Geschichte Rufmord mit Tradition
Der Historiker Michael Sommer hat sich mit historischen Beispielen übler Nachrede beschäftigt
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- Wie man andere diskreditiert wusste man schon in der Antike. (Gary A. K.|flickr|CC BY-NC-SA 2.0)
Im alten Rom funktionierte die üble Nachrede genau wie heute - allerdings nur posthum. In der Antike war üble Nachrede meist ein Zeichen für das Ende einer Dynastie, denn dem verstorbenen Kaiser folgte niemand, der sein Wirken entsprechend hochloben konnte.
Ein Beispiel ist der 218 nach Christus gekrönte römische Kaiser Elagabel. Von ihm wird berichtet, er sei als Transvestit verkleidet in Bordellen erschienen, habe sich als Frau verkleidet Freiern angeboten, habe sich von seinem Geliebten vergewaltigen lassen und sei schließlich der Idee verfallen, eine Geschlechtsumwandlung durchführen zu lassen.
Sex sells
Als er 222 umgebracht wird, beginnt eine kaum vergleichbare Rufmordkampagne: Während die einen klassischen Irrsinn ins Feld führen, weist ein anderer auf seine syrische Herkunft und die damit verbundene Andersartigkeit des dekadenten Orients hin. Bis heute weiß man nicht, ob es sich bei diesen Anschuldigungen um Tatsachen oder Erfindungen handelt.
Die Methoden sind ähnlich
Für den Althistoriker Michael Sommer kommt es weniger darauf an, ob die Vorwürfe im Einzelnen stimmen. Ihn interessiert, warum über Elagabal und andere römische Kaiser, etwa Caligula oder Nero, derartig negativ berichtet wurde. Dabei hat er Gemeinsamkeiten zu den Rufmordkampagnen der modernen Mediengesellschaft gefunden.
Das Gespräch ist eine Wiederholung vom 21.09.2012.