Mittwoch, 19. Juni 2013

Kultur /

Geschichte Was der Klang verrät  

Der Historiker Jan-Friedrich Missfelder erforscht, was Klänge erzählen

Ohr und Auge
Die Klanggeschichte kann uns Details und Erkenntnisse liefern. (Stock.XCHNG / Gert Lanser)

Die Klanggeschichte verrät, warum und wann das Peitschenknallen in der Stadt störte, wer dem König am nächsten stand und wie Zeitgenossen ihre Umwelt wahrnahmen.

Die Erkenntnisse der Klanggeschichte ersetzen die Geschichtswissenschaft nicht, sondern ergänzen sie in Details und mittels Anekdoten. Facetten bestimmter historischer Entwicklungen werden erst mit der Konzentration auf deren Klanggeschichte kenntlich.

Um 1860 gab es in London zum Beispiel eine Kampagne gegen Straßenmusiker, vor allem gegen italienische Drehorgelspieler und deutsche Blaskapellen. Der Klanghistoriker Jan-Friedrich Missfelder von der Universität Zürich kann anhand dieses akustischen Phänomens die Entwicklung freiberuflicher Berufe besser verstehen. Journalisten oder Anwälte störten sich an dem Lärm und erwirkten die Möglichkeit, dass die Kapellen nicht mehr vor ihrer Wohnung spielen durften.

Schopenhauer hasste die Peitschen knallenden Kutscher

Ähnlich ging es dem Philosophen Arthur Schopenhauer, der sich Mitte des 19. Jahrhunderts über das Peitschenknallen in der Stadt beschwerte. Auch das verweist auf die Entwicklung freier Berufsstände und auf die Ausbildung  oder Zuspitzung spezifischer Wahrnehmungsformen. Auch das untersucht der Historiker Missfelder in der Klanggeschichte. Schopenhauer sah nicht die Funktion der Peitsche als Antriebsmittel für Pferdekutschen. Er nahm sie lediglich als Störung der denkenden Schicht durch die Unterschicht wahr.



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