Frankreich "Der Mann weiß nicht, was er tut."
Gespräch mit Elísio Macamo, Afrikawissenschaftler an der Universität Basel
Der französische Präsident Nicolas Sarkozy stelle für Afrika eine unberechenbare Gefahr dar, sagt Elísio Macamo. Zuerst habe Frankreich sich aus den Aufständen in Tunesien raushalten wollen, nun sei das Land in der Elfenbeinküste und in Libyen an vorderster Front dabei.
Vor einigen Jahren hatte der französische Präsident angekündigt, die militärische Präsenz der Grande Nation in Afrika eindämmen zu wollen. Die ehemalige Kolonialmacht wollte Zurückhaltung üben und sich in den afrikanischen Ländern, die bis vor rund 50 Jahren noch französische Kolonien waren, weniger einmischen.
Tunesien: Frankreich hält sich raus
Zwei Männer bewegen sich vor einem Bild des gestürzten tunesischen Präsidenten Ben Ali (AP)Zu Beginn der Aufstände in Nordafrika, die in Tunesien ihren Anfang nahmen, sah es so aus, als würde das gelingen. Am 24. Januar 2011 sagte Sarkozy während der Unruhen in Tunesien: "Für die Kolonialmacht ist es nicht rechtmässig, über die inneren Angelegenheiten einer Ex-Kolonie zu urteilen. "Und verteidigte damit die Haltung Frankreichs, sich nicht in die inneren Angelegenheiten in dem nordafrikanischen Land einzumischen.
Bis zum Sturz des tunesischen Präsidenten Ben Ali hatte Frankreich die Proteste kaum unterstützt. Danach bemerkte Sarkozy: "Frankreich hat das Ausmaß der Verzweiflung der Tunesier unterschätzt."
Libyen: Sarkozy fordert Luftangriffe
Anfang März sahen Sarkozys Statements in Bezug auf Libyen dann ganz anders aus: Er erkannte als erster westlicher Regierungschef den Rebellenrat als rechtmäßigen Vertreter Libyens an, dann forderte er - vor allen anderen europäischen Staaten - Luftangriffe auf die Truppen Gaddafis.
Nachdem der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen am 17. März 2011 die UN-Resolution 1973 mit der Errichtung der Flugverbotszone über Libyen zum Schutz der Zivilbevölkerung verabschiedet hatte – Deutschland enthielt sich bei der Abstimmung -, beanspruchte Sarkozy die Vormachtsstellung in der "Allianz der Willigen".
Elfenbeinküste: Aus Vermittlung wird militärisches Vorgehen
Die Gewalt in der Elfenbeinküste eskaliert: Anhänger des gewählten Präsidenten Ouattara (AP)
Auch in der Elfenbeinküste - bis August 1960 eine französische Kolonie - sind für Franreich die Tage der Zurückhaltung vorbei.
Zunächst verhielt sich Frankreich neutral in dem Machtkampf in der Elfenbeinküste zwischen dem ehemaligen Präsidenten Laurent Gbagbo und dem Wahlsieger Alassane Ouattara. Gbagbo klammert sich verzweifelt an die Macht und lehnt einen Rücktritt ab, obwohl Ouattara international als demokratisch gewählter Präsident anerkannt wurde.
Die Gewalt zwischen den Anhängern beider Politiker eskaliert jedoch zunehmend. Zusammen mit UN-Blauhelmtruppen will die französische Regierung nun militärisch zum Schutz der Bevölkerung in den Konflikt eingreifen. Französische Einhorn-Truppen haben bereits die Kontrolle über den Flughafen übernommen.
Sanktionen statt Gewalt
Elísio Macamo, Assistenzprofessor für African Studies an der Universität Basel, bewertet Sarkozys Verhalten als unberechenbar, bezeichnet es jedoch nicht als Neokolonialismus. Dennoch hält er Sanktionen und Vermittlung für die besseren Mittel, den Krieg in der Elfenbeinküste zu beenden. Auch in Bezug auf den Libyen-Einsatz zeigt er sich skeptisch: "Niemand weiß, wer eigentlich diese Rebellen sind, die wir hier unterstützen."
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