mit iPod, iPhone oder DVD-Player. Eine Multimedia Videobrille hat die Carl Zeiss AG entwickelt: Der "3D cinemizer OLED" kommt ab Sommer 2012 auf den Markt und wird rund 600 Euro kosten. Jeder Blickwinkel soll mit dieser Brille frei wählbar sein und alle Kopfbewegungen umgesetzt werden. Das aktuelle Modell hat c't-Redakteur Volker Zota getestet.
Rennaissance des Kabelfernsehens
IT-Journalist Jan Rähm erklärt, warum viele Menschen den Fernsehbildschirm dem Computerbildschirm beim Ferngucken vorziehen.
Mutter und Tochter gucken "Wetten dass...?" mit Moderator Thomas Gottschalk im Fernsehen. (picture alliance / ZB | Patrick Pleul)Fernsehen übers Internet (IP-TV) bietet einige Vorteile. Dazu gehören das personalisierte Fernsehen und "TV on demand". Doch die Akzeptanz ist noch gering - was auch daran liegt, dass Anbieter des Kabelfernsehens über ihre Leitungen neben dem Fernsehen auch schnelles Internet anbieten und damit Kunden abgreifen. Auch deshalb steigt die Telekom jetzt ins Kabelgeschäft ein - und macht dem eigenen Produkt IP-TV Konkurrenz. Neben dem Fernsehen über Internet und Kabel gibt es aber auch die kabellosen Übertragungswege: Antenne und Satellit.
Wer nicht umschaltet, sieht nur noch Schnee
Wie das Fernsehprogramm digital vom Sender in den Fernseher kommt, beschriebt der Journalist Konstantin Zurawski.
Störbild "Kein Signal" auf einem Fernsehbildschirm. Das analoge Signal endet am 30. April 2012. (picture alliance / dpa | Daniel Karmann)In der Nacht zum 30. April werden alle TV-Anstalten ihre Programme digital zum Satelliten schicken. Von dort werden sie an die einzelnen Satellitenschüsseln auf Hausdächern oder Balkonen zurückgeschickt. Zwischen Senden und Empfangen vergehen nur einige Sekunden, in denen die Bilder unterwegs sind und bearbeitet werden. Konstantin Zurawski erklärt, was zwischen Senden und Empfangen geschieht und wie die Bilder für die schöne neue, digitale Welt von der Erde zum Satelliten und wieder zurück gelangen.
Im Ausland wird schon lange digital geguckt - Agenda, 14.00 Uhr
Peter Kujath berichtet aus Japan und Stefan Troendle aus Rom
Laut, bunt, lustig und wenig kritisch: Japans Fernsehunterhaltung am Abend. (Stéfan | Flickr | CC BY-SA 2.0)In Italien läuft wie in den USA der Fernsehapparat den ganzen Tag, aber kaum jemand schaut wirklich zu. Das lohne sich ohnehin nicht, meinen Kritiker des italienischen Fernsehprogramms. In Italien gibt es analoges Fernsehen schon lange nicht mehr, anders als in Japan. Dort wurde das analoge Signal erst vor kurzem abgestellt. Um dem digitalen Fernsehen zum Durchbruch zu verhelfen, wurde mit dem Skytree der höchste Fernsehturm der Welt gebaut. Durchgesetzt hat sich in Japan auch das kostenlose Handy-TV.
Fernsehkonsum steigt stetig
Der Medienwissenschaftler Jörg Hagenah bestätigt, dass wir immer mehr fernsehen.
Ich ist ein Fernseher. (CCFlickr / Tony Eccles)Der Medienwissenschaftler Jörg Hagenah von der Universität Köln untersucht, welche Menschen wie viel fernsehen. Seine Ergebnisse: Der Fernsehkonsum ist über die vergangenen Jahrzehnte immer weiter angestiegen. Gründe dafür seien die Einführung des Privatfernsehens und das Aufkommen der Spartensender. Seit einigen Jahren stagniere der Fernsehkonsum nun unverändert auf hohem Niveau. Eine weitere Erkenntnis: Alle sozialen Schichten sehen fern - das Alter der Zuschauer unterscheide sich jedoch sehr. Wichtigstes Kriterium für die Fernsehnutzung: Freizeit. Je mehr Freizeit ein Mensch habe, desto mehr gucke er fern.