Montag, 20. Mai 2013

Kultur /

Geschichte Rufmord mit Tradition  

Der Historiker Michael Sommer hat sich mit historischen Beispielen übler Nachrede beschäftigt

Street Art auf einer Mauer zeigt eine Figur der Comic-Serie "Die Simpsons", die mit dem Finger auf jemanden zeigt und auslacht.
Wie man andere diskreditiert wusste man schon in der Antike. (Gary A. K.|flickr|CC BY-NC-SA 2.0)

Im alten Rom funktionierte die üble Nachrede genau wie heute - allerdings nur posthum. In der Antike war üble Nachrede meist ein Zeichen für das Ende einer Dynastie, denn dem verstorbenen Kaiser folgte niemand, der sein Wirken entsprechend hochloben konnte.

Ein Beispiel ist der 218 nach Christus gekrönte römische Kaiser Elagabel. Von ihm wird berichtet, er sei als Transvestit verkleidet in Bordellen erschienen, habe sich als Frau verkleidet Freiern angeboten, habe sich von seinem Geliebten vergewaltigen lassen und sei schließlich der Idee verfallen, eine Geschlechtsumwandlung durchführen zu lassen.

Sex sells

Als er 222 umgebracht wird, beginnt eine kaum vergleichbare Rufmordkampagne: Während die einen klassischen Irrsinn ins Feld führen, weist ein anderer auf seine syrische Herkunft und die damit verbundene Andersartigkeit des dekadenten Orients hin. Bis heute weiß man nicht, ob es sich bei diesen Anschuldigungen um Tatsachen oder Erfindungen handelt.

Die Methoden sind ähnlich

Für den Althistoriker Michael Sommer kommt es weniger darauf an, ob die Vorwürfe im Einzelnen stimmen. Ihn interessiert, warum über Elagabal und andere römische Kaiser, etwa Caligula oder Nero, derartig negativ berichtet wurde. Dabei hat er Gemeinsamkeiten zu den Rufmordkampagnen der modernen Mediengesellschaft gefunden.

Das Gespräch ist eine Wiederholung vom 21.09.2012.



Mehr bei DRadio Wissen:

Selbstdarstellung: Die Macht der Pose
Die Kunst des Showing Off beherrschten schon die antiken und mittelalterlichen Könige und Kaiser.
(Agenda vom 27.08.2012)

Mehr zum Thema:

Der Politiker als Hurenbock, Dirne und Transvestit
(welt.de vom 13.09.2012)

Das Kalenderblatt: Der römische Kaiser Elagabal wird ermordet
(br.de vom 11.03.2011)

(Marcus Aurelius Antoninus) Elagabal, 218-222 n.Chr.
(viamus.uni-goettingen.de)

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Kommentare 1 - 1 von 1

  • 1. die tradition der üblen nachrede ...

    basiert auf bestimmten menschlichen eigenschaften, die offenbar im zuge der sozialisation nicht verloren gehen. eine der eigenschaften ist die feigheit. üble nachrede findet selten statt in form von direkten äusserungen zu denen ein verleumder öffentlich stehen würde. im gegenteil. den toten böse worte hinter her zu werfen ist keine kühne tat, wenn sich kein erbe findet, der die ehre der verblichenen verteidigt. das risiko für die verleumdung einstehen zu müssen ist also gering. noch geringer ist die gefährdung für einen verleumder, kann er ein medium nutzen wie das web. wer es geschickt anstellt, kann aus dem untergrund virtuellen kot produzieren und auf die objekte seiner wahl werfen. solange strafverfolgung im web an der passivität der provider scheitert, die offenbar andere interessen verfolgen als die persönlichkeitsechte vo usern zu schützen, wird dieses übel nicht verschwinden. moral und ethik funktionieren offenbar nur, wenn man/frau mit dem eigenen namen dafür eintreten soll.

    AOrhon 21.09.2012 13:17 Uhr

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