Geografie und Identität Wo ist der Westen?
Ein Gespräch mit dem Historiker Jürgen Osterhammel
Für die einen umfasst "der Westen" nur Westeuropa und Nordamerika, für die anderen gehören auch Australien und Japan dazu. Was der Westen ist, versteht man vielleicht am besten nicht geographisch, sondern ideengeschichtlich.
Wohl kaum jemand hätte Schwierigkeiten, Europa auf der Weltkarte zu lokalisieren und seine Grenzen aufzuzeigen. Der Westen ist dagegen ein Begriff, der mehrere Bedeutungsebenen in sich trägt. Da geht es um gemeinsame Geschichte, gesellschaftliche Werte, politische Ideen und Ordnungen, Rechtsvorstellungen und vieles mehr.
Der Westen wird oft gleichgesetzt mit der Zivilisation, dient zur Abgrenzung gegen "unzivilisierte Barbaren", "unterentwickelte Naturvölker" oder auch "extremistische Muslime". Die Schwammigkeit des Begriffes erlaubt es unter dem Westen so widersprüchliche Phänomene wie das Christentum, den Atheismus, europäische Traditionen und Zukunftstechnologien zusammenzufassen.
Unser Gesprächspartner, der Historiker Jürgen Osterhammel, Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Konstanz, wird seine Thesen zu Westen auch in einem Vortrag auf dem Akademietag 2011 der Union der Deutschen Akademien der Wissenschaften am 20. Juni 2011 in Berlin vorstellen.