Generationendialog Die Zukunft des Alters, Teil 3
Literaturwissenschaftler Hans-Georg Pott über Demenz in der Literatur
In unserer Reihe über das Alter befassen wir uns mit einem ganz speziellen Thema: "Altersdemenz und das Wissen der Literatur". Erinnern und Vergessen gehören zum Kern des Menschseins – kein Wunder dass sich die Literatur immer wieder damit befasst.
Der österreichische Schriftsteller Arno Geiger schildert in seinem Buch "Der alte König im Exil" eine Vater-Sohn-Beziehung, die durch die Alzheimer-Erkrankung des Vaters nachhaltig verändert wird. Dabei geht es nicht nur um die einfühlsame und humorvolle Darstellung eines Erkrankten, sondern auch um eine Deutung der Krankheit.
Demenz - die neue Schwindsucht
Wie Thomas Mann in seinem "Zauberberg" die Schwindsucht als Bild für die europäische Gesellschaft vor dem Ersten Weltkrieg deutet, so deutet Geiger die Demenz als Sinn- und Spiegelbild der heutigen Zeit. "Der Überblick ist verloren gegangen, das verfügbare Wissen nicht mehr überschaubar, pausenlose Neuerungen erzeugen Orientierungsprobleme und Zukunftsängste. Von Alzheimer reden heißt von der Krankheit des Jahrhunderts reden."
Den Vortrag hielt der emeritierte Professor Hans-Georg Pott von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Er ist Experte für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft. Gehalten hat er seine Rede auf Einladung der Volkswagenstiftung an der Friedrich-Schiller-Universität Jena am 2. Dezember 2011.
Dieser Hörsaal wurde ursprünglich am 27.06.2012 gesendet.