Frankreich Sieg für den Sozialisten
Blick auf das Internet - mit Andreas Noll
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- Nach seinem Wahlsieg lässt sich François Hollande von seinen Anhängern feiern. (picture alliance / dpa)
Neuer Hausherr im Elysée-Palast ist François Hollande.
Frankreichs designierter Präsident François Hollande hat seinen Wahlsieg in Paris mit Zehntausenden Anhängern gefeiert. In einer Ansprache auf dem Place de la Bastille rief er am Sonntagabend (06.05.2012) dazu auf, nun auch für einen Sieg der Sozialisten bei der Wahl zur Nationalversammlung im Juni zu kämpfen. Mit knapp 52 Prozent der Stimmen hat sich der Sozialist Hollande gegen den amtierenden Präsidenten Nicolas Sarkozy durchgesetzt. Hollande plädiert für einen Politikwechsel - in Frankreich und über Frankreich hinaus.
Gewinn vorausgesagt
Dass Hollande die Präsidentschaftswahl in Frankreich gewinnen würde, hatten die Meinungsforscher schon seit Wochen vorhergesagt. Noch vor Schließung der Wahllokale veröffentlichten zahlreiche ausländische Medien die ersten Umfragen, die sogleich in den sozialen Netzwerken verbreitet wurden.
Die französischen Nachrichtenseiten hielten sich indes zurück - die Behörden hatten bis zu 75.000 Euro Strafe für die vorzeitige Veröffentlichung angedroht. Das Internet wird übrigens auch bei der Parlamentswahl in vier Wochen wieder Schlagzeilen machen. Erstmals können zumindest die Franzosen im Ausland ihre Stimme über das Netz abgeben.
Liveblog zur Wahl
Den Wahlabend selbst konnten die User in Frankreich und weltweit per Liveblog verfolgen. Europablogger Eric Bonse von "Lost in Europe" ärgerte sich aber über die verhaltenen Glückwünsche aus Berlin für den sozialistischen Präsidenten.
In den deutschen Analysen überwiegt die Vorstellung, dass Hollande sein Wahlprogramm erst einmal den tristen ökonomischen Realitäten anpassen muss: "Der Präsident, der Frankreich enttäuschen muss", schreibt Mathieu von Rohr auf Spiegel Online. Ähnlich sieht es auch Gero von Randow auf Zeit.de "Auf Hollande wartet die Realität".
Kritik aus Großbritannien
Noch kritischer wird die Agenda des neuen Präsidenten allerdings bei der Wirtschaftspresse in Großbritannien gesehen. Hollande sei gefährlich und schlecht für sein Land und Europa, schreibt der Economist. Die Financial Times sieht in ihm den "zurückhaltenden Revolutionär". Deutlich entspannter blickt dagegen die Schweiz auf die Wahl der Franzosen. "Hollande ist ein sehr pragmatischer und gemäßigter Linker. Der Sieg der Sozialisten in Frankreich kommt gerade zur rechten Zeit.", analysiert die Online-Ausgabe des Tagesanzeiger.
Zu den Hauptversprechen des Kandidaten Hollande gehörte ein Ende der Austeritätspolitik in Europa. Blicklog-Macher Dirk Elsner ist da skeptisch: "Deutschland, und das ist die eine Platte der Tektonik, wird sich aber nicht von der Austerität abbringen lassen können. Die Bevölkerung, so zumindest mein gerade durch eine aktuelle Umfrage bestätigter Eindruck, unterstützt die deutsche Politik eines (Achtung Worthülsenalarm) 'verantwortungsbewussten Umgangs' mit den Rettungsgeldern."
Eine umfangreiche Liste europäischer Online-Stimmen zur Wahl in Frankreich gibt es auf eurotopics.net und presseurop.eu.