Fotografie World Press Photo 2011
Ein Beitrag von Thomas Fitzel
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- World Press Photo des Jahres 2010 (Jodi Bieber, Südafrika, Institute for Artist Management/Goodman Gallery for Time magazine)
Der Afghanin Bibi Aisha war wegen angeblicher Ehrbeleidigung die Nase abgeschnitten worden. Wie entsteht so ein Bild? Was tut Jodi Bieber, um an ihre Motive heranzukommen? Die südafrikanische Fotografin konzentriert sich in ihren Bildern auf Randexistenzen und Ausgestoßene. Thomas Fitzel stellt Bieber und ihre Arbeitsweise vor.
Es gibt Fotos, die vergisst man sein Leben lang nie. Es sind Fotos, die unsere Erinnerung prägen, die private ebenso wie die kollektive – zum Beispiel das nackte vietnamesische Mädchen, das vor den Napalmbomben flieht oder die fünf jungen Libanesen, die im Cabrio durch das zerbombte Beirut fahren.
Ein Foto aus Jodi Biebers Serie "A Weapon of War" (© 2011, Jodi Bieber)
Eine Ausstellung im Berliner Willy-Brandt-Haus zeigt derzeit die ergreifendsten und eindringlichsten Pressebilder des letzten Jahres. Zum World Press Photo (Weltpressefoto) des Jahres 2010 wurde das Porträt der versehrten, jungen Afghanin Bibi Aisha gewählt. Ihr Mann, ein Taliban-Kämpfer, hatte ihr die Nase abgeschnitten, weil sie angeblich seine Ehre verletzt habe. Das Bild der Südafrikanerin Jodi Bieber löste heftige Kontroversen aus.
Sorgfältige Vorbereitung
Die 38-Jährige gewann schon vorher sieben World Press Photo Awards. Jetzt hat sie auch noch den Preis für das Foto des Jahres bekommen. Dadurch hat sich für die Fotografin alles verändert – mit einem Schlag ist sie weltweit bekannt.
Bild aus einer Serie von Jodi Bieber (© 2011, Jodi Bieber)
Zu ihrem Arbeitsstil gehört eine sehr sorgfältige Vorbereitung, erzählt sie: "Ich versuche, über die betreffenden Personen alles herauszufinden, telefoniere mit ihnen zuvor und frage sie nach ihren Vorstellungen. Bevor ich dann das Foto mache, suchen wir gemeinsam nach dem richtigen Ort dafür, denn ich setze meine Porträts in eine Landschaft hinein. Der Hintergrund ist sehr wichtig für die Fotografie."
Anders als bei dem Bild von Bibi Aisha arbeitet sie häufig mit einem Weitwinkelobjektiv – selbst bei Porträts, was ungewöhnlich ist. Aber damit fängt sie die Umgebung einer Person mit ein – und die erzählt oft eine ganz eigene Geschichte.
Gefährlicher Job
Jodi Bieber, Preisträgerin des World Press Photo Award 2010, neben ihrem Siegerfoto. (AP)
Jodi Bieber begibt sich für ihre Bilder nicht unbedingt in Gefahr. Sie selbst sagt, ihre einzige Dummheit sei gewesen, während der Ebola-Krise nach Uganda zu reisen. In Afghanistan reiste sie bewusst nicht über Kabul hinaus.
Und doch bleibt die Gefahr nicht aus. Bieber hört sich alle Geschichten von Gewalt und Krieg an und zeichnet sie teilweise auch auf. Das bleibt nicht ohne Spuren: "Normalerweise sprechen Fotografen nicht über posttraumatischen Stress, aber der existiert schon." Sie schiebt aber nach: "Da, wo ich jetzt in Johannesburg lebe, da gibt es viele Bäume, ältere Damen, und das hält mich im Gleichgewicht."